SÜW RHEINPFALZ Plus Artikel Wie steht es um das geplante Wetterradar?

So sieht ein Wetterradar des Deutschen Wetterdienstes aus. Diese Anlage befindet sich in Offenthal.
So sieht ein Wetterradar des Deutschen Wetterdienstes aus. Diese Anlage befindet sich in Offenthal.

Der Pfälzerwald könnte vielleicht Standort für ein Niederschlagsradar sein. Die Anlage soll vor kurzfristig drohenden Unwettern und Starkregen warnen. Der Deutsche Wetterdienst hat zwei Bereiche in der Südpfalz im Blick. Was sagt die Naturschutzbehörde?

Christian Müller vom Maikammerer Wetterbüro Klima-Palatina hat von der Kalmit aus Temperaturen, Windgeschwindigkeiten und Regenmengen in der Region im Blick. Von dort erstellt er Wetterprognosen für die kommenden Tage. Die Meteorologie sei so ausgeklügelt, dass extreme Wetterlagen frühzeitiger erkannt werden können, sagte er in einem RHEINPFALZ-Gespräch. Das Niederschlagsradar, das der Deutsche Wetterdienst (DWD) im Pfälzerwald errichten möchte, würde seiner Arbeit aber nicht widersprechen, sondern sie ergänzen. Durch solch eine Anlage soll schließlich die Frage geklärt werden, wie das aktuelle Wetter ist und ob in den nächsten Stunden ein Gewitter droht. „Mit Prognosen für längere Zeiträume hat solch ein Wetterradar nichts zu tun“, betont der Wetterbeobachter, um Missverständnisse zu vermeiden.

Standorte abgeklappert

Die Bundesbehörde aus dem hessischen Offenbach möchte das Konstrukt an einem hoch gelegenen Punkt platzieren. Den östlichen Rand des Pfälzerwaldes hat sie als möglichen Standort ermittelt. Meteorologische Gründen sprächen dafür. Auch, weil von dort der Blick in die Rheinebene möglich sei: Auf eine Fläche mit hoher Bevölkerungsdichte, die vor Gefahren gewarnt werden soll. Dabei hat der DWD seit Mitte vergangenen Jahres diverse Standorte abgeklappert. Auf der Kalmit, wo der DWD die Anlage am liebsten errichtet hätte, stand jedoch der Deutsche Funkturm im Weg. Bei ihrer weiteren Suche hat die Behörde neben den technischen Fragen unter anderem auch die möglichen Baukosten und die vorhandene Infrastruktur berücksichtigt.

Entscheidend ist laut DWD ebenso, ob die Anlage in der betroffenen Gemeinde überhaupt akzeptiert wird. Beide für das Wetterradar favorisierten Standorte befinden sich aktuell auf der Gemarkung der Gemeinde Rhodt. In das Blickfeld gerückt ist der Blättersberg, wo der Ludwigsturm seit 1889 thront, und der Kesselberg, der Wanderern auch wegen der Hütte des Landauer Wanderclubs Nello bekannt ist, die sich dort befindet.

Gemeinderat muss entscheiden

In der Bevölkerung macht sich aber Widerstand bemerkbar, den die Projektverantwortlichen des DWD Ende vergangenen Jahres bei einem Infoabend in der Rhodter Turnhalle erlebten. Befürchtet wird vor allem, ob ein rund 40 Meter hohes Konstrukt die Landschaft verschandeln würde. Wie sollen diese Kritiker von dem Projekt überzeugt werden? Der DWD verweist bei dieser Frage auf den Gemeinderat, der stellvertretend für die Dorfbewohner darüber entscheide, was auf ihrer Gemarkung akzeptierbar ist und was nicht.

Die Planungen sind allerdings noch lange nicht so weit gediehen, dass sich das Gremium positionieren muss. Vor dem Hintergrund der Flutkatastrophe im Ahrtal im vergangenen Sommer werde im Ort zwar die Notwendigkeit solch einer Anlage gesehen, findet Ortsbürgermeister Armin Pister. Solange der Blick auf den Pfälzerwald nicht beeinträchtigt werde. Das heißt, wenn das Wetterradar in zweiter Reihe stünde.

17 Niederschlagsstandorte

Das Forstamt Haardt hofft derweil, dass der DWD sein Suchfeld erweitert und einen umweltverträglicheren Standort findet als die beiden, die derzeit favorisiert werden. Die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises SÜW möchte nicht abschließend über die möglichen Standorte urteilen. Wie die Pressestelle der Kreisverwaltung auf Anfrage der RHEINPFALZ mitteilt, hätte es schließlich nur Vorgespräche gegeben, ein Antrag liege nicht vor.

Aber: Der Standort Kesselberg hätte nach Ansicht der Behörde den Vorteil, dass er vom Haardtrand abgerückt und damit weniger einsehbar ist. „Allerdings ist das Naturdenkmal Gletschermühlen auf dem Kesselberg gelegen und darf in seinem charakteristischen Zustand nicht verändert werden.“ Klar sei in jedem Fall: „Oberste Priorität hat der Schutz der weithin sichtbaren und sensiblen Haardtrandkulisse. Dortige Eingriffe in das Landschaftsbild und ihre Verträglichkeit mit dem Schutzzweck der Landesverordnung über das Biosphärenreservat Pfälzerwald müssen im Einzelfall geprüft werden“, heißt es vonseiten der Kreisverwaltung.

Bislang gibt es bundesweit 17 Niederschlagsstandorte und ein Forschungsradar auf dem Hohenpeißenberg. „Die nächstgelegenen Anlagen im Umfeld des Pfälzerwaldes befinden sich in Neuheilenbach, Offenthal, Türkheim und auf dem Feldberg im Schwarzwald“, teilt der DWD auf Anfrage mit.

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