Kapellen-Drusweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Whiskey mal anders: Edle Tropfen aus der Südpfalz

Beim Whiskey-Testen (von links): Benjamin Niemann, Christian Schäfer, Martin Schowalter und Scott Schowalter.
Beim Whiskey-Testen (von links): Benjamin Niemann, Christian Schäfer, Martin Schowalter und Scott Schowalter.

Aus einer Freundschaft ist ein gemeinsames Whiskey-Projekt entstanden. Bei dem „Experiment“ wurden unterschiedliche Editionen kreiert. Inzwischen wurden die Fässer geöffnet.

Sie haben sich im Fußballverein gefunden: Independent Whisky Ambassador und Clan-Chief Benjamin Niemann aus Kapellen-Drusweiler und Winzermeister Martin Schowalter, dessen Weingut sich auf dem zur Gemeinde zählenden Deutschhof befindet. Das ist jetzt knapp zehn Jahre her. Aus der Freundschaft ist ein Projekt entstanden, das unterschiedliche Sorten Whiskey und sogenannte weinhaltige Getränke hervorgebracht hat. Mit im Boot bei diesem„Experiment“ sind auch Christian Schäfer aus Klingenmünster, ebenfalls Chief beim Palatina-Whiskey-Clan und wie Niemann auch Bundespolizist, sowie Scott Schowalter, der Sohn des Winzermeisters.

Begeisterung für Whiskey

Die Begeisterung für den „usige beatha“, die gälische Bezeichnung für das „Wasser des Lebens“, wie die beliebte Spirituose, dessen Wurzeln in Schottland und Irland liegen, auch genannt wird, ist bei den Mitgliedern des Clans stark ausgeprägt. „Wir sind alle Whiskey-Enthusiasten und lieben die Gemütlichkeit“, sagt Benjamin Niemann. Er erklärt auch, dass sich das Whisky-Ambassador-Seminar, das er und Christian Schäfer absolviert haben, ein offiziell anerkanntes Trainingsseminar zum Thema Scotch Whisky sei. „Da muss man am Schluss auch eine Prüfung ablegen“, sagt er. Sein Wissen über Whiskey gibt der Clan gerne auch weiter an andere Whiskey-Interessierte. Seit dem Jahr 2017 würden in der Region – etwa auf der Burg Landeck in Klingenmünster – Whiskey-Tastings durchgeführt, die sich großer Beliebtheit erfreuen.

„Generation Scott“ startet

Anfang 2023 gab es dann eine neue Idee, deren Reifeprozess inzwischen längst abgeschlossen ist. Die Idee bestand darin unter dem Namen „Generation Scott“, der bereits als Bezeichnung für eine Weinlinie dient, mit dem Label-Zusatz „New Horizons“ Whiskey in Fässern reifen zu lassen, in denen sich zuvor Wein befunden hatte. „Wir sind an zwei 30 Liter Fässer gekommen, eins aus Schweden und eins aus Deutschland“, erklärt Niemann. Dann sei zunächst für zwei Monate ein 2018er Riesling von Martin Schowalter in einem der Fässer gewesen. Dieser wurde dann als 13 Prozent starkes weinhaltiges Getränk in 0,5-Liter-Flaschen abgefüllt.

Es sind zwei weiße und zwei rote Editionen entstanden.
Es sind zwei weiße und zwei rote Editionen entstanden.

„Danach haben wir irischen Whiskey, der zuvor bereits 3,5 Jahre in einem anderen Fass gelagert wurde, in unser Fass gegeben“, sagt Martin Schowalter. Dort sei er dann weitere sechs Monate gereift, sodass am Ende ein vier Jahre alter Irish-Single-Malt-Whiskey mit einer Stärke von 53,5 Prozent entstanden sei, der im Januar 2024 aus dem Rieslingfass gelassen wurde. Die Edition weiß war geboren: 54 Flaschen seien damit gefüllt worden.

Es gibt auch eine rote Edition

Im anderen Whiskey-Fass wurde die Edition Rot ins Leben gerufen. Zunächst sei darin zwei Monate Cabernet Sauvignon gelagert worden. Entstanden seien auch hier ein weinhaltiges Getränk (58 Flaschen) und dann, nachdem ein e Spirituose aus Schottland ins Fass gegeben wurde, ein Single Malt Whisky (53 Prozent/54 Flaschen), der in diesem Fass gefinished wurde und von der Note etwas rauchiger daherkommt. Dieser sei ein knappes halbes Jahr gelagert worden, da er zuvor noch keine drei Jahre in Holzfässern gelagert worden war, „diese Marke aber mindestens überschritten werden müsse, damit das Destillat Whiskey genannt werden darf“, erklärt Niemann. Vorher dürfe es in der EU nicht unter diesem Namen verkauft werden. Oft ist es natürlich aber auch so, dass Whiskey noch deutlich länger als drei Jahre im Fass gelagert wird.

In einem zweiten „Batch“, so bezeichnet man die Charge (Menge) bei einem Produktionsdurchlauf und für eine Edition, wurde Anfang Januar für die weiße Edition als Weingrundlage ein Chardonnay und für die rote Edition wieder ein Cabernet Sauvignon verwendet. Für den Ausbau des Whiskeys in den Weinfässern wurde diesmal schwedischer Single-Malt-Whiskey, der aus einem Moltebeerenweinfass stammte, verwendet. Von der Menge konnten Mitte Oktober dieses Jahres wieder ähnlich viele Flaschen wie im ersten Durchgang (57 für die rote und 59 für die weiße Edition) gefüllt werden.

Unklar, ob es weiteren Durchgang gibt

Ob es nun noch einen weiteren Whiskey aus den Händen der vier Südpfälzer geben wird, ist unklar. „Das werden wir sehen. Es war ein wilder Ritt für die Fässer. Jetzt müssen sie sich erstmal erholen“, sagt Benjamin Niemann. Deshalb sind die Fässer derzeit nicht in Betrieb. Sie werden beim Palatina-Whiskey-Clan gelagert und es befindet sich Wasser darin, damit sie feucht bleiben. Die Lust auf Whiskey ist bei allen Beteiligten weiter ungebrochen.

Die Lust, an dem „Experiment“ festzuhalten, ist unterdessen geblieben. Zunächst aber werde überlegt, die Fässer zu einem Küfer zu geben. Dort würden sie unter anderem auch ausgebrannt, um den Holzzucker neu zu karamellisieren. „Wir werden sehen, ob es weitergeht“, sagt Benjamin Niemann.

Info

Weitere Informationen gibt es unter den E-Mail-Adressen info@weinhaus-schowalter.de sowie PalatinaWhiskyClan@web.de

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