Kreis Südliche Weinstraße Vorbildliche Sanierung

Das Ehepaar Weschler mit Kindern vor dem prämierten Haus in Billigheim-Ingenheim.
Das Ehepaar Weschler mit Kindern vor dem prämierten Haus in Billigheim-Ingenheim.

«BILLIGHEIM-INGENHEIM.» „Energieeffizientes Handeln ist eine wesentliche Säule der Energiewende und damit des Klimaschutzes“, sagen Maurice und Silvana Weschler aus Billigheim-Ingenheim. Sie sind Gewinner des mit 3000 Euro dotierten Gebäudewettbewerbs „Energieeffiziente Sanierungen mit Vorbildcharakter“.

Bei dem landesweiten Wettbewerb würdigt die Energieagentur Bauherren und Baugemeinschaften, die ihr Haus fit für die Zukunft machen und bei der Sanierung auf Einspar- und Effizienzpotenziale achten. „Wir waren überrascht, dass wir als Preisträger hervorgegangen sind, übrigens als einzige Südpfälzer“, sagt Maurice Weschler im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Das Ehepaar sanierte eine 70 Jahre alte Immobilie in der Vogesenstraße im Ortsteil Ingenheim zu einem „hochenergieeffizienten Haus“. Dabei wurde der Effizienzstandard eines KfW-70-Hauses erreicht. Will heißen, dass das Gebäude nur 70 Prozent an Energie braucht. Bei der Sanierung wurde die Bausubstanz genutzt und das Erscheinungsbild nur unwesentlich verändert. So behielt das Gebäude trotz eines Anbaus von 50 Quadratmeter in Holzständerbau-weise zur Vergrößerung des Raumangebotes und einer Fassadenverkleidung aus Holz seine erkennbare Kubatur. In Deutschland sind rund 24 Millionen Wohnungen laut Schätzung der Bundesregierung sanierungsbedürftig, in Rheinland-Pfalz über eine Million Häuser, die vor der ersten Wärmeschutzverordnung von 1977 gebaut wurden und neuen Standards nicht mehr gerecht werden. Der Weg zum Eigenheim des Ehepaars Weschler sah zunächst ganz anders aus. Ihre 55 Quadratmeter große Wohnung in Ingenheim war für die junge Familie, zu der auch der Vierbeiner Piet gehört, nach der Geburt ihrer heute sieben Jahre alten Tochter Mila Piet viel zu klein. Der 39 Jahre alte Metallbaumeister, der bei einer Metallbaufirma in Hauenstein beschäftigt ist, und Gattin Silvana, von Beruf Steuerfachangestellte, hatten sich zunächst für ein Eigenheim in Gestalt eines Neubaus entschieden. So begann die Suche nach einem geeigneten Bauplatz in Billigheim-Ingenheim. Der gebürtige Ingenheimer wollte seinem Heimatort treu bleiben. Doch die Suche blieb erfolglos. Deswegen kam die Familie auf die Idee, eine leerstehende Immobilie aus dem Jahr 1948 zu nutzen: alte Fenster, veraltete Heizung, schlecht isolierte Wände, alte Leitungen und Installationen, ungedämmtes Dach und feuchte Wände. Das Ehepaar Weschler ließ sich von der „Negativliste“ nicht abschrecken, kaufte 2010 das Gebäude, auch im Wissen, dass das Familienoberhaupt ein Mann vom Fach ist und viel in Eigenleistung verwirklichen kann. Maurice Weschler legte richtig los. Vier Jahre nahmen die Sanierungsarbeiten in Anspruch. Mittlerweile hat die Familie mit dem vier Jahre alten Marlon weiteren Zuwachs bekommen. Eine Tante von Maurice brachte als Architektin die Pläne für ein hochenergieeffizientes Haus zu Papier. Inzwischen sind exakt 4636 freiwillige Arbeitsstunden geleistet, mehr als 3000 stammen vom Familienvater höchstselbst. Bei dem „Traumhaus“ sind die Böden mit Hölzern direkt aus dem Sägewerk hergestellt. Dies gilt auch für den Tisch im Wohnraum. Eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach erzeugt so viel Strom, wie im ganzen Haus verbraucht wird. Mit 250.000 Euro waren Sanierung und Erweiterung veranschlagt. Davon wurden 134.000 Euro in Eigenleistung erbracht. Weschlers haben mit diesem „Meisterstück“ die Zeichen der Zeit erkannt.

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