Landau / SÜW Wir über uns: Wieso Igel die RHEINPFALZ so mögen
Wie soll die RHEINPFALZ denn in Zukunft geliefert werden? Weiterhin auf Papier gedruckt, also so, wie sie schon immer Tag für Tag im Postrohr steckt? Oder doch lieber als Online-Version, die auf dem Tablet oder dem Smartphone gelesen werden kann? Für und Wider gibt es für beide Varianten zur Genüge. Der Trend spricht jedenfalls schon seit einigen Jahren klar gegen das Printprodukt. Und wie das nun mal so ist bei liebgewonnenen Dingen, die drohen, zu verschwinden: die Meinungen darüber gehen stark auseinander. Zumindest trifft das auf die Menschen zu.
Im Tierreich sieht die Sache ganz anders aus. Igel zum Beispiel haben eine eindeutige Position. Sie können mit dem Digitalzeugs überhaupt nichts anfangen. Papier muss her und sonst gar nix. Anders kann man den Aufruf bei Facebook nicht verstehen. „Wir brauchen alte Zeitungen, am liebsten die RHEINPFALZ“, lautet der Eintrag in einer Gruppe. Eigentlich ist das ja unmissverständlich – und trotzdem wirft das Fragen auf. Was wollen die Igel mit alten Zeitungen? Wieso muss es ausgerechnet die RHEINPFALZ sein? Wobei Letztgenanntes unabhängig von der Antwort ausdrücklich zu loben ist. Das aber nur am Rande.
Ausschließen können wir, dass die Meckis die Ausgaben der vergangenen Monate lesen wollen. Erstens gibt es bekanntermaßen nichts Älteres als die Zeitung von gestern. Zweitens können Igel höchstwahrscheinlich überhaupt nicht lesen. die Studienlage zu diesem Thema ist zwar äußerst dünn, aber es deutet im Prinzip alles darauf hin, dass es so ist. Oder haben Sie schon mal einen niedlichen Stachelmann gesehen, der im Ohrensessel sitzt und Goethes Faust studiert?
Den Igeln geht’s nicht gut
Das ist natürlich albern – und insofern der Sache im Grunde nicht angemessen. Denn die Lage ist ernst. Der westeuropäische Igel wird von der Internationalen Union zur Bewahrung der Natur (IUCN) als „potenziell gefährdete Art“ eingestuft. Und zwar deshalb, weil der Mensch mit seiner Art zu leben den Tieren mehr und mehr ihre Rückzugsorte wegnimmt. Es gibt immer weniger Hecken, Sträucher und verwilderte Ecken. Und wenn sich doch mal ein kleiner Stachelmann im Garten eingenistet hat, lauert mit dem Mähroboter der Tod auf Rädern.
Es gibt glücklicherweise aber auch Menschen, denen die Igel und deren Wohlergehen nicht egal sind. Simone Kaiser und Markus Walber aus Kandel zum Beispiel. Der erwähnte Facebook-Post stammt von Kaiser, die die alten Zeitungen zum Auslegen der Böden in ihren Igel-Häuschen im heimischen Hof braucht. Die RHEINPFALZ sei deshalb optimal geeignet, weil sie von der Größe her perfekt in die Holzboxen passe, und weil wenig Druckerschwärze verwendet werde, erzählt sie.
Gelesen wurde die Bitte um alte Zeitungen unter anderem von einem meiner Kumpels. „Organisier mal was“, schrieb er mir unter einen Screenshot des Posts. Gesagt, getan. Denn natürlich gibt es nicht viele Plätze in der Pfalz, an denen der Zugriff auf alte RHEINPFALZ-Ausgaben so leicht ist wie in der Lokalredaktion Landau. Organisiert war die Sache schließlich schnell. Einige Tage später durften Kaiser und Walber einen Redakteur mit einem Wäschekorb voller alter Zeitungen begrüßen. die Freude bei den beiden Igel-Pflegern war groß. Noch größer dürfte sie aber bei den Meckis sein. Sie können sich ihr Futter nun auf RHEINPFALZ gebettet schmecken lassen und müssen nicht frieren. Und ja: Auch ich freue mich, denn es fühlt sich gut an, geholfen zu haben.