Edenkoben
Wie das Hotel Prinzregent Familien anlockt
Kuchen und Torten waren mal im Prinzregent in Edenkoben. Weil die Nachfrage so stark zurückging, dass immer mehr Stücke im Müll statt auf dem Tisch der Gäste landeten, wurde auf hausgemachte Waffeln umgeschwenkt. Und siehe da: Das Konzept geht laut Hotelchefin Nadine Kurz auf. Einfache Erklärung: „Nicht alle Kinder essen Kuchen, Erwachsene dagegen lieben auch Waffeln.“
Änderungen wie diese zeigten, dass man offen sein müsse für etwas Neues. „Wir müssen nicht an Traditionen festhalten, nur weil wir es schon immer so gemacht haben. Wir müssen ständig alles auf den Prüfstand stellen“, sagt Kurz, die mit rund 30 Angestellten den Laden am Laufen hält.
Aus Parkhotel wird Prinzregent
Anfangs, nach dem Start im Jahr 2008, hatte sie noch ihren Mann Andreas in der Geschäftsführung an ihrer Seite. Das Paar hatte sich damals das frühere Parkhotel gesichert, das 1991 am Triefenbach gebaut wurde, mit dem gleichnamigen, noch heute existierenden Hotel in Landau aber nichts zu tun hatte. Weil das Catering mit der Zeit immer stärker nachgefragt wurde, gründete Alexander Kurz den Betrieb namens Gaumenfreunde, mit dem er inzwischen bundesweit auf Events vertreten ist und in Landau mehrmals Lokale für eine begrenzte Dauer bespielte, zuletzt das Deutsche Tor am Untertorplatz. Für ein erfolgreiches Hotelgeschäft, das er seiner Frau überließ, hatte man schon früh die Grundlagen geschaffen.
2012 wurde das Haus erweitert, damals wurde der Anbau noch unter dem Namen Luitpold geführt, seither können 60 Doppelzimmer gebucht werden. 2018 war die Zeit der Modernisierung im Prinzregent. Der ältere Komplex wurde den neuen Anforderungen angepasst. Schallschutz, Küchentechnik, die Überdachung des Freisitzes, die Bäder – alles neu, zudem wurden andere Dachgauben und eine größere Bar geschaffen.
Wieso kein Wellness geplant ist
Bis 2019 hatte man noch ein Schwimmbecken in Betrieb. Als dieses aufgrund der Corona-Pandemie zeitweise nicht mehr genutzt wurde, fiel ein technischer Defekt auf. Eine Reparatur sei nicht wirtschaftlich gewesen, so Kurz. Einen Wellnessbereich, den manche Hoteliers in der Region noch bei sich haben möchten, um mehr Gäste anzulocken, habe man im Prinzregent nicht geplant. Denn um diese entsprechend anpreisen zu können, müsste man mehr als nur eine Sauna und einen Whirlpool anbieten, betont Nadine Kurz. Aber davon sehe sie ab. Gerade weil eine stärkere Auslastung im Winter nicht nötig sei. „Es ist nicht unpraktisch, Monate zu haben, in denen das Team durchatmen und Überstunden abbauen kann“, so ihre Devise.
In der Hochsaison sei viel Betrieb. Inzwischen erreiche man die Übernachtungszahlen aus der Vor-Corona-Zeit. Abgesehen von den Tagungsgästen würden Wanderer und junge Familien einen Großteil der Urlauber ausmachen. Über die Gründe lasse sich nur spekulieren. „Vielleicht liegt es daran, dass Flugreisen inzwischen so teuer geworden sind, dass sich Eltern mit Kindern eher in der Heimat eine Auszeit gönnen“, meint Nadine Kurz.
Eine besondere Nachbarschaft
Und gerade für Wanderer hat das Prinzregent einen Standortvorteil in der Region, denn es liegt direkt am Fuße des Pfälzerwalds. Zu den nächstgelegenen touristischen Anziehungspunkten wie dem Schloss Villa Ludwigshöhe und der Sesselbahn zur Rietburg ist es nicht weit. Und mit der Alla-Hopp-Anlage hat man einen besonderen Spielplatz gleich vor der Tür, der Familien aus nah und fern anlockt.
Die Spielstätte habe nach der Einweihung 2016 das Umfeld aufgewertet, findet Kurz. Sie erinnert daran, dass an der Stelle früher eine grüne Wiese war, die ungepflegt gewesen sei. Der Alla-Hopp-Spielplatz sorge auch dafür, dass Besucher mal für ein Eis oder ein Getränk den Weg ins Hotel finden, doch das halte sich aufgrund der mitgebrachten Picknick-Speisen eher in Grenzen.
Wobei das Prinzregent ein Restaurant hat, in dem nicht nur Hotelgäste Platz nehmen können. Nadine Kurz weiß, dass manche sich scheuten, für ein Abendessen ins Hotel zu kommen, weil sie erst gar nicht auf die Idee kommen, dass es für alle zugänglich ist. Andere sehen davon ab, weil sie höhere Preise vermuten oder die Option nur für besondere Anlässe nutzen. In der Tat werden Tische für Hochzeiten oder runde Geburtstage reserviert. (Um spontane Besucher anzulocken, hatte man vergangenes Jahr zur Einschulung ein spezielles Angebot für Familien konzipiert, aktuell lockt das Restaurant Mama mit einem monatlich wechselnden Vier-Gänge-Menü.)
Die Serie
Wir leben in einer Region, in der andere Urlaub machen. Unterkünfte gibt es viele, doch nur eine überschaubare Anzahl an klassischen Hotels. Nach den Corona-Jahren haben sich manche Häuser neu erfunden, um Gäste anzulocken. Welche Zielgruppen erreichen sie? Wo sind ihre Schwerpunkte? Und wie haben sich Kundenwünsche verändert? In der Serie „Gut gebettet“ blicken wir in loser Reihenfolge hinter die Kulissen der Hotels in der Südpfalz.