Kreis Südliche Weinstraße Villa Medica 2.0

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Mitten im lauschigen Edenkobener Tal liegt sie, die Villa Medica. Ein nobles Zentrum für naturheilkundliche und biologische Therapieverfahren, spezialisiert auf die in der Medizin umstrittene Zelltherapie, bei der Zellen von Schafsföten injiziert werden. Diese sollen innere Heilungskräfte in Gang setzen. Zahlungskräftiges Klientel besonders aus Asien schwört auf diese Vitalisierungskuren, auch VIPs wie Mitglieder der Königsfamilie aus Dubai, der ehemalige philippinische Staatspräsident oder vor Kurzem US-Schauspielerin Michelle Rodrigez, bekannt aus Filmen wie „Avatar“ oder „Fast & Furious“, lagen schon auf der Patientenliege. „Captain Kirk“ William Shatner habe sich angekündigt, berichtet Rainer Klingler. Er war bereits zuvor Geschäftsführer und ist nun Gesellschafter der neuen Betreibergesellschaft Villa Medica Healthcare, die die Klinik seit 1. September führt. Zweite Gesellschafterin ist Betty Chia, die Ehefrau von Bobby Chia, der die frühere Betreibergesellschaft Holistic Medical Centre leitete. 2008 wurde die Klinik an die thailändische Investoren-Gruppe verkauft, die sich selbst aus Villa-Medica-Stammkundschaft rekrutierte. Alles lief gut, die Klinik machte zuletzt fünf bis sechs Millionen Euro Umsatz, bot 55 Arbeitsplätze und hatte das Gebäude 2013 für rund zwei Millionen Euro auf Luxus-Niveau modernisiert. Doch dann kamen „erhebliche Auseinandersetzungen mit dem Finanzamt“ dazwischen, wie es Klingler formuliert. Steuerlich sei die Klinik wie in den Jahren zuvor geführt worden, doch bei einer Betriebsprüfung vor anderthalb Jahren habe das Finanzamt seine bisherige Praxis umgestellt und nun 1,7 Millionen Euro Nachzahlung haben wollen, so Klingler, selbst Jurist und auf Steuer- und Insolvenzrecht spezialisiert. Die Klinik zog vors Neustadter Finanzgericht, das ihr bescheinigt habe, erhebliche Zweifel zu haben, ob die Steuernachforderung gerechtfertigt sei, so Klingler. Doch sie habe nun mal im Raum gestanden und die Klinik hätte steuerrechtlich Rückstellungen bilden müssen. Das war wirtschaftlich nicht möglich, weswegen im Frühsommer die Insolvenz wegen zu hoher Verschuldung angemeldet werden musste. Insolvenzverwalter Stephan Haspel aus Landau obliege es nun, ob der Gerichtsprozess weitergeführt werde. Die Kooperation mit ihm laufe sehr gut, bescheinigt Klingler. Die Arbeitsverträge der Mitarbeiter seien sehr schnell in die neue Gesellschaft überführt worden, sodass die Klinik nach einem Monat Pause im September wieder ihre Türen öffnen konnte. Allerdings mit zehn weniger Mitarbeitern. „Wir haben bereits wieder über 100 Patienten monatlich und erwarten 2016 einen Umsatz von 4,1 Millionen Euro“, so Klingler, der die neue Gesellschaft erst einmal konsolidieren will, bevor die Klinik weitere größere Schritte macht. Deswegen ist der geplante Erweiterungsbau mit 30 Zimmern vorerst auf Eis gelegt. Klingler zur Seite steht nun wieder in aktiver Form Burkhard Aschhoff, der erneut ärztlicher Leiter der Klinik ist. Der 69-Jährige hatte die Klinik 1990 zusammen mit Klingler von Zelltherapeut Alexander Gali übernommen, aber war seit 2011 nur noch beratend tätig. Zwischen seinem Nachfolger Geoffrey Hürtgen und der thailändischen Betreibergesellschaft passte jedoch die Chemie nicht, weswegen nun Aschhoff wieder an Bord ist. Die Anzahl der Ärzte wurde seit dem Neustart von fünf auf drei reduziert. Neben den Zelltherapien bietet die Edenkobener Klinik auch Knorpel- und Gelenktherapien und Infusionen zur Stärkung des Immunsystems an. In Zukunft will Klingler auch eine Massage- und Homöopathiepraxis einrichten, um sich damit auch mehr für die Region zu öffnen. (höj)

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