Offenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Wie kommt es zu Bitterstoffen im Hobby-Garten?

Gemüseanbauer Ralf Gensheimer aus Offenbach baut unter anderem Kürbisse und Zucchinis an.
Gemüseanbauer Ralf Gensheimer aus Offenbach baut unter anderem Kürbisse und Zucchinis an.

Kürbisse und Zucchinis aus selbst gewonnenen Samen können giftig sein. Der toxische Bitterstoff Cucurbitacin kann auch in Pflanzen aus selbstgewonnenem Saatgut durch Kreuzung von Speise- und Zierkürbissen auftreten. Auf was sollten Hobbygärtner achten, um Vergiftungserscheinungen vorzubeugen?

Gemüseanbauer Ralf Gensheimer aus Offenbach hat keine Angst vor Bitterstoffen. Er bezieht sein Saatgut, wie andere Anbauer auch, von Saatgut-Händlern. Gensheimer baut unter anderem Kürbisse, Gurken und Zucchinis an. „Hin und wieder kommen Fragen von Kunden nach Bitterstoffen. Diese können sich zum Beispiel entwickeln, wenn Gurken zu lange in der Sonne hängen. Oder bei älteren Züchtungen, da bei diesen Sorten das Bittere nicht rausgezüchtet wurde“, erläutert Gensheimer. Von Vergiftungserscheinungen bei Zucchinis habe er schon gehört, allerdings sei das Gemüse dann so bitter, dass man es bei gesundem Geschmackssinn gar nicht essen würde.

Wie kann man als Hobby-Gärtner im eigenen Garten Bitterstoffe vermeiden? „Bestimmte Kürbissorten und Zucchinis enthalten Toxine, deshalb sollten Speisekulturen und nicht-essbare Sorten getrennt werden“, erklärt Gemüsebauberater Joachim Ziegler vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) in Neustadt. Durch Fremdbefruchtungen kann es zu genetischen Veränderungen kommen, „wenn beispielsweise Speisekürbisse oder Zucchinis mit Zierkürbissen zusammen im Garten aufwachsen, und je enger der Anbau stattfindet, kann die Blüte des Speisekürbisses oder der Zucchini vom Zierkürbis bestäubt werden“. Mischanbau innerhalb eines Gartens oder auch der Anbau von Zierkürbissen im Nachbargarten seien deshalb riskant, so Ziegler.

Jährlich frisches Saatgut kaufen

Außerdem kennt er einen weiteren Grund, der Bitterstoffe begünstigt. „Zieht man Kürbisse oder Zucchinis selbst, sollten die Samen aus dem Handel stammen, um das Risiko von Bitterstoffen möglichst auszuschließen. Saatguthersteller wissen, was und wie sie produzieren, hier kommt normalerweise nichts vor.“ Ziegler empfiehlt, jährlich frisches Saatgut zu kaufen und dieses auch im selben Jahr auszusäen. Außerdem solle man die ungeöffnete Packung vor Luftfeuchtigkeit schützen. Eine Lagerung in der Garage beispielsweise sei deshalb nicht empfehlenswert. Nicht nur das Haltbarkeitsdatum auf der Samenpackung sei dringend einzuhalten, auch sollten geöffnete Packungen entsorgt und keinesfalls für die Verwendung in Folgejahren eingelagert werden. Ziegler empfiehlt außerdem, roh von dem Gemüse abzubeißen, um herauszufinden, ob es extrem bitter schmecke. Pflanzen geben mit ihrem bitteren Geschmack einen Warnhinweis, mit dem sie ihre Giftigkeit signalisieren. Bei einem normalen Geschmackssinn, sei der bittere Geschmack sofort erkennbar.

„Zucchinis sind Kürbisgewächse, sozusagen eine Unterart des Gartenkürbisses“, erklärt Ernährungsberaterin Susanne Umbach von der Verbraucherzentrale in Mainz. Gurken gehören ebenfalls zu den Kürbisgewächsen, können auch Bitterstoffe beinhalten, zu Vergiftungen würde es bei Gurken allerdings nicht kommen. „Grundsätzlich haben Kürbisgewächse einen Pflanzenschutzstoff, den Bitterstoff, der vor Schädlingsfraß schützt.“ Bei Kulturpflanzen aus dem Handel, also Pflanzen aus Samen, der kontrolliert vermehrt wurde, wurde dieser Bitterstoff herausgezüchtet. Das Zuchtziel lautet hierbei: Bitte bilde keine Bitterstoffe.

Hitze und Stress spielen eine Rolle

Gewinnt man die Samen selbst, aus Garten-Kürbisgewächsen oder auch aus Kürbisgewächsen aus dem Handel, kann sich der toxische Bitterstoff Cucurbitacin zurück bilden. Durch diesen toxischen Bitterstoff gibt es immer wieder Fälle von Vergiftungserscheinungen wie Unwohlsein, Übelkeit oder Durchfall. Außerdem ermöglicht die botanische Nähe zwischen Speise- und Zierkürbissen eine Rückkreuzung. „Zierkürbisse sehen schön aus, sind aber nicht essbar und haben dementsprechend einen hohen Fraßschutz. Durch eine Fremdbestäubung mit Zierkürbissen werden Speisekürbisse bitter“, erklärt Umbach.

Die dritte Möglichkeit, weshalb die Pflanze zu Bitterstoffen gelangt, resultiere aus Hitze und Stress. Wenn die Pflanze erschöpft sei, produziere sie mehr Giftstoffe, um sich vor Fraßschädlingen zu schützen. Vergiftungen durch Kürbisgewächse sind eher selten und kommen meist bei Menschen mit wenig Geschmackssinn vor. „Eigentlich würde das niemand essen, in gekochtem Zustand schmeckt es immer noch bitter“, betont Umbach. Dies liege daran, dass Cucurbitacine durch Kochen nicht zerstört werden.

Mehr zum Thema
x