Kreis Südliche Weinstraße „Wassertrick“ funktioniert immer noch

Die Zahl der Wohnungseinbrüche steigt. Derzeit zwar nicht in der Südpfalz, aber landesweit. „Die Entwicklung in den vergangenen Jahren gefällt uns nicht, sie können ganz viel zusammen mit uns tun“, war der Appell von Polizeidirektor Thomas Sommerrock aus Landau, einer der Beamten, die vor vollem Haus beim Bürgerforum der Polizei in Niederotterbach informierten.
Moderiert wurde die Veranstaltung von Kriminalhauptkommissar Uwe Kühn. Ziel sei es, den Dialog mit den Bürgern zu suchen, die mit Hinweisen an die Polizei ein wichtiger Teil bei der Aufklärung dieser Straftaten seien, so der neue Leiter der Polizeiinspektion (PI) Bad Bergzabern, Dieter Wolff. Er ist zuständig für 28.000 Bürger in 27 Gemeinden der Verbandsgemeinden Bad Bergzabern und Annweiler. Mit 22 Einbrüchen sei die Zahl im Bereich der PI in diesem Jahr deutlich gesunken, erläuterte Wolff. Im vergangenen Jahr waren es allein 22 Einbrüche am Viehstrich, die meisten davon in Schweigen-Rechtenbach. Insgesamt waren es 62 Wohnungseinbrüche im Bereich der PI Bad Bergzabern. „Die verstärkte Streife hat wohl gewirkt“, meinte Kurt Braun, ehemaliger Leiter der PI, der in der vergangenen Woche verabschiedet wurde, den Grund für den Rückgang der Einbruchszahlen am Viehstrich. „Die Grenze spielt eine sehr untergeordnete Rolle, zu keinem Zeitpunkt gab es prozentual gesehen eine Häufung, das liegt auch an der guten Zusammenarbeit mit den französischen Kollegen“, so Braun. Bei den Tipps von Kriminalhauptkommissar Joachim Bossek gab es manchen Aha-Effekt bei den Bürgern. „Im Flur“, war die Antwort einer Zuhörerin, wo sie denn Licht brennen lasse, wenn sie weggehe. „Falsch, sie wohnen ja nicht im Flur, das signalisiert, dass sie nicht da sind, lassen sie in der Küche oder im Wohnzimmer Licht an“, lautete die Antwort des Fachmanns. „75 Prozent der Einbrecher hebeln die Fenster mit einem größeren Schraubenzieher auf“, klärte Bossek auf. Wie schnell das geht, zeigte ein Film, in dem der „Einbrecher“ in kaum fünf Sekunden ein abgeschlossenes Fenster öffnet. Die Annahme eines Bürgers, dass Rollläden ein Einbruchsschutz seien, konnte der Polizist nicht bestätigen. Auch nicht die Wirksamkeit von Alarmanlagen. „Eine Alarmanlage wird nie ein Einbruchsschutz, kann aber eine Ergänzung sein“, so Bossek. Es sei ratsam, in den sozialen Netzwerken keine Urlaubstermine kundzutun und den Briefkasten im Urlaub von Nachbarn leeren zu lassen. Polizeikommissar André Erdle informierte über die Arbeit der Arbeitsgemeinschaft „Bande“mit Zentrale in Ludwigshafen, in der alle Einbruchsdelikte täglich ausgewertet und auf Übereinstimmungen untersucht werden. Hinweise von den Bürgern seien sehr wichtig. Erdle schilderte einen Fall, bei dem einer Dame nach einem Einbruch aufgefallen war, dass der Täter aus einer Flasche im Kühlschrank getrunken haben musste. Ergebnis: Auf Grund dieser Spur wurde er gefasst und zu zweieinhalb Jahren verurteilt, weil ihm noch andere Straftaten nachgewiesen werden konnten. Sein Tipp: Wertgegenstände fotografieren und Nummern von Geräten aufschreiben. Zum Beispiel die IMEI- Nummer von Smartphones, die dann eindeutig zugeordnet werden kann: *#06# (Stern, Raute, 06 Raute) eingeben und die Nummer erscheint. „Teilen sie uns Beobachtungen, die ihnen merkwürdig vorkommen mit, sie können uns Tag und Nacht erreichen“, war der Appell der Polizei. „Lassen sie niemanden rein, der um ein Glas Wasser bittet, sie sind abgelenkt, während die Wohnung nach Wertgegenständen durchsucht wird“, sagte Sommerrock. Der „Wassertrick“ sei uralt und funktioniere immer noch. Er warnte vor einem weiteren Phänomen. „Überweisen sie nichts, weil ihnen irgendjemand etwas am Telefon erzählt“, so der Polizeidirektor. Auf diese Weise sei schon sehr viel Geld gestohlen worden. Um es Einbrechern schwerer zu machen, bietet die Polizei Bad Bergzabern eine individuelle Beratung zu Hause vom Bezirksbeamten Thomas Tretter an, mit dem Termine vor Ort vereinbart werden können. |pfn