Maikammer RHEINPFALZ Plus Artikel „Weinkammer“ schließt vorerst

Pforte geschlossen: die Ortsvinothek, in der 20 Maikammerer Winzer bisher ihre typischen Weine angeboten haben.
Pforte geschlossen: die Ortsvinothek, in der 20 Maikammerer Winzer bisher ihre typischen Weine angeboten haben.

Die Ortsvinothek „Weinkammer“ schließt vorerst ihre Pforten. Bis 24. Mai werden die Weinvorräte verkauft. Die Pächterinnen ziehen sich nach acht Jahren zurück. Die Folgen der Corona-Krise spielen eine Rolle, sind aber nicht der einzige Grund.

„Wir wollen unsere Arbeit jetzt einfach nur noch harmonisch abschließen“, erklärt Anja Rothenbücher aus Maikammer, die gemeinsam mit Christa Warkus aus Hambach acht Jahre lang die Ortsvinothek „mit Herzblut und vielen Ideen“ betrieben hat. Nach Monaten der Diskussion um verbesserte Ertragsmöglichkeiten für sie beide mit ihrem Team aus stundenweise beschäftigten Mitarbeiterinnen hätten sie sich schweren Herzens entschlossen, ihre Arbeit zu beenden und die Weinvorräte bis zum 24. Mai vor Ort und online zu verkaufen.

Zwar sei die Corona-Krise nicht der Grund ihrer Geschäftsaufgabe gewesen. Sie habe jedoch durch weitere Ertragseinbußen und Planungsunsicherheit ihren Teil zur Entscheidung beigetragen, berichtet Rothenbücher. Sie habe bereits vor einiger Zeit eine Teilzeitangestelltenstelle angenommen, um nicht voll von den Einkünften der Vinothek abhängig zu sein.

Ortsbürgermeister Karl Schäfer bedauert den Ausstieg der Pächterinnen, zumal die Folgeverträge mit 20 Winzern der Ortsgemeinde Maikammer bereits wieder unter Dach und Fach gebracht seien. „Wo findet sich noch eine Gemeinde, wo so viele Winzer für solch ein Projekt an einem Strang ziehen?“, fragt Schäfer, der sich für den nahtlosen Fortbestand der Vinothek einsetzen will.

Kritik von Winzerseite

Die Pacht habe die Ortsgemeinde bereits in der Vergangenheit günstig gestaltet, stellt er fest. Von Beginn des Vinothek-Betriebs an sei die Gemeinde zweigleisig gefahren. Zur monatlichen Pacht kämen Mieteinnahmen durch die teilnehmenden Winzer. Diese mieteten die Regale an, auf denen sie jeweils fünf Weine ihres Weinguts präsentierten, die ihre Arbeit am besten zum Ausdruck bringen würden. So sei der Kapitaldienst für die Darlehen von über 220.000 Euro, die für den Umbau der ehemaligen Hotelfachschule in die Vinothek aufgenommen wurden, gesichert gewesen, erklärt Schäfer.

Nicht jeder befragte Winzer will sich namentlich äußern, ist doch mit der Vinothek auch ein Politikum verbunden. Im Zuge der ersten Planungen sei bis zum Ratsentscheid auch eine Ansiedlung des Tourismusbüros in Kombination mit einer Stätte für Weinpräsentation und Bistro in Betracht gezogen, jedoch dann zugunsten des Umbaus in die Ortsvinothek verworfen worden, erinnern sich einige. Sie kritisieren, dass die Gemeinde die Winzer nicht mittlerweile von den Regalmieten entlaste. Schließlich sei ihrer Rechnung nach in den vergangenen acht Jahren genug Geld zur Entschuldung der Ortsgemeinde in Sachen Vinothek geflossen.

Matthias Seyler ist einer der Winzer, der sich eine Fortführung der Vinothek in bewährter Weise wünscht. Diese habe sich als gute Anlaufstelle mit hervorragender Weinwerbung für Weininteressenten und die zahlreich erschienenen Touristen erwiesen. Das Konzept habe sich bewährt, sagt Seyler. Ortsfremde wollten oft Weine erst einmal unverbindlich kennenlernen, um dann anschließend gezielt Weingüter ihrer Wahl aufzusuchen.

„Wir hatten großen Zulauf und dann sogar Stammgäste, die sich regelmäßig über Neuheiten unterschiedlicher Weingüter informieren wollten“, bestätigt Rothenbücher. Sie hätten sich aber nicht nur damit oder bei zahlreichen, örtlichen Veranstaltungen präsentiert, sondern auch eigene Ideen wie „Themenweinproben“ und den „langen Freitag“ für Einheimische entwickelt sowie Snacks angeboten. Trotzdem sei, auch gemessen am Aufwand, finanziell zu wenig hängen geblieben. Ihre von den beteiligten Winzern eingekauften Weine, Sekte und Destillate hätten zwar eine Handelsmarge erlaubt, und einige der ertragsstärkeren Winzer seien auch zu Sondervereinbarungen bereit gewesen. Doch bei der Vielzahl der Winzerbetriebe hätten sie sich als Pächterinnen eine einheitliche Lösung gewünscht, erklärt Rothenbücher.

Nachfolge ist geplant

„Wir haben in Maikammer ganz unterschiedliche Betriebe, die unterschiedlich kalkulieren müssen“, stellt Harald Ziegler klar. Denn wer beispielsweise als Familienbetrieb arbeite, berechne den Preis seiner Flaschen anders als Weingüter, die Fremdpersonal einstellten. Er bedauere, dass Warkus und Rothenbücher aufhören, weil er die Vinothek, die ein Alleinstellungsmerkmal für Maikammer bedeute, sehr schätze. Ein Vakuum für die Winzer solle hier nicht bestehen bleiben und die Vinotheksarbeit trotz Corona fortgesetzt werden, wünscht er sich. Die Winzer sollten in die zukünftigen Entscheidungen einbezogen werden. In der Vergangenheit habe man Probleme leider zu spät und ohne Ergebnis diskutiert, findet er.

Schäfer will nach einem abschließenden Gespräch mit den beiden Pächterinnen in dieser Woche möglichst zügig in weitere Planungen für eine Fortsetzung des Geschäftsbetriebs einsteigen. Die vergangenen acht Wochen sei die Weinkammer geschlossen gewesen, erklärt Rothenbücher, was jetzt für den befristeten Abverkauf der Lagerbestände nicht mehr gelte. Leider sei der Online-Verkauf in der Vergangenheit keine lukrative Alternative, sondern nur Zubrot gewesen, bedauert sie.

Info

Weine der „Weinkammer“ können im Ausverkauf online, per Vorkasse, unter www.weinkammer-maikammer.de bis zum 24. Mai bestellt werden. Zwischen 21. und 24. Mai ist der Abverkauf jeweils von 15 bis 18 Uhr auch vor Ort geplant.
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