Kreis Südliche Weinstraße Weg mit dem Dreck

. „Wo kommt eigentlich der ganze Dreck her, den wir hier sammeln“, fragt der elfjährige Felix seinen Klassenlehrer Oliver Mehler. Gerade hat der Junge aus einem mit Steinen ummauerten Becken eine Plastiktüte voller Batterien gefischt. „Die sind total ausgelaufen“, zeigt er sich entrüstet. Mehlers fünfte Klasse beteiligt sich am „Dreck weg Tag“ der Stadt Edenkoben. Seit über zehn Jahren gibt es diese Aktion. „Die Kinder sind ja schon fast enttäuscht, wenn sie nichts finden“, ist Mehlers Erfahrung. „Dabei wäre nichts zu finden ja der Idealzustand.“ Doch das wird wohl eher ein Wunschtraum bleiben. Immer noch werfen viele Menschen achtlos Dreck und Gerümpel in Feld und Flur. Leider manchmal auch gezielt, wie der Batterienfund verdeutlicht. Die Jungs und Mädels sind gerade rund um den Friedhof und von dort weiter in die nordwestliche Region Edenkobens unterwegs. Schon nach wenigen Minuten wird auch Silas fündig. Einen ganzen Klumpen alter Plastiktüten präsentiert er. Na ja, ein Einzelfall, kann man da denken. Doch schon schleift Nevio ein 1,50 Meter langes Plastikrohr an, das wie ein Leerrohr für Stromkabel aussieht. Mit den leeren Flaschen, die die Schüler anschleppen, lässt sich mittlerweile locker eine Weinsteige füllen. Viel schlimmer sind aber fast noch die vielen Glasscherben, derer die Kinder habhaft werden. Immer wieder muss ihr Lehrer sie ermahnen aufzupassen, denn ihre Einweg-Plastikhandschuhe schützen sie nicht vor Schnittverletzungen. Plastikfeuerzeuge und -blumen als Fundstücke erschrecken da nur noch wenig. Zum Höhepunkt der Umweltsünden wird eine zwei Quadratmeter große Dämmplatte aus Styropor mit aufgeklebter Aluminiumfolie. Die haben Luca, Marcel und Nevio aus einem kleinen Feuchtbiotop unweit des Feldweges gezerrt. „Das gehört zu einer Fußbodenheizung“, klärt Mehler die Jungen auf. Fünf große graue Abfalltüten hat der Pädagoge an die Kinder verteilt. Noch ist keine Stunde seit Beginn des Sammelns vergangen und schon sind die Säcke mindestens zu zwei Dritteln gefüllt. Silas findet auch noch eine kleine Kuh. Keine Angst, es ist nur ein Plüschtier. Aber das niedliche Kuscheltier sei wohl eher verloren gegangen, denn gezielt entsorgt worden, meint Mehler. Überall wimmelt es im Wingert-Gelände von rot-weißen Plastikbändern. „Plastik verrottet nicht. Das findet ihr noch in 50 Jahren wieder, wenn ihr es heute in den Boden eingrabt“, klärt Mehler seine Schüler auf. Das scheinen sich einige Winzer nicht zu Herzen genommen zu haben. Mehler erläutert ein weiteres Ziel, dem der „Dreck weg Tag“ dienen soll. „Die Teilnahme an einer solchen Aktion ist auch wichtig, um den Kindern soziales Engagement näherzubringen. Sie sollen nicht die gleichen Fehler machen, die viele Erwachsene gerade in Bezug auf unsere Umwelt begehen. Wenn sie die hier gemachten Erfahrungen ins Elternhaus tragen und diese von dort aus weiterkommuniziert werden, ist meines Erachtens nach ein sehr wichtiger Schritt getan“, hofft Mehler auf einen Ping-Pong-Effekt. Apropos Ping Pong. Auch kaputte Tischtennisbälle fördert die Putzaktion zutage. Von der Tatsache, dass das Material solcher Bälle Zelluloid ist und dieses giftig und auch hoch brennbar ist, haben deren „Entsorger“ wohl noch nie etwas gehört. Seine anfangs gestellte Frage, wo denn der viele Dreck herkomme, kann sich Felix nun auch schon selbst beantworten. „Das meiste kommt wohl von Erwachsenen, die sich gar keine Gedanken machen und den Dreck einfach wegwerfen, obwohl sie zu Hause Mülltonnen haben“, bilanziert er. Am heutigen Samstag wird es übrigens einen weiteren „Dreck weg Tag“ in Edenkoben geben. Diesmal sind die örtlichen Vereine, Parteien und Institutionen, aber auch alle anderen Mitbürger aufgerufen, für Sauberkeit in und um Edenkoben zu sorgen. Nach dem Einsatz der Kleinen können dann die Großen zeigen, was für sie nachhaltige Sauberkeit in ihrer Heimatgemeinde bedeutet.