Kreis Südliche Weinstraße Was ran kommt, muss auch wieder ab

Plastik-Ampullen im Weinberg: hilfreich, aber nicht verrottend.
Plastik-Ampullen im Weinberg: hilfreich, aber nicht verrottend.

Hintergrund: Die Pheromon-Dispenser zur Bekämpfung des Traubenwicklers sind aus den Weinbergen nicht mehr wegzudenken. Eigentlich müssen diese später wieder abgehängt werden. Aber nicht alle Winzer halten sich daran. Und so bleibt Plastikmüll im Wingert. Ist biologisch abbaubarer Kunststoff eine Lösung?

«Südpfalz.»Gerade sind wieder zahlreiche Helfer in den Weinbergen unterwegs, um die kleinen, braunen Pheromon-Dispenser auszuhängen. Damit wird der Traubenwickler bekämpft. Das sind kleine Falter, die im Weinberg großen Schaden anrichten. Die Larven befallen Blüten und Trauben und mindern dadurch den Ertrag. Befallene Trauben sind auch anfälliger für Grauschimmelfäule. Die künstlichen Pheromone verwirren die männlichen Traubenwickler, sodass sie nicht mehr zu den Weibchen finden und sich paaren können. Für die Natur ist das wesentlich schonender, als Insektizide einzusetzen. Aber es bleibt ein Problem. Denn nicht alle Winzer halten sich daran, die Pheromon-Dispenser im Folgejahr wieder abzuhängen und einzusammeln. „Viele Winzer lassen die Aushänge nicht entfernen. Die liegen dann einfach auf dem Boden. Die sind aus Plastik, die verrotten doch nicht“, moniert Roland Schreieck den Plastikmüll im Wingert. Der Leinsweilerer hängt hobbymäßig für Winzer Pheromon-Ampullen aus, nur ein Winzer hat ihn auch für den Abhang engagiert.

Regeln müssen eingehalten werden

Pheromonaushang: Grundsätzlich gut, aber mit Fallstricken. „Uns liegt sehr daran, dass diese Methode weiterhin großflächig zum Einsatz kommt“, sagt Andreas Kortekamp, Leiter des Instituts für Phytomedizin beim Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz in Neustadt, mit Blick auf die Vorteile für den Naturhaushalt, den Verbraucherschutz und den Winzer. Auf 80 Prozent der Anbaufläche werde in der Pfalz die Verwirrmethode eingesetzt. Dabei seien rechtlich vorgeschriebene Regeln einzuhalten: Die alten Pheromon-Dispenser müssen vor dem Ausbringen der neuen wieder eingesammelt werden. Das erledige man am besten beim Rebenschnitt oder beim Ziehen des Rebholzes, rät Kortekamp, der deutlich macht, dass zurückgelassene Ampullen im Weinberg „natürlich auch auf unsere Ablehnung stoßen“. Da die Dispenser aber nicht sehr groß seien und ihre Anzahl nicht so hoch, „bewerten wir den Verbleib auf dem Boden nicht als Müllbelastung und nicht als ein Problem für die Natur“, so die Einschätzung der wein- und gartenbaulichen Behörde. Dennoch will das DLR die RHEINPFALZ-Anfrage zum Anlass nehmen, „nochmals mit Nachdruck auf die ordnungsgemäße Entsorgung der Ampullen hinzuweisen“. Wie viele Plastik-Dispenser landen denn nun tatsächlich auf dem Boden? Schwierig festzustellen. Die Kontrolle übernimmt der Prüfdienst Agrarförderung beim DLR Mosel, erklärt Eveline Dziendziol, Pressesprecherin der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier. In Rheinland-Pfalz gebe es 184 Anwendergemeinschaften – also Zusammenschlüsse von Winzern, die auf ihren Flächen die Dispenser gemeinsam aushängen. 2017 habe die Kontrollbehörde zehnen einen Besuch abgestattet. Dies entspreche der EU-rechtlichen Kontrollquote von fünf Prozent, sagt Dziendziol. In zwei Fällen hätten die Winzer die Ampullen nicht vollständig abgehängt. Dafür gab’s Sanktionen, sprich eine Kürzung der Förderung. Denn der Pheromonaushang wird je zu Hälfte vom Land und von der EU gefördert. Auch die ADD schätzt die Müllbelastung durch nicht eingesammelte Ampullen im Verhältnis zu deren Nutzen als „relativ gering“ ein. Gleichwohl wolle man das Problem „so weit wie möglich minimieren“, so Dziendziol.

Biologisch abbaubarer Kunststoff

Eine interessante Möglichkeit dafür könnten Dispenser aus biologisch abbaubarem Kunststoff sein. Bisher sei deren Einsatz aber daran gescheitert, dass die Duftstoffe nicht gleichmäßig und in den notwendigen Mengen abgegeben worden seien, berichtet Kortekamp. In die Richtung geforscht hat die BASF in Ludwigshafen, die die Dispenser auch herstellt. Allerdings hätten die Versuche keine befriedigenden Ergebnisse gebracht, berichtet BASF-Sprecherin Christina Zeintl. Das Unternehmen weist darauf hin, dass seine vertriebenen Dispenser aus konventionellem Kunststoff und damit nicht biologisch abbaubar seien. Die eingesammelten Dispenser könnten über das Entsorgungssystem Pamira (Rücknahme von Pflanzenschutzverpackungen durch den Industrieverband Agrar) entsorgt werden, berichtet Zeintl. Das System starte mit bundesweit 365 Sammelstellen in die aktuelle Saison. Dort werden an jeweils ein- bis viertägigen Terminen gebührenfrei Verpackungen mit dem Pamira-Zeichen zurückgenommen und danach umweltgerecht entsorgt.

Thema bei Versammlung

Darauf sollte die BASF vielleicht verstärkt aufmerksam machen, findet Karl-Friedrich Junker aus Impflingen, der frisch gewählte Kreisvorsitzende des Bauern- und Winzerverbands. Er selbst versuche, auf seinen Weinbergen alle Ampullen wieder einzusammeln. „Aber manchmal findet man nicht alle wieder“, bemerkt er. Er könne nicht für alle Winzer die Hand ins Feuer legen. Es könne schon vorkommen, dass eine Ampulle im Wingert hängen bleibe oder mit der Rebe kleingehäckselt werde. „Viele Winzer beschäftigen auch Aushilfen. Denen ist nicht immer beizubringen, die Ampullen wieder abzuhängen“, sagt der Winzer. Er verspricht, das Thema bei der nächsten Versammlung der Bauern- und Winzerschaft zur Sprache zu bringen.

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