Herxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Wie kommt das St. Josef aus der Schieflage?

Herxheim Altenzentrum St. Josef
Herxheim Altenzentrum St. Josef

Das Altenzentrum St. Josef schreibt seit Jahren rote Zahlen. Ortsbürgermeister Sven Koch räumt Zukunftssorgen ein – beschwichtigt aber gleichzeitig auch.

581.523 Euro und 67 Cent – so viel Verlust machte der Herxheimer Seniorenstift St. Josef im Jahr 2023. Ein finanziell besonders schlechtes Jahr für das gemeindeeigene Altenheim, das bereits seit Jahren rote Zahlen schreibt: 2022 waren es rund 100.000 Euro, ein Jahr vorher 73.000, davor 336.000. 2019 gab es zum letzten Mal ein Plus. Das kam damals davon, dass ein Bewohner die Einrichtung mit seinem Erbe bedacht hatte, erklärt Ortsbürgermeister Sven Koch.

„Wir sind schockiert“

Auch im laufenden Jahr wird es wohl weiter in die falsche Richtung laufen. In einem Ausschuss sei mitgeteilt worden, dass die Einrichtung im Jahr 2024 auf einen Verlust von etwa 880.000 Euro zuläuft, teilte die CDU-Fraktion in einer Stellungnahme mit. Die Freien Wähler ergänzen, der 2023er-Fehlbetrag habe die Fraktion „vor allem in dieser Höhe überrascht, nein, mehr oder weniger schockiert.“ Die Abweichungen zu den ursprünglichen Planzahlen des Wirtschaftsplans und dem kurz vor Jahresende 2023 erstellten Zwischenbericht seien nur schwer zu akzeptieren. Jörg Dähne sagte bei seiner Wortmeldung, das St. Josef befinde sich „definitiv in einer Schieflage. Selbst der Wirtschaftsprüfer schreibt noch sehr freundlich, dass die ,Vermögens-, Finanz- und Ertragssituation nicht zufriedenstellend ist und nur durch die jährlichen Zahlungen der Ortsgemeinde die Existenz gesichert wird.'“ Der SPD-Fraktionsvorsitzende zeigte auf das Rülzheimer Altenheim, das als vergleichbare Einrichtung einen mittleren Gewinn in sechsstelliger Höhe erwirtschafte.

Warum macht das St. Josef so viel Verlust? Und wie kommen die Gemeinde und ihr Altersheim wieder in die Spur? Ortschef Koch steht Rede und Antwort. Die Wurzel allen Übels sei hier die Personalsituation. „Wir brauchen eine Auslastung von 98 Prozent, um in den Bereich der schwarzen Null zu kommen. Weil wir seit der Coronazeit nie genug Fachkräfte hatten, war es in den letzten vier Jahren nicht möglich, mehr als 89 bis 92 Prozent unserer Betten zu belegen.“ Denn wenn es nicht genug Pflegekräfte gibt, können auch nicht so viele Senioren betreut werden, wie eigentlich im St. Josefsheim Platz haben. Und solange dieses Problem nicht gelöst ist, hat die Einrichtung keine Chance, profitabel zu werden.

Umbaukosten steigen um 1,4 Millionen Euro

Der Personalmangel sei aber nicht das einzige teure Problem in den vergangenen Jahren gewesen, erklärt Koch weiter. „Von 2020 bis 2023 hatten wir eine großangelegte Baumaßnahme. Wie überall kam es in der Pandemiezeit zu einer deutlichen Verteuerung bei den Baukosten. Weil das Ganze mit einem Teilabriss losging, konnten wir es uns auch nicht mehr anders überlegen, als die Rechnungen größer wurden.“ Hier seien die Gesamtkosten von 4,2 auf 5,6 Millionen Euro angestiegen. Beim jetzt so schmerzhaften Jahresabschluss 2023 hätten auch zum ersten Mal die explodierten Energiekosten durchgeschlagen, 2022 sei man noch glimpflich davongekommen. Als weiteren Faktor nennt der Bürgermeister die Instandhaltungen mehrerer Küchengeräte. „Da reden wir nicht von einer neuen Spülmaschine. Bei einer Industrieküche, wie wir sie im St. Josef haben, sind wir bei fünfstelligen Beträgen pro Gerät.“

Licht am Ende des Tunnels?

Koch ist mit den Fraktionen im Gemeinderat in einigen Dingen d'accord: Die finanziellen Sorgen sollen die gute Arbeit der Mitarbeiter nicht schmälern. Es liege nicht an mangelnder Betriebsführung. Das Seniorenheim sei eine der wichtigsten sozialen Einrichtungen der Gemeinde und soll ihr auf jeden Fall erhalten bleiben. „Es wäre auch für die Personalsuche fatal, wenn hier ein falscher Eindruck entstehen würde“, mahnt Koch. Gleichzeitig sei die Lage aber „tatsächlich sehr angespannt“.

Die Ortsführung komme inzwischen wöchentlich mit einem eigens gebildeten Führungskreis in der Einrichtung zusammen, um über Personal und Wirtschaftlichkeit zu sprechen. Seit drei Jahren läuft eine Rekrutierungskampagne. „Wir sind mit verschiedenen Instituten im Kontakt, versuchen, Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen und haben unsere Ausbildungskapazitäten ausgebaut“, so Koch. Inzwischen gebe es Licht am Ende des Tunnels: Die Bauarbeiten sind abgeschlossen. Seit November könne der Seniorenstift auf Leasingkräfte verzichten und im Dezember die Belegung leicht anheben.

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