Kreis Südliche Weinstraße „Wir brauchen dringend Leute“

„Die ersten neuen Paten haben schon Termine gemacht, auch für ein Sorgenkind von mir – eine schwangere junge Frau“, freut sich die Leiterin des diakonischen Werks der protestantischen Kirche, Ulrike Brunck, nach einer Infoveranstaltung in Bad Bergzabern in der vergangenen Woche. Thema war die Situation der Flüchtlinge in der Verbandsgemeinde und welche Hilfe dringend gebraucht wird.
Rund 20 ehrenamtlich Tätige und ebenso viele, die es werden wollten, waren gekommen. 94 Flüchtlinge und Asylbewerber leben zurzeit in der VG und es werden mehr. Die Aufgabe der Verwaltung beschränke sich auf die Unterbringung. Danach seien sie allein, ohne Sprachkenntnisse, in einem Land, dass sie nicht kennen, erklärte Brunck. Versorgt werden die Flüchtlinge von rund 60 Ehrenamtlichen bei der Tafel, in der Kleiderkammer und im Möbellager. „In den zwei, drei Jahren, in denen das Asylverfahren derzeit bearbeitet wird, dürfen sie nichts tun. Sie werden verrückt, bekommen Depressionen“, sagt Brunck, die diese Menschen neben ihrer Haupttätigkeit in der Diakonie betreut und dringend weitere Ehrenamtliche sucht. „Wir brauchen jeden, egal wie viel Zeit er hat und womit er sich einbringen will.“ Mögliche Aufgabengebiete können Patenschaften für Familien oder Einzelne sein, ein „Minihausmeister“, der zum Beispiel die Benutzung einer Waschmaschine erklärt, Menschen, die mit den Flüchtlingen musizieren oder Fahrräder reparieren, oder weitere Unterstützer des bereits laufenden Sprachkurses. „Wir platzen aus allen Nähten. Wir brauchen dringend Leute“, so Elke Wöhler-Wischhusen, die die Sprachkurse organisiert. Diese Themen werden in Zukunft von vier von der Verbandsgemeinde bestellten ehrenamtlichen Integrationshelfern koordiniert. Es sind Susan Hardies, Medizinerin Sabine Kerstan, Alfons Feister und Fatima Mussa, die selbst vor mehr als zwei Jahren als Flüchtling von Syrien nach Deutschland gekommen ist und ausgezeichnet deutsch spricht. „Für uns war alles fremd, wenn man dann jemanden hat, der einem hilft, ist das wie ein zweites Leben“, sagt sie. „Es ist beglückend. Die Menschen freuen sich alleine darüber, dass man da ist“, ist die Erfahrung der ehrenamtlichen Koordinatorin Sabine Kerstan, die auch Patin von zwei Einzelpersonen ist. „Wir wollen auch ein Willkommenspaket übergeben, wenn die Menschen ankommen“, ist der Wunsch von Koordinator Alfons Meister. „Ein solches Paket sei Pflicht der Behörde, das müssten doch die Ehrenamtlichen nicht auch noch machen“, so eine Besucherin. „Schwierig“ sei es, so der erste VG-Beigeordnete Martin Engelhard, für so viele unterschiedliche Nationen ein Paket zusammenzustellen. Ein dringender Appell von Verbandsbürgermeister Hermann Bohrer ging an die Bürger, die Wohnraum zur Verfügung stellen können. „Das Kreisaltenheim wurde wegen baulicher Mängel geschlossen“, antwortete Bohrer auf die Frage, ob das leerstehende Gebäude nicht vorübergehend für die Unterbringung genutzt werden könne. Viele Namen von Menschen, die sich engagieren wollen, standen am Ende der Veranstaltung auf der Liste. Musik, Sport, schulische Belange, Ausflüge, Begleitung zu Ämtern oder Patenschaften wurden als Fähigkeiten und Wünsche angegeben. Auch die Mithilfe im geplanten „Café Grenzenlos“, in dem sich die Nationen zwanglos treffen und miteinander reden können. „Das geht auch mit Händen und Füßen“, ist die Erfahrung der Ehrenamtlichen. „Ich dachte, es ist gut, wenn man helfen kann“, sagt der Student Flemming Kuntz. „Ich sehe immer drei junge Flüchtlinge auf der Straße, sie kommen mir so verloren vor“, so eine Bürgerin aus Klingenmünster. Beide haben sich in die Liste eingetragen. Interessenten können sich bei Jörg Dornick in der VG-Verwaltung melden, Telefon 06343 70133, E-Mail j.dornick@vgbza.de. (pfn)