Hainfeld RHEINPFALZ Plus Artikel Wie ein Hainfelder die Pfälzer Krimiszene bereichert

Werner Carl ermittelt.
Werner Carl ermittelt.

Heimatkrimis gibt es viele, einzelne auch aus der Pfalz. Ein Hainfelder bereichert die regionale Krimiszene mit Toten, Typen und Touren aus und in der Süd- und Südwestpfalz. Dabei spielt das Mountainbiken eine besondere Rolle.

Werner Carl hat schon wieder zugeschlagen. Diesmal wird zuerst ein stark alkoholisierter Weinstubenbesucher in Klingenmünster totgefahren, dann treibt die Leiche einer jungen Frau im Silzer See, und der Hainfelder ist für beide Opfer verantwortlich. Aber glücklicherweise nur in der Fiktion. Werner Carl, Sohn von Victor Carl, Heimatforscher und Sammler von Fabeln und Sagen aus der Pfalz, hat seinen zweiten Krimi vorgelegt, „Die Tote im Silzer See“. Wie im Erstlingswerk „Mord am Geierfelsen“, in dem ein Landauer Gebrauchtwagenhändler eines unnatürlichen Todes stirbt, ermittelt auch jetzt wieder Karl Kerner von der Kriminalinspektion Landau mit seinem Team. Der in Kandel lebende Kriminalhauptkommissar heißt nicht nur so ähnlich wie sein Schöpfer, sondern teilt mit diesem auch die Leidenschaft fürs Mountainbiken im Pfälzerwald. „Er ist mein Alter Ego (Anmerkung der Redaktion: Lateinisch für anderes ich)“, sagt Carl, der 33 Jahre lang in der Weinbranche gearbeitet hat und allein schon daher viel Hintergrundwissen zur Pfälzer Lebensart mitbringt – auch wenn ihm selbst Wein nicht gut bekommt, wie er gesteht.

Erste Leiche liegt am Geierfelsen

Etwa 2012 und damit vergleichsweise spät hat der 62-Jährige mit seinem ersten Krimi begonnen. Geschrieben hatte er auch zuvor schon viel, aber das waren vor allem Beiträge für Vereinszeitschriften. Dass ihm das Schreiben liegt, habe er daher schon lange gewusst, aber wie er einen umfangreichen Text anpacken und aufbauen sollte, war ihm zunächst nicht klar.

Bis er dann an einem Sonntagmorgen beim Mountainbiken die zündende Idee hatte. Seitdem sammelt er bei allen seinen Touren Notizen im Handy. Gelegenheiten dazu hat er viele, denn im Sommer tritt er mehrmals die Woche in die Pedale und überwindet dabei etliche hundert Höhenmeter. „Wenn ich einen Berg sehe, muss ich hoch und die Aussicht genießen“, sagt Carl.

Knorrige Typen, deftige Flüche

„Ich schreibe nicht chronologisch“, erklärt er. Anfang und Ende habe er schnell im Kopf, und auch die Orte und sonstiges Lokalkolorit – einschließlich des Dialekts, der knorrigen Typen und der deftigen Schimpfwörter – hat er zutiefst verinnerlicht, aber wohin ihn seine Fantasie führt, weiß er zunächst noch nicht, sondern lässt es sich entwickeln. „Ich weiß ja nicht, wie es andere machen ...“, sagt er und lächelt entschuldigend. Jedenfalls habe er für sein Erstlingswerk fünf Jahre gebraucht, für den zweiten Band gut zweieinhalb, und den dritten Fall, der in seinem Kopf auch schon Form annimmt, werde er wohl in etwa einem Jahr abschließen können. Dazu verrät er aber nur so viel, dass vermutlich die Rietburg darin eine Rolle spielen wird.

Freunden ein Denkmal gesetzt

Heimatkrimis sind angesagt. Carl nennt Jacques Berndorf, den Schöpfer der Eifelkrimis und Wegbereiter des Regionalkrimi-Booms, als Vorbild. Neben den wiederkehrenden Ermittlern bevölkert auch der eine oder andere Freund und Bekannte seine Bücher: Er setzt darin zum Beispiel Verstorbenen ein literarisches Denkmal. Nicht mit Klarnamen, aber für Insider sehr wohl erkennbar, wie er sagt. Damit die Fakten stimmen, kann Carl Fachleute bei der Polizei fragen. Dass es in Landau keine Mordkommission und keine Gerichtsmedizin gibt, fällt unter künstlerische Freiheit. Damit auch Leser von außerhalb der Pfalz bei der Lektüre voll auf ihre Kosten kommen, gibt es einen Anhang, in dem Carl Pfälzer Ausdrücke erklärt, Spezialitäten wie Fläschknepp oder Gebreedelde erklärt, Orte vorstellt und Tipps für Mountainbike- oder Wandertouren gibt.

Lesezeichen

„Die Tote im Silzer See“ von Werner Carl. Jochen-Werz-Verlag (www.4werz.de) Gommersheim. 294 Seiten. 9.90 Euro. ISBN 978-3939434-31-3
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