Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Wie die Corona-Krise Bäckern in der Südpfalz zusetzt

Bäcker Hans-Jürgen Brutsch hat wegen der Corona-Krise den Eingangsbereich umgestaltet. Derzeit dürfen nicht mehr als zwei Kunden
Bäcker Hans-Jürgen Brutsch hat wegen der Corona-Krise den Eingangsbereich umgestaltet. Derzeit dürfen nicht mehr als zwei Kunden zeitgleich im Laden sein.

Bäcker wie Hans-Jürgen Brutsch sind Einzelkämpfer. Sie legen sich ins Zeug, auch wenn die Verhältnisse immer schwerer werden, Kollegen wegen Fachkräftemangel und Kundenrückgang aufgeben müssen. Jetzt setzt ihnen noch die Corona-Krise zu. Wieso Brutsch trotzdem Zuversicht verbreiten möchte.

Das Ordnungsamt kam früher zu Hans-Jürgen Brutsch nach Klingenmünster, wenn es draußen vor seiner Bäckerei nach dem Rechten schauen wollte. Die Beamten prüften beispielsweise, ob Dauerparker die Stellplätze vor der Filiale besetzen. Ihre Kontrolle haben sie meist mit einer Kaffeepause verbunden. Wenn sich das Ordnungsamt heute blicken lässt, dann hauptsächlich deshalb, weil es im Laden nach dem Rechten schauen möchte. Ob beispielsweise der Café-Bereich weiterhin geschlossen ist und die Kunden Abstand zueinander halten können. Willkommen in der Corona-Krise.

Willkommen ist das richtige Stichwort: Brutsch freut sich über jeden Kunden, der über die Türschwelle seiner Bäckerei tritt. Vor allem in einem beschaulichen Dorf wie Klingenmünster gehört der Plausch über Laugenstangen und Bauernbrot hinweg zum Einkauf in der Bäckerei dazu. Jetzt darf der Kunde nicht mehr gleich eintreten. Maximal zwei Leute dürfen sich zeitgleich im Geschäft aufhalten, darauf weist Brutsch schon vor seiner Eingangstür hin. Nur so kann gewährleistet werden, dass der Mindestabstand von anderthalb Metern eingehalten werden kann.

Zwei Senioren machen im Laden Radau

„Noch fünf Jahre möchte ich den Betrieb weiterführen“, erzählt Brutsch. Dann wäre seine Tochter 18 Jahre und vor dem Schritt ins Studien- oder Berufsleben. Er selbst wäre dann 62 Jahre alt. So weit in die Zukunft kann der zweifache Familienvater aber nicht mehr blicken. Nicht zu einer Zeit, in der das Geschäft wegen der Corona-Pandemie eingebrochen ist: Viele Einrichtungen, etwa die Cafeteria im Pfalzklinikum und die Schulen, die er gewöhnlich beliefert, haben geschlossen. Sein Verkaufswagen, mit dem er regelmäßig bei der Bundespolizei und Bundeswehr in Bad Bergzabern Halt macht, steht bis mindestens Ende April in der Garage.

Der Verkaufsbereich der Bäckerei Brutsch geht in ein Café über. Der Bereich ist verwaist, darf derzeit nicht geöffnet sein, um Kundenkontakt zu vermeiden. „Die Leute akzeptieren das“, sagt Brutsch. Sie seien ohnehin geduldiger und freundlicher geworden, sie nähmen die Lage ernst. Ausgerechnet zwei ältere Herrschaften konnten die Maßnahmen allerdings nicht nachvollziehen. Sie hätten sich gerne ein Stück Kuchen zum Kaffee munden lassen. „Die haben richtig Radau gemacht, als sie hörten, dass das nicht geht“, erzählt Brutsch.

Hamsterkäufe in der Bäckerei

Noch vor einer Woche habe auch er bei sich Hamsterkäufe erlebt. „Die Kunden haben deutlich mehr Brot gekauft als sonst.“ Dieses zwischenzeitliche Hoch sei aber wieder abgeflacht, weil die Menschen nun erst einmal eingedeckt seien. Andere würden ihre Brötchen nach wie vor im Supermarkt kaufen. Neben dem Fachkräftemangel ist das einer der Gründe, weshalb sich viele Bäcker, gerade die kleinen, Probleme haben. Und jetzt kommt noch das Coronavirus hinzu. Brutsch macht jedoch keinen verzweifelten Eindruck, so aussichtslos die Situation auch zu sein scheint. Er hofft, dass die Kunden ihm treu bleiben.

Und wie gehen die großen Bäckereien mit der Situation um? Claus Becker ist Chef von De’ Bäcker Becker. So heißen seine Filialen, die er in der Südpfalz und in Neustadt führt. Die Corona-Krise habe den Produktionsablauf in seinem Betrieb verändert, sagt er. Vor der Pandemie wurde der Ofen in der Backstube von Becker um Mitternacht angeschmissen und lief bis 12 Uhr. Der personelle Wechsel verlief dabei fließend, die erste und zweite Schicht haben sich teilweise zeitlich überschnitten, wie Becker erklärt. „Jetzt haben wir zwei Teams, die getrennt voneinander produzieren. Wir müssen vorbereitet sein für den Fall, dass ein Mitarbeiter wegen eines Corona-Verdachts oder einer Infektion in Quarantäne muss. Dann würde zwar auch der Rest der Truppe ausfallen, wir hätten jedoch noch ein Produktionsteam.“

„Wir sind dann immer noch da“

Das unterscheide auch lokale Versorger wie Bäcker und Metzger vom Lebensmitteleinzelhandel. Sie bekämen es im wahrsten Sinne des Wortes immer gebacken, dass am nächsten Tag frische Waren vertrieben werden können, während Lebensmittelläden von den Lieferanten abhängig seien. „Wenn die Krise sich zuspitzen sollte, Lastwagenfahrer ausfallen sollten, sodass die Waren nicht geliefert werden könnten, sind wir immer noch da“, sagt Becker. Das sieht auch die Bundesregierung so, die das Bäckerhandwerk zu den sogenannten systemrelevanten Berufen zählt. Sie sind von den Schließungen nicht betroffen.

Das ist zwar schön zu hören für Claus Becker, ihm helfe das aber nur bedingt. Er müsse nach wie vor schauen, wie er den wirtschaftlichen Schaden abfedern kann. Entstanden sei er insbesondere durch die Schließung von Cafés und anderen Einrichtungen, die er sonst tagtäglich beliefere. Becker kann bereits jetzt abschätzen, dass er bis zu 45 Prozent seines Umsatzes wegen der Corona-Pandemie einbüßen wird. Je länger die Krise, umso höher der Schaden.

Bäcker: Hilfe aus Berlin kommt nicht an

Becker beklagt, dass die finanziellen Hilfen der Bundesregierung den Mittelstand nicht erreichen würden. Die versprochenen Förderungen kämen bei kleinen Unternehmen nicht an. Damit er seine Beschäftigten halten kann, bedient sich Becker dem Instrument der Kurzarbeit. Das heißt, dass seine Angestellten vier bis sechs statt acht Stunden arbeiten, sie dementsprechend einen geringeren Betrag auf dem Gehaltszettel haben. Damit die finanziellen Verluste möglichst gering sind, schieben die Mitarbeiter an einem zusätzlichen sechsten Tag in der Woche Dienst.

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