Dierbach RHEINPFALZ Plus Artikel Winzer will Ausnahmegenehmigung für mehr Wohnmobilstellplätze

Platz für Wohnmobile hat Dieter Geiger rund um sein Weingut genug. Trotz vorhandener Infrastruktur dürfen aber nicht überall Cam
Platz für Wohnmobile hat Dieter Geiger rund um sein Weingut genug. Trotz vorhandener Infrastruktur dürfen aber nicht überall Campingmobile abgestellt werden. Der Winzer hofft auf eine Ausnahmeregelung.

Der Wohnmobiltourismus boomt. Das weiß keiner besser als Dieter Geiger, der auf seinem Gelände 30 Stellplätze anbietet. Oft ist der Andrang aber größer. Das hat dem Winzer im Herbst einigen Ärger eingebracht. Obwohl er eine Lösung für sein Problem gefunden hat, befürchtet er im Frühjahr erneut Stress.

„Wegen Corona konnten die Menschen ja nicht so in den Urlaub fahren wie gewohnt, deshalb war im vergangenen Jahr bei uns noch mehr los als sonst“, sagt Dieter Geiger. „Und wenn jetzt der Lockdown vorbei ist, wird es vermutlich noch schlimmer“, befürchtet der Chef des Familienweinguts in der Dierbacher Hauptstraße. Im Januar und Februar hat Geiger traditionell geschlossen, im März beginnt die Saison. Und dann kommen die Wohnmobile.

Nach langem Hin und Her konnte Geiger im Sommer 2015 auf einer Fläche von rund 5000 Quadratmetern Wohnmobilstellplätze direkt hinter seinem Weingut anbieten. Auf vier terrassenförmig angelegten Plätzen finden rund 30 Wohnmobile bequem Platz. Oft sind es auch ein paar mehr, gerade an den Wochenenden. „Ich schicke, so weit möglich, niemanden weg“, sagt Geiger. Bei den Wohnmobilisten hat sich rumgesprochen, dass Geiger über eine ausgezeichnete Infrastruktur verfügt. Alle erforderlichen Ver- und Entsorgungseinrichtungen, W-Lan, dazu Duschen und WC. Rund 50.000 Euro hat Geiger im vergangenen Jahr investiert, um die Stellplätze mit Rasengitterplatten zu befestigen.

Viele Wohnmobilisten kommen aus der Nähe

Zehn Euro verlangt Geiger pro Tag und Wohnmobil. „Damit decken wir unsere Kosten.“ Gewinn macht er mit seiner Weinstube und dem Weinverkauf. „90 Prozent unseres Weins setzen wir im Hofverkauf ab, 60 Prozent davon nehmen die Camper mit“, sagt Geiger. Inzwischen hat er viele Stammgäste, häufig kommen diese aus der Umgebung, etwa aus dem badischen Raum. „Die machen einen Kurztrip, um zwei, drei Tage hier zu entspannen.“ Der Ansturm beginnt meist am Freitag und geht bis Sonntag. Zum Wochenbeginn kehrt dann meist Ruhe ein. Im Sommer kommen dann auch Wohnmobilisten von etwas weiter her, die auch mal etwas länger bleiben.

„Bei den Wohnmobilfreunden spricht sich schnell rum, wo es schön ist“, so Geiger. Deshalb würden seine Plätze schon lange nicht mehr ausreichen. Geiger plant, 40 weitere Stellplätze auf einer angrenzenden Wiese anzulegen. Darüber hat er auch Landrat Dietmar Seefeldt informiert. Dieser war in Dierbach, um sich ein Bild der Lage zu machen. Es sei ihm wichtig, alles rechtlich Mögliche zu tun, um den im Landkreis angesiedelten Unternehmen, Winzern und Landwirten durch die Corona-Krise zu helfen, so Seefeldt. Dass der Wohnmobiltourismus an der Südlichen Weinstraße floriere, begrüße er, so Seefeldt, „dort wo es möglich und rechtlich zulässig ist“. Es sei grundsätzlich eine erfreuliche Entwicklung, dass viele Winzer Wohnmobilstellplätze anbieten würden.

Erweiterung soll in zwei Jahren fertig sein

Auf RHEINPFALZ-Anfrage weist die Kreisverwaltung darauf hin, dass Geiger im Außenbereich von Dierbach bereits eine große Stellfläche für Wohnmobile bauaufsichtlich genehmigt worden sei. Sie erinnert an die einzelnen Schritte. Nach einem erfolgreichem Zielabweichungsverfahren seien durch eine Änderung des Flächennutzungsplans und der Erstellung eines Bebauungsplanes die rechtlichen Grundlagen geschaffen worden. Wenn die genehmigte Fläche nun ausgeschöpft sei, müssten dieselben Verfahrensschritte erneut erfolgen. Nur dann sei es der Bauaufsichtsbehörde möglich, eine Genehmigung für eine Erweiterung des Wohnmobilstellplatzes zu erteilen.

Das weiß auch Geiger, und daran will er sich auch halten. Demnächst beschäftigt sich die Verbandsgemeinde mit der Änderung des Flächennutzungsplans, dann will Geiger einen Bauantrag stellen. „Wenn alles klappt, sind die Plätze in zwei Jahren fertig.“

Zwangsgeld angedroht

Doch das ist Zukunftsmusik. Kurzfristig hilft das dem geschäftstüchtigen Winzer nicht. Im Herbst hat Geiger den Wohnmobilisten eine Fläche geöffnet, die direkt an die Stellplätze angrenzt. Sein Nachbar hatte nichts dagegen. „Doch dann hat mich jemand angezeigt“, ärgert sich Geiger. Am 15. September erhielt er Besuch von der Kreisverwaltung. Der Mitarbeiter zählte 14 Wohnmobile auf einer dafür nicht genehmigten Fläche. Zwei Wochen später, am 1. Oktober, beschloss der Ortsgemeinderat Dierbach, grundsätzlich Wohnmobile auf allen Flächen zu tolerieren, die geeignet sind, um so den örtlichen Tourismus zu fördern. Trotzdem erhielt Geiger wenige Tage später Post von der Kreisverwaltung. Ihm wurde ein Zwangsgeld von 3000 Euro angedroht, wenn nach dem 31. Oktober noch Campingmobile auf nicht dafür vorgesehenen Flächen stehen würden.

„Es blieb ohne Folgen, im November ist die Saison vorbei. Aber das Problem sehe ich im Frühjahr wieder auf mich zukommen“, so Geigers Befürchtung. Nach dem Lockdown erwartet der Winzer einen noch größeren Ansturm: „Die Leute sind doch ganz wild darauf, wieder rauszukommen.“ Geiger bittet deshalb darum, seine Ausweichfläche für eine Übergangszeit zu tolerieren. Er hat sich an die Kreisverwaltung gewandt, aber auch an den Landrat persönlich, den Tourismusverein, den rheinland-pfälzischen Wirtschaftsminister Volker Wissing und einige andere Stellen.

Kreis: Temporäre Ausnahme nicht zulässig

Doch vonseiten des Landkreises wird ihm wenig Hoffnung auf eine Ausnahme gemacht. „Eine bauplanungsrechtliche Privilegierung im Sinne des Baugesetzbuches – wie zum Beispiel für landwirtschaftliche Betriebe – ist für Wohnmobilstellplätze nicht gegeben. Das Baurecht gibt der hiesigen Baubehörde keine Option, bauplanungsrechtlich unzulässige Vorhaben temporär zuzulassen“, teilt der Kreis mit.

„Es ist doch Blödsinn, Tourismusförderung zu betreiben und dann die Leute zu vergraulen“, meint Geiger. „Wir haben hier den Platz und die Infrastruktur.“ Drei Festangestellte beschäftigt Geiger in seinem Weingut, dazu kommen während der Saison 17 Aushilfskräfte in seiner Gastronomie. „Und von der Kaufkraft der Touristen profitieren doch auch viele andere.“ Als Beispiel nennt er einen Bäcker aus einer Nachbargemeinde, der im Oktober bei den Campern einen Brötchenservice angeboten hat. „Ich appelliere an den gesunden Menschenverstand, die Wohnmobile in der Region zu tolerieren. Es geht doch nur um die Wochenenden, unter der Woche ist doch Ruhe“, betont Geiger.

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