Kreis Südliche Weinstraße Werbeanruf kostet 60 Euro
„Schwarzer Audi, Kennzeichen SÜW, Fahrerin ohne Gurt“, melden die Beamten in Zivil, die sich einige Meter vor der Sparkasse gegenüber der Tankstelle postiert haben, über Funk. An der Einfahrt zum Sparkassen-Parkplatz wird die Fahrerin rausdirigiert. Zu beschönigen gibt es nichts, sie bezahlt 30 Euro für den Verstoß, in fünf Minuten ist die Sache erledigt. „Es war unnötig, da wollte mir jemand eine Rentenversicherung aufschwatzen, es waren nur ein paar Meter, aber ich bin drangegangen“, ärgert sich ein Handwerker, der mit Handy am Steuer erwischt wurde und dringend auf einen Termin muss. Er sehe es ja ein, aber man werde ja nur noch auf dem Handy angerufen, sagt er zu den Beamten, die ihm 60 Euro Bußgeld und einen Punkt in Flensburg ankündigen. Bar bezahlt wird in diesem Fall nicht, ab 55 Euro gibt es einen Bußgeldbescheid. Zehn Beamte der Bereitschaftspolizei aus Enkenbach-Alsenborn waren zur Verkehrskontrolle nach Bad Bergzabern gekommen. „Wir gehören zum Polizeipräsidium Ludwigshafen und unterstützen die Kollegen hier vor Ort“, erklärt Polizeikommissarin Jasmin Krause. Gerade wird ein grüner Mazda aus Bulgarien gemeldet, drei Personen auf der Rückbank sind nicht angeschnallt, das Auto ist vollgepackt mit Lebensmitteln. Das Fahrzeug und die Personen werden überprüft, das Problem ist die Sprache. Mit Händen und Füßen klappt es schließlich. Es sind Landarbeiter auf dem Weg nach Hause, die von ihrem sauer verdienten Geld auf den Feldern eingekauft haben, weil in Deutschland vieles billiger ist. „Das tut uns dann manchmal auch weh“, sagt Polizeikommissarin Yola Möller über die 60 Euro, die sie kassieren muss. „Die Leute hier reagieren zu 90 Prozent höflich, das ist in ländlichen Gebieten meist so, da macht es auch mehr Spaß “, ist die Erfahrung der Beamten. In Städten wie Ludwigshafen sehe es da schon anders aus, da fehle sehr oft der Respekt, verbale Entgleisungen seien an der Tagesordnung. „Echt?“, hakt ein telefonierender Fahrer ungläubig auf die 60 Euro und dem Punkt in Flensburg hin nach. Mit dieser Strafe hatte er nicht gerechnet. Die Fahrerin eines Kleinbusses ärgert sich über die 30 Euro, die sie bezahlen muss, als sie – ganz eindeutig nicht angeschnallt – kontrolliert wird. „Ich bin nur von der Tankstelle raus und hier wieder reingefahren“, begründet sie den Verstoß. Nützt nichts, es gibt auf der Straße nur angeschnallt oder eben nicht. Zwei junge Männer in einem 3er-BMW Cabrio fahren vor. Sie haben nicht telefoniert, sind angeschnallt, haben aber ein rotes Nummernschild, für das es Vorschriften gibt. Nach der Überprüfung dürfen sie weiterfahren, alles in Ordnung. Schon kommt der Nächste. „Schwarzes Handy am rechten Ohr, Mercedes, SÜW“, wird über Funk gemeldet. 60 Euro, ein Punkt in Flensburg. Gelangweilt haben sich die Beamten gestern Morgen nicht, der Papierkram muss dann aber noch erledigt werden. „Bei den 25 Verstößen gegen die Anschnallpflicht war auch ein Kind dabei, das ohne Sicherung im Auto saß“, erzählt Blankenfuland, Leiter des Einsatzes. Das gehe natürlich gar nicht . Kinder müssten im Auto in altersgemäßen Kindersitzen gesichert werden. Die Bilanz nach zweieinhalb Stunden: 1170 Euro Einnahmen und für sieben Fahrer Punkte in Flensburg. Es lohnt sich also nicht, ohne Gurt zu fahren und schon gar nicht, während des Fahrens zu telefonieren.