Schwanheim RHEINPFALZ Plus Artikel Von Schwanheim bis nach Japan: Schuhmarke Waldläufer

Stolzer Geschäftsführer: Willehad Bauer mit einigen Waldläufer-Schuhen.
Stolzer Geschäftsführer: Willehad Bauer mit einigen Waldläufer-Schuhen.

Schuhe von Waldläufer sind aktuell sehr gefragt. Die Marke aus Schwanheim hat weltweit 3000 Mitarbeiter. Die Sanktionen im Russland-Geschäft machen der Produktion allerdings zu schaffen. Denn wer Schuhe machen will, braucht eine große Menge Erdöl.

Willehad Bauer, Geschäftsführer des in Schwanheim ansässigen Schuhunternehmens Waldläufer ist erleichtert: „Wir sind Gott sei Dank gut aus dem Lockdown gekommen.“ Das Unternehmen, das der 67-Jährige führt, hat weltweit rund 3000 Beschäftigte. Zusammen mit seinem Sohn Günther, der bereits die dritte Generation einer erfolgreichen Schuhunternehmer-Familie aus Hauenstein in die Zukunft führen wird, setzt Seniorchef Willehad Bauer positive Signale trotz der derzeitigen ungewissen Weltlage: „Die Corona-Jahre waren insofern nicht einfach, als unsere Kunden europaweit die Bestellorder auf Sparflamme zurückführten.“

Erfreulicherweise habe sich dieser Trend jetzt wieder in eine völlig andere Richtung bewegt“, gibt sich der Unternehmer erleichtert. „Wir könnten im Augenblick wesentlich mehr unserer Waldläufer-Marken-Schuhe verkaufen, wenn wir sie nur produzieren könnten.“ Dabei sei die Tagesproduktion mit mehr als 11.000 Paar Schuhen am oberen Limit, meint Bauer. Die Jahreskapazität liege bei über 2,5 Millionen Paar Qualitäts-und Komfortschuhen „in einem durchschnittlichen Preissegment von 99 bis 149 Euro“.

Schuhe seit 1960

Angesprochen auf die derzeitigen Sanktionen im Russland-Geschäft durch die verhängten Kriegssanktionen bezifferte der Waldläufer-Chef bei einem RHEINPFALZ-Besuch die Umsatzverluste auf geschätzte zwei Millionen Euro. „Dessen ungeachtet ist die derzeitige Post- Lockdown-Nachfrage so groß , dass wir derzeit kaum alle Kundenwünsche befriedigen können“. Trotz Corona-bedingter Umsatzverluste und Folgen des Ukraine-Kriegs hofft der Firmenchef wieder auf einen Jahresumsatz jenseits der 90 Millionen-Euro-Grenze. Sorgen machen dem Unternehmer nach eigenen Angaben befürchtete Preisanstiege, insbesondere im Bereich des Sohlen-Segments, wo außerordentlich viel Erdöl zur Granulat-Gewinnung notwendig sei.

„Glücks-GEH-Fühle“ und „Laufkomfort spürbar erleben“ sind nach der firmeneigenen Marketing-Strategie positive Erfolgsaspekte einer Schuhtradition, die Vater Günter Bauer aus kleinsten Anfängen heraus im Jahre 1960 begründet hatte. Vorher hatte der aus der Eifel stammende und aus der Kriegsgefangenschaft völlig mittellos nach Hauenstein gekommene Vollwaise Günter Bauer schon seinem Schwiegervater „Albo“ Albert Bock geholfen, einen mittelständischen Betrieb erfolgreich auszubauen.

Dynastie von Schuhmachern

Der Aufstieg des mittlerweile weltweit agierenden Unternehmens begann mit dem Neubau eines eigenen Betriebes im benachbarten Lug, wo das Unternehmen Bauer auch den Marken- und Produktionsnamen „Lugina“ annahm, der auch heute noch die latente „Hausadresse“ ist. Firmengründer Günter Bauer starb 1968 durch einen tödlichen Unfall und wurde somit aus der vollen Entwicklungsphase herausgerissene. Er hatte jedoch bereits 1965 praktisch die gesamte Qualitätsentwicklung auf die neue Marke „Waldläufer“ umgestellt. Diese Umstellung wurde zum eigentlichen Glücksfall der rasanten Firmengeschichte.

Nach dem plötzlichen Tod des Vaters baute der damals 30-jährige Sohn Willehad auf die neue kundenorientierte Entwicklung auf. Er selbst hatte nach dem Abitur in Dahn eine Schuh-Ausbildung gemacht. „Durch die Marke „Waldläufer ist unser Unternehmen rasant gewachsen und verschaffte sich bis heute einen reputierten Namen in der gesamten Schuhwelt“, sagt Willehad Bauer stolz. Waldläufer-Schuhe seien eine ausgewogene Kombination aus traditionellem Handwerk und moderner Technologie. Aber auch der modische Akzent spiele bei den Schuhen eine wichtige Rolle. „Die Verbindung von Mode und Komfort ist das Erfolgsgeheimnis von Waldläufer“, meint der Seniorchef und verweist nicht ohne Stolz, dass die Modelle auch in den unterschiedlichen Weiten gefertigt würden, was eine optimale persönliche Passform bedeute. Seine Kunden seien in der Altersklasse von 30 bis 80 Jahre beheimatet.

Glücksfall Schwanheim

Als im Jahre 2010 die Kapazitätsgrenze der Produktion in Lug an ihre Grenze kam, war es laut Bauer ein Glücksfall für das stark expandierende Unternehmen, dass es nur drei Kilometer weiter in Schwanheim den Großbetrieb der ehemaligen Firma Spieß erwerben konnte. „Hier in Schwanheim haben wir zur rechten Zeit die richtigen Produktionsräume mit den richtigen funktionalen und digitalen Produktions-, Entwicklungs- und Logistik-Abläufen gefunden.“

Fachkräfte in der Entwicklungabteilung bei der Erstellung der neuen Kollektion
Fachkräfte in der Entwicklungabteilung bei der Erstellung der neuen Kollektion

In den letzten zehn Jahren hat sich bei Waldläufer eine weltweiten Vernetzung vollzogen. Klar ist jedoch: „Schwanheim ist und bleibt das Herz und das innovative Zentrum mit Vernetzungen zu unseren Betriebstätten in Kroatien, Rumänien und Ungarn“, erklärt Bauer. Unter anderem hat Waldläufer auch in der Hauensteiner Partnerstadt Csenger eine besonders große Produktionsstätte. Hier war bereits der zweite global agierende Schuhkonzern Josef Seibel auf eine besonders gut ausgebildete Schuhkompetenz gestoßen – einige Jahre vor Waldläufer.

Aktuell sind rund 100 Produkt-Entwickler, Gestalter und Schuhfertiger in der Waldläufer-Zentrale in Schwanheim tätig und erarbeiten hier die Muster-Modelle, die weltweit von knapp 3000 weiteren Mitarbeitern produziert und vertrieben werden. Neben der Produktionsverlagerung ins europäische Ausland sorgt Unternehmer Willehad Bauer permanent und kontinuierlich für den konsequenten Ausbau der Exportaktivitäten: „Über das europäische Ausland hinaus ist Waldläufer in den USA, Kanada, China, Japan, Australien, Israel und Kuweit vertreten“, sagt er stolz.

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