Kreis Südliche Weinstraße Von Beirut an die Queich

„Wir sind dabei, ein bunter Landkreis zu werden“ stellte Theresia Riedmaier am Mittwochabend fest. Zusammen mit dem Beigeordneten Helmut Geißer überreichte die Landrätin bei einer Feierstunde im Kreishaus 24 Personen aus 14 Nationen die Urkunde, die 16 Erwachsene und acht Minderjährige aus nahezu allen Enden der Welt zu deutschen Staatsbürgern erklärt. Von Beirut nach Offenbach, von Polen über Kroatien nach Hochstadt, von der Dominikanischen Republik nach Steinfeld, von Bulgarien nach Annweiler, von Indien nach Bad Bergzabern führte der Weg der Menschen, die sich nun Deutsche nennen dürfen. Mit allen Rechten und Pflichten. Für manche war es eine Flucht aus der Armut oder Kriegswirren, andere sind bereits hier geboren. Einige lockte die Liebe von weither nach Deutschland. „Alle sind bei uns herzlich willkommen“, beteuerte Riedmaier. Bevor sie mit den Neubürgern den Eid sprach, erklärte sie den wesentlichen ersten Satz im Grundgesetz als Grundlage der Demokratie: „Der Mensch ist frei“. Jeder Mensch habe das Recht auf ein Leben in Freiheit und Sicherheit, deshalb nehme der Landkreis auch die Aufgabe ernst, „sich jener anzunehmen, die zu uns flüchten“, so Riedmaier. Hoosam Kassas ist vor acht Jahren aus Syrien nach Deutschland gekommen. Er hatte in Damaskus Medizin studiert und wollte Kardiologe werden. Zunächst musste er die B-2-Deutschprüfung machen, danach die Gleichwertigkeitsprüfung. Nach der Ausbildung an der Universität des Saarlandes hat er in Neustadt die Facharztprüfung abgelegt. Heute arbeitet er im Klinikum für Innere Medizin in Kusel. Ehefrau Rudaina Al Ali, die ihrem Mann 2011 nach Deutschland folgte, wohnt mit den beiden Söhnen in Bad Bergzabern. Im Januar, wenn der zwei Jahre alte Ibrahim seinem zwei Jahre älteren Bruder Abdalrahmaan in die integrative Kindertagesstätte Pusteblume in Bad Bergzabern folgt, will auch Mama Rudaina ihre berufliche Qualifikation ausbauen. Für die Anerkennung ihrer in Syrien abgeschlossenen Ausbildung muss die 29 Jahre alte Apothekerin ebenso wie der Gatte eine Gleichwertigkeitsprüfung bestehen. Hoosams Eltern leben mittlerweile im Saarland, Rudaina folgten zwei Brüder und eine Schwester nach Deutschland. „Ein Haus, in dem wir gemeinsam in Frieden leben können“, das ist ihr Traum. Nach Syrien zurückzukehren sei nicht ihr Begehr, auch nicht, wenn dort wieder Friede einkehren würde. Obwohl dies mit der doppelten Staatsbürgerschaft möglich wäre: „Von meinen 36 Lebensjahren habe ich insgesamt 15 in meiner Geburtsstadt Damaskus gelebt, 13 in Saudi Arabien und mittlerweile acht Jahre in Deutschland“, berichtet Hoosam, der sich als Weltbürger sieht. Heimat ist für ihn dort, wo die Familie ist. „Nehmen Sie Ihre Rechte und Pflichten wahr, werden Sie aktiv in den Kindergärten und Schulen, die Ihre Kinder besuchen, so gelingt Integration am besten“, forderte die Landrätin die neuen Deutschen auf, „und lernen Sie die Sprache, denn Deutsch ist der Schlüssel für Bildung und Beruf und für eine gute Nachbarschaft“. Eine ganz andere Geschichte ist die von Silvio Onolfo. Von der Landrätin Riedmaier als Italiener aufgerufen, überraschte der 45-Jährige mit astreinem Schwäbisch. „Ich bin in Pforzheim geboren und gehöre zur zweiten Generation der ersten Einwanderungswelle “ erklärte der Elektrotechniker, der mit Ehefrau und drei Kindern im südpfälzischen Annweiler lebt. Weil er in Deutschland seine schulische und berufliche Laufbahn absolviert hat, blieben ihm Einbürgerungskurs und Sprachqualifikation erspart. Nicht allerdings die Gebühr in Höhe von 255 Euro für den Verwaltungsaufwand. Dass er sich jetzt entschieden hat, Deutscher zu werden, habe mindestens zwei Gründe: „Nach einer Gesetzesänderung darf ich die italienische Staatsbürgerschaft behalten, früher hätte ich sie abgeben müssen, das wollte ich nicht“, sagt der Deutsche mit italienischen Wurzeln, der über das Generalkonsulat die Möglichkeit bekam, außer dem deutschen auch das italienische Bildungssystem samt Abschlussprüfung zu durchlaufen. Der Hauptgrund aber ist das uneingeschränkte Wahlrecht: „Bisher durfte ich zwar fleißig meine Pflicht als Steuerzahler erfüllen, hatte aber keine politischen Rechte über die Kommunalwahl hinaus, jetzt darf ich die Gestaltung Deutschlands mitentscheiden“. (srs)