Edenkoben RHEINPFALZ Plus Artikel Welche hitzebeständigen Pflanzen bieten sich für den heimischen Garten an?

Hitzebeständig sind die Palmen, die Carsten Thomas pflanzt, auf jeden Fall. Aber sie sind auch winterfest.
Hitzebeständig sind die Palmen, die Carsten Thomas pflanzt, auf jeden Fall. Aber sie sind auch winterfest.

Auch unsere heimischen Gärten leiden unter dem Klimawandel. Hitze und Trockenheit machen den Pflanzen zu schaffen. Da ist guter Rat teuer, wenn es um die richtige Auswahl geht. Wir haben einen Gartenbauexperten befragt.

In diesen Tagen wundern sich viele Gartenfreunde, dass liebgewonnene und sorgsam gepflegte Pflanzen nicht überlebt haben. Die Extreme nehmen zu. Heiße Sommer und milde Winter fordern ihren Tribut. Vor allem Pflanzen, die kühleres Klima bevorzugen, leiden. Gibt es bei uns künftig eher Bananen statt Rhododendren, Palmen und Kakteen statt Hortensien, fragen sich viele mit Blick auf ihre Gärten und Balkone. Welche hitzebeständigen Pflanzen bieten sich an? Dazu haben wir Carsten Thomas vom gleichnamigen Gartenbaubetrieb in Edenkoben befragt.

Wenn es um Stauden geht, dann plädiert der 38-jährige Meister seines Fachs für seinen Liebling, Calamintha Nepeta „Triumphator“. „Diese Staude ist ein richtiger Bienenmagnet, blüht ab Juli bis in den Herbst. Bei voller Sonne ist sie absolut trockenheitsverträglich“, so der Experte, der in Offenbach aufgewachsen ist und bei der Herxheimer Baumschule Konrad seine Ausbildung gemacht hat. Als ebenfalls trockenheitsresistent stuft er Nachtkerzen ein, hier zum Beispiel Oenothera speciosa Siskiyou oder Oenothera missouriensis, die sich durch eine sehr lange Blütendauer auszeichnen.

Bei Lavendel sind viele Sorten hitzebeständig

Beim Lavendel seien sehr viele Sorten hitzebeständig, so Thomas. Eine schöne Sorte sei Phenomenal/Niko, mit einem angenehmen Duft und intensiver Blütenfarbe. Nicht zu vergessen Orientalischer Mohn oder Papaver Orientale Brillant, eine hohe Staude mit großen Blüten. Die Schlüsselblume Primula veris „Sunset Shades“ gilt als ausdauernde kleine Staude. Auch Walzen-Wolfsmilch „Euphorbia myrsinites“ macht hohe Trockenheit nichts aus. Bei der Zwerg-Schwertlilie „Baria“ handelt es sich um eine 20 Zentimeter hoch werdende gelbe blühende Staude. Auf Blüten-Salbei „Rosakönigin“, Salvia nemorosa, stehen Bienen und Hummeln besonders, da die Blüte von Juni bis September dauert. Kriechender Rosmarin ist sehr beliebt in der Küche für Fisch- und Fleischgerichte.

Und was ist mit Sträuchern? Da favorisiert der Gartenbaufachmann Lagerstroemia indica, Krepp Myrthe, seiner reichlichen Blüte und der schönen Herbstfärbung wegen. Oder eine winterharte Hanfpalme, eine italienische Steinkiefer „Pinus Pinea“ mit dem schirmähnlichen Wuchs oder Edelgoldregen als anspruchsloser Großstrauch oder Kleinbaum. Wolliger Schneeball „Viburnum lantana“ gefällt durch seinen Fruchtschmuck mit roten Beeren, die bei Vögeln ganz oben auf dem Speisezettel stehen.

Geringerer Schädlingsbefall

Was die Pflege der hitzebeständigen Pflanzen anbelangt, so ist zu beachten: Sie brauchen nur ab und an Wasser. Aber: Sie sind keine Kakteen, die über mehrere Wochen Wasser speichern können. Sie kommen lediglich besser mit Hitze und Trockenheit aus. Der Rat des Experten: Die Pflanze genau anschauen. Zieht sie Welke, dann muss sie gewässert werden. Die Stauden, außer Wolfsmilch und Rosmarin, sollten im Herbst oder Frühjahr zurückgeschnitten werden, da ihre oberirdischen krautigen Teile absterben. Die Sträucher sollten vom Fachmann geschnitten werden.

Bei Pflanzen, die trockenheitsverträglich und hitzebeständig sind, sollte laut Carsten Thomas immer auf einen durchlässigen Boden geachtet werden. „Boden, der lange die Feuchtigkeit hält, also Staunässe hat, ist der Tod für diese Pflanzen.“ Der Vorteil der robusten Pflanzenarten: Sie weisen sehr selten Schädlinge auf. Nur vereinzelt kommen Blattläuse oder der Dickmaulrüssler vor. Bei feuchter Witterung kann es auch zur Bildung von Mehltau kommen.

Mal abgesehen vom Schmetterlingsflieder, kommt beispielsweise auch der Wilde Wein gut mit dem Klimawechsel zurecht. Er zählt zu den langlebigsten und wohl auch bekanntesten Kletterpflanzen in unseren Breitengraden. Er verändert je nach Jahreszeit seine Farbe, ist unkompliziert und wirkt an der Hauswand sogar als natürlicher Hitzeschild.

Thuja ist der Verlierer des Klimawandels

Zu beachten ist auch, dass der Garten vor Wind und Verdunstung geschützt wird. Denn Pflanzen können so das Mikroklima verbessern. Dazu tragen auch ein Teich oder ein zeitweise bewässerter Graben bei. Denn durch die Verdunstung des Wassers wird die Umgebung abgekühlt. Was den Pflanzen und letztlich auch ihren Liebhabern zugutekommt.

Als Verlierer des Klimawandels sieht der Chef der im Jahr 2001 gegründeten Firma ganz klar die Thuja, die mit Hitze und Trockenheit schwer klarkommt. Die Folgen sind Stress für die Pflanzen, gefolgt von zahlreichen Schädlingen. Dies gehe sogar so weit, dass komplette Hecken absterben und Ersatzpflanzungen vorgenommen werden. Auch verschiedene Fichtenarten oder andere Flachwurzler leiden unter langen Trockenheitsphasen. Ganz allgemein: Bäume treiben bei häufigen Wetterextremen weniger stark aus, haben kleinere Blätter und werfen früher das Laub ab. Oft sterben auch ganze Äste ab, vor allem im oberen und seitlichen Bereich der Krone.

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