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Werden Spielsachen immer „smarter“? Experten aus der Region raten zur Vorsicht
Der „Osterhase“ bringt bald die nächsten Geschenke. Dabei ist Weihnachten doch noch gar nicht so lange her. Bauklötze, Angelspiele, Puppenhaus, Schaufel und Eimer – bei diesen Spielsachen blinkt und brummt nichts. Das ist bei Sprachassistenten, Computerspielen und Streamingdiensten anders. Der Medienkonsum, das konsumieren von Inhalten aus dem Internet, gehört bei vielen Kindern inzwischen mehr zum Alltag als das Spielen mit klassischen Spielsachen. Es ist auch längst wesentlich häufiger zu beobachten, dass kleine Kinder schon lieber auf Tablets oder Handys tippen als mit Stift und Papier zu hantieren.
Sind da haptische Spielsachen vor dem Hintergrund einer stark digitalisierten Welt überhaupt noch interessant und wichtig für den Nachwuchs? Experten aus der Region raten: Kinder sollten Spielsachen anfassen können. Das ist wichtig für die Entwicklung. Tim Heidenreich ist Oberarzt in der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Pfalzklinikums in Klingenmünster. Er kennt die Fallstricke bei „smarten“ Spielzeugen – und davon gibt es einige. Eigentlich sollten die fünf Sinne (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten) beim Spielen angesprochen werden. Die Mediennutzung sei jedoch nur zweidimensional. Unter dem Strich entstünden Konzentrationsprobleme und „die Kinder sind in der Schule weniger aufmerksam“. Studien aus den USA zeigten deutlich, dass die Mediennutzung bei Kindern unter zwei Jahren schon bei täglich rund 50 Minuten liege. Die Digitalisierung des Kinderzimmers schreite voran. Bei Zwei- bis Vierjährigen betrage der Wert 2,5 Stunden, bei Fünf- bis Achtjährigen drei, bei Acht- bis Zwölfjährigen 5,5 und bei 13- bis 18-Jährigen mehr als acht Stunden täglich.
Eltern leben Mediennutzung den Kindern vor
Er betont, dass es nichts bringe, Babys und Kleinkinder vor den Bildschirm zu setzen. Sie würden dabei sprachlich und motorisch nichts lernen. „Viele Eltern leben es den Kindern vor, sie sind selbst auch viel am Smartphone, Sie sind es nicht gewohnt, sich mit den Kindern auseinanderzusetzen“, stellt der Arzt fest. Kinder hätten oft zu viele Spielsachen zur Auswahl und wüssten am Ende nicht mehr, was sie denn eigentlich zum Spielen nehmen sollen. „Sie sind dann am Ende überfordert.“ Tim Heidenreich weist auch auf das Missbrauchspotenzial bei smarten Spielsachen hin, was die Sicherheit von Daten und die Netzwerkverbindung betreffe. „Klar, Kinder finden es toll, wenn Spielsachen sprechen können, aber man muss gut aufpassen“, warnt er.
Die digitale Welt spannt ihr Netz weit und fängt mittlerweile schon die Kleinsten ein: „Viele Eltern suchen Spielsachen, die ihre Kinder mal vom Tablet oder der Konsole wegbringen“, weiß Martin Küchle, Inhaber des Geschäfts „Die Kugel“ in Landau. Heutzutage sei es teils gar nicht mehr so einfach, Kinder zum Spielen vor die Tür zu bewegen. Im Geschäft von Martin Küchle gibt es unter anderem Scherz-, Zauber- und Artistikartikel. „Wenn man den Kindern mal zeigt, wie beispielsweise ein Diabolo funktioniert, ist das Interesse auf einmal groß“, sagt er. Im Unterschied zum Digitalen sei es hier aber so, dass es nicht so einfach ist, ein Erfolgserlebnis zu haben. Übung macht den Meister: „Da gibt es keine künstliche Intelligenz, die einem zeigt, wie es geht. Sie müssen es selbst lernen.“ Ähnlich sei das auch beim Zauberwürfel, der nach wie vor bei Kindern beliebt ist. Der, Würfel, der früher in nahezu jedem Kinderzimmer lag, ist längst auch in der digitalen Welt angekommen. Auf Social-Media-Plattformen wie Instagram und Tiktok sind Videos über „Speedcubing“ (den Zauberwürfel möglichst schnell lösen) keine Seltenheit.
An Kindern wird als letztes gespart
Ob smart oder nicht smart – eines lässt sich in der Spielzeugbranche grundsätzlich feststellen: Auch in Krisenzeiten wird gekauft, da bei den Kindern als letztes gespart werde, stellt Dominik Klein fest. Er ist Geschäftsführer des Spielwarenherstellers Theo Klein mit Sitz in Ramberg und Landau,. Die Altersspanne für Basisspielzeug wie Kinderküchen, Werkbänke und Bausteine habe sich verkleinert und nach vorne bewegt. „Früher war bei uns die Altersspanne zwischen drei bis acht Jahren, mittlerweile sind es eher zwei bis fünf Jahre.“ Die Zielgruppe sei somit jünger geworden, da Kinder immer früher in Kontakt mit Tablets oder sonstigen digitalen Medien kommen. Er hält auch fest: Kinder hätten immer früher, immer mehr Bildschirmzeit.
Diese Entwicklung beobachtet auch Margit Eichmann aus Edenkoben. Sie ist Vorsitzende des Schulelternbeirats am Gymnasium Edenkoben und hat selbst drei Kinder. Ihr Neffe und ihre Nichte sind im Kindergarten- und Grundschulalter. „Ich bekomme viele Rückmeldungen von Eltern.“ Vor allem durch die Corona-Pandemie hätten viele Kinder und Jugendliche nur wenig Kontakt zueinander gehabt und somit auch weniger miteinander gespielt. „Das hat der Digitalisierung einen Schub verliehen und wirkt sich immer noch aus. Aber es gibt auch immer noch zahlreiche Kinder, die gerne durch die Weinberge toben“, stellt sie fest. Auf Basaren, wo Spielsachen verkauft werden, fällt Margit Eichmann auf, dass Kinder auch immer noch gerne zu Büchern und Gesellschaftsspielen greifen. „Den Wert des Spiels gibt es noch.“
Auf Qualität und Herkunft achten
Ist ein Spielzeug tatsächlich altersgemäß? Diese Frage sollten sich Eltern vor dem Kauf stellen, sagt Dominik Klein. Die Altersempfehlungen sollten beachtet werden. Memory oder ein komplexes Baukastensystem für Einjährige mache wenig Sinn. Es sollte darüber hinaus auch auf Qualität und Herkunft (CE-Zeichen) geachtet werden. „Billiges Spielzeug geht meistens schnell kaputt und das ist weder für das Kind noch für die Umwelt schön.“