Offenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Wenn ein Spaziergang für den Klimaschutz sensibilisiert

Einweihung des Klimawanderwegs in Offenbach: Da ziehen alle an einem Strang.
Einweihung des Klimawanderwegs in Offenbach: Da ziehen alle an einem Strang.

In Offenbach gibt es einen Wanderweg, der auf die Folgen des Klimawandels aufmerksam macht. Realisiert haben den Azubis der Verbandsgemeindeverwaltung – mit Fortsetzung.

„Wald, Wiesen, Wehr – Tor zu den Queichwiesen“ lautet der Titel des neuen Rundwegs, der an der Grillhütte startet und knapp drei Kilometer durch Forst und Flur führt. Bei der offiziellen Einweihung erklärte Simon Wingerter (FWG), Erster Beigeordneter der Verbandsgemeinde und Offenbacher Ortsbürgermeister: „Klimaschutz ist ein gesamtgesellschaftliches Anliegen – und es ist gut, wenn Land, Kreis und Kommune an einem Strang ziehen.“ Der neue Klimawanderweg sei nicht nur ein „Vorbildprojekt im besten Sinne“, sondern „Ausdruck von Verantwortung, Engagement und echter Gemeinschaft“ der angehenden Verwaltungsfachkräfte, so Wingerter.

Begonnen hat alles im Jahr 2022. Damals nahmen die beiden Azubis der Verbandsgemeinde Offenbach an einer Ausbildung des Deutschen Instituts für Urbanistik teil – mit dem Ziel, als Klimascouts eigene Projekte zum Klimaschutz zu entwickeln. Fabienne König und Jonas Wölfel liebäugelten zuerst mit einem öffentlichen Kräutergarten, entschieden sich aber letztlich für einen Waldwanderweg, getreu dem Motto: „Was gibt es Besseres als einen Spaziergang durch die Natur?“

Doppelt ausgezeichnet

Mit ihrem Konzept stellten sie ihre Fähigkeiten in den Bereichen Umwelt, Planung und Projektmanagement unter Beweis und wurden dafür mit einem Preisgeld von 3000 Euro belohnt. Denn die jungen Offenbacher gewannen zuerst den Wettbewerb der Energieagentur Rheinland-Pfalz und wurden anschließend auch bei der Kommunalen Klimakonferenz in Berlin auf Bundesebene ausgezeichnet.

Inzwischen hat Wölfel seine Ausbildung beendet, und nun gehören zwei neue Azubis zum Team der Klimascouts: Leticia Müller, 19 und im zweiten Lehrjahr, hat sich gern eingebracht, „weil es ein tolles Projekt für Alt und Jung ist, das für den Klimaschutz sensibilisiert“. Die relativ kurze Strecke ganz ohne Höhenunterschiede sei für jedermann geeignet und besonders für Kinder sehr kurzweilig, findet sie.

Der Dritte im Bunde der Klimascouts ist Max Kaika, 30 und im ersten Lehrjahr. Zu Beginn sei er „reingerutscht“ und auch etwas schockiert gewesen, dass es auch im Offenbacher Wald Vandalismus gibt. Dort waren nämlich Spielgeräte zerstört oder sogar gestohlen worden. Doch davon habe er sich nicht entmutigen lassen und viele Arbeitsstunden in den Wiederaufbau investiert. Dazu benutzte er ressourcenschonend altes Holz aus dem ehemaligen Rathaus und von ausrangierten Bänken aus dem Schwimmbad. Auch das Konzept wurde weiterentwickelt und es entstanden neue Stationen auf dem Wanderweg. „Das soll auch so bleiben, denn jede Azubi-Generation soll neue Ideen einbringen“, sagt Kaika.

Spielstationen für Kinder

Der Rundweg beginnt vor der Grillhütte an der neu gepflanzten Eberesche und führt am Hundeplatz vorbei in den Wald. Dabei folgen die Wandersleut’ dem von Max Kaika erstellten Logo: weißer Baum mit Sonne auf Grün. Wobei schon die Markierung die Klimakrise sichtbar macht, denn der stilisierte Baum ist halb intakt und halb zerstört. Im Wald vermitteln Infotafeln viel Wissenswertes über den Zustand der Bäume. Originell sind die Holzrahmen, die wie Fenster den Blick auf die Umgebung lenken.

Da es den Klimascouts ein besonderes Anliegen war, auch Kindern die Natur erlebbar zu machen, gestalteten sie drei Spielstationen. „Tik-Tak-Toe“ heißt ein Drehspiel, das den Gefährdungsgrad von Bäumen thematisiert, an einer Sprunggrube werden die kindlichen Weitsprünge mit tierischen verglichen, und zuletzt wartet an einer Picknickbank das Würfelspiel „Der kleine Klimawanderweg“. Der Rundweg überquert bei einem Wehr die Queich und führt durch die Wiesen, die von der Unesco aufgrund der traditionellen Bewässerung zum „Immateriellen Kulturerbe der Menschheit“ erklärt wurden, zurück zum Ausgangspunkt.

x