Herxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Wechsel auf dem Chefsessel: Neuer Bürgermeister übernimmt Geschäfte

Der Amtseid: Die scheidende Ortsbürgermeisterin Hedi Braun führte Sven Koch ins Amt ein.
Der Amtseid: Die scheidende Ortsbürgermeisterin Hedi Braun führte Sven Koch ins Amt ein.

Herxheim schlägt ein neues Kapitel auf. CDU-Mann Sven Koch steht seit Freitag an der Spitze der Ortsgemeinde. Sein Ziel ist es, der Kommune trotz klammer Kassen mehr Handlungsspielraum zu verleihen. Bloß keine „Schnellschüsse“, sagt er.

Sven Koch ist vereidigt und im Amt. Seit diesem Freitag ist der bisherige erste Beigeordnete der neue Herxheimer Bürgermeister. Der CDU-Mann bedankte sich bei seiner Amtseinführung am Donnerstagabend für den großen Vertrauensvorschuss, den ihm die Wähler bei der vorgezogenen Wahl vor fünf Tagen zukommen ließen.

Er hatte 78 Prozent der Wählerstimmen erhalten und war der einzige Kandidat, der bei der Wahl angetreten war – als gemeinsamer Bewerber von CDU und FWG. „Ich möchte dieser Position nun gerecht werden“, sagte der 37-Jährige, der seit 2021 Mitarbeiter in der Abteilung Landesplanung beim Ministerium des Innern und für Sport ist. In seiner Antrittsrede ging er auf die wesentlichen Herausforderungen ein, die die rund 11.000 Einwohner große Ortsgemeinde zu bewältigen hat.

Keine „Schnellschüsse“

Die Grundlage von allem sei es, gemeinsam einen Haushaltsplan auf die Beine zu stellen, der der Gemeinde nicht die Luft nehme. Es sei ihm in diesem Zusammenhang sehr daran gelegen, „Schnellschüsse“ zu vermeiden, die nur darin bestehen, die freiwilligen Leistungen der Gemeinde für beendet zu erklären. „Damit würden wir unseren Gestaltungswillen konterkarieren“, sagte Sven Koch. Kurzfristige Kürzungen bei der Kultur oder bei Vereinszuschüssen seien keine zukunftsgerichtete Lösung. „Die Kultur und das Vereinsleben sind die Schlagader unserer Gemeinde.“

Aufruf an Fraktionen

Dennoch gab der neue Ortschef dem 28-köpfigen Rat zu bedenken, dass es aufgrund der schwierigen Haushaltslage unvermeidlich auch unbequeme Entscheidungen geben werde – hier rief er alle Fraktionen des Gemeinderats auf, sich über den Finanzplan Gedanken zu machen. Losgelöst von der schwierigen Haushaltslage brauche es ein Miteinander aller Akteure, um die Gemeinde langfristig für die Zukunft aufstellen zu können in den Bereichen Wohnen, Einzelhandel und Dienstleistungen. Politik sei als Gemeinschaftsaufgabe zu verstehen. Nicht zuletzt gehe es auch darum, die Gemeinde künftig noch stärker als attraktiven Arbeitgeber zu präsentieren – hierzu müsse der Bereich Social Media als mögliche Präsentationsform vermehrt in den Fokus genommen werden.

Zum Schluss seiner Rede kam Sven Koch noch auf ein Thema zu sprechen, über das der Ortsgemeinderat schon seit mehr als drei Jahren diskutiert: das Jugendzentrum. Von einer Kernsanierung am Standort in der Oberen Hauptstraße haben die Fraktionen inzwischen Abstand genommen. Nun soll eine Teilfläche des Festplatzes hinter dem Pfadfinderhaus für einen Neubau genutzt werden. „Ein Neubau ist wirtschaftlicher, als ein Bestandsgebäude zu sanieren“, sagte Sven Koch. Es gehe nun darum, schnell Baurecht zu schaffen und ein schlüssiges Raumkonzept zu entwickeln.

Schlussakkord von Hedi Braun

Die Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend markierte für Herxheim nicht nur einen Neubeginn mit Sven Koch an der Spitze, sie war auch der Schlussakkord von Hedi Brauns Amtszeit. Die damalige parteilose Verbandsbürgermeisterin war 2019 an die Spitze Herxheims gewählt worden. Nachdem die 60-Jährige im März 2023 als Amtsinhaberin die Wahl um den Verbandsbürgermeisterposten gegen Christian Sommer mit einem enttäuschenden Ergebnis verloren hatte, kündigte sie im Sommer ihren Rückzug als Ortschefin an.

Als bisheriger erster Beigeordneter sei Sven Koch für das Bürgermeisteramt gut vorbereitet, betonte sie in ihrer Rede. Sie selbst habe 41 Ratssitzungen geleitet. In ihre Amtszeit seien wichtige Entscheidungen gefallen – etwa zur Sanierung des Altenzentrums oder zur Wiederbelebung des Technologiezentrums. Sie sei stolz auf das Geleistete. Auf ihren Nachfolger warteten nun viele weitere, noch unvollendete Projekte, neben dem Jugendzentrum beispielsweise auch die Sanierung des Waldfreibads oder die Neugestaltung der Hauptstraße. Sie wünsche Sven Koch und allen Ratsmitgliedern eine glückliche Hand bei den Entscheidungen. Mit diesen Worten schloss sie ihre Rede. Ihre berufliche Zukunft ließ sie offen.

Der neue Ortschef sprach Hedi Braun seinen Respekt aus. Die scheidende Bürgermeisterin habe ihre Meinung immer mit großer Beharrlichkeit vertreten – trotz teils großen Gegenwinds. Die vergangenen vier Jahre seien alles andere als ruhig gewesen. „Wir haben nach Lösungen gesucht“, sagte er. Die Bürgermeisterin habe stets Rückgrat bewiesen.

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