Kreis Südliche Weinstraße Viele Wünsche, ein Kind

Placeholder-Image

Auch wenn die Zahlen von Jahr zu Jahr schwanken, werden beim Jugendamt Landau, der Adoptionsvermittlungsstelle für die Stadt Landau, die Kreise Südliche Weinstraße und Germersheim, zwar insgesamt recht wenige, aber in etwa konstant viele fremde Kinder adoptiert. So gab es 2013 eine Inlands- und eine Auslandsadoption. Zwischen 2008 und 2012 wurden in vier Jahren jeweils drei fremde Kinder adoptiert, 2011 sogar sechs. Dagegen sind sogenannte Stiefkind-Adoptionen auf dem Vormarsch, um Patchwork-Familien näher zusammenzubringen. Die Zahl der Stiefkind-Adoptionen stieg in der Südpfalz von sieben im Jahr 2008 auf 17 im Vorjahr. Doch nur weil wenige fremde Kinder adoptiert werden, heißt dies nicht, dass es wenige adoptionswillige Paare gibt. Sieben anerkannte und geprüfte Ehepaare standen 2013 auf der Bewerberliste der Südpfälzer Adoptionsstelle, nur für eines erfüllte sich der Kinderwunsch. Über die möglichen Gründe lägen der Adoptionsstelle keine gesicherten Erkenntnisse vor, so Stadtsprecher Michael Niedermeier. Es gebe hier genügend qualifizierte Adoptionsbewerber, um ein Adoptivkind gut vermitteln zu können. Ulla Eder, Sprecherin für die Adoptionsstelle in der Südwestpfalz, sagt, dass der Adoptionsrückgang mit dem allgemeinen Geburtenrückgang in Deutschland zusammenhänge. Hinzu kämen die veränderten gesellschaftlichen Bedingungen. „Die Gesellschaft hat eine andere Einstellung zu unverheirateten Müttern und außerehelichen Kindern, und Alleinerziehende sind finanziell oft besser abgesichert als früher.“ Dadurch würde es betroffenen Frauen leichter gemacht, ihre Kinder zu behalten, anstatt sie zur Adoption freizugeben. Bei den Auslandsadoptionen wirkten sich die enorm gestiegenen Kosten auf die Zahlen aus. Das Statistische Landesamt in Bad Ems bestätigt mit seinen am Donnerstag veröffentlichten Zahlen diesen Trend (von 234 Adoptionen im Jahr 2007 auf 171 Adoptionen im Jahr 2013), zeigt aber auch auf, dass die Zahl der Adoptionswilligen sinkt – von 608 (2007) auf 297 (2013). 14 Paare ließen sich im vergangenen Jahr bei der Adoptionsstelle in Landau beraten, zwischen 2008 und 2012 schwankten die Zahlen zwischen 16 und 24 Paaren. Dabei wird mit den Adoptionswilligen deren komplette Lebenssituation durchgesprochen, der Verlauf des Bewerbungsverfahrens und die Aussichten, es wird auf die praktische Begleitung und Betreuung durch das Jugendamt hingewiesen und wie Adoptiveltern damit umgehen können, wenn die Kinder nach ihrer Herkunft suchen möchten. Auch allgemeine Erziehungsfragen und pädagogische Inhalte sind Thema. Wie Ulla Eder für die Südwestpfalz ergänzt, können sich auch Pflegeeltern, Mütter oder Adoptivkinder beraten lassen. „Einen jährlich größer werdenden Raum nimmt auch die Beratung gleichgeschlechtlicher Paare ein.“ Von den 14 interessierten Südpfälzer Paaren haben 2013 fünf Paare das Verfahren abgeschlossen. Meist lag der Abbruch daran, dass sich das Paar mit der eigenen Kinderlosigkeit auseinandergesetzt hat, das ein Partner zu alt war, es rechtliche Bedenken gab, der Adoptions- oder Kinderwunsch nur von einem Partner sehr stark war oder die Aussichten nicht genügend erfolgsversprechend waren, so Niedermeier. Während des Bewerbungsverfahrens werden drei bis vier Gespräche mit den Ehepaaren geführt, darunter auch Hausbesuche. Laut Niedermeier ist zukünftig geplant, Adoptionsseminare mit den Bewerbern abzuhalten. Wer ein fremdes Kind annehmen will, muss sich auf eine wahre Papierschlacht einstellen. Die Behörde benötigt Geburts- und Heiratsurkunden, polizeiliches Führungszeugnis, Einkommens- und Vermögensnachweise, Gesundheitszeugnis, ausführliche Lebensberichte und Motivationsfragebogen. Die Bewerbungsverfahren für Inlandsadoptionen sind etwa nach vier Monaten abgeschlossen, für Auslandsadoptionen muss man mit acht Monaten bis zu einem Jahr rechnen. Dazu kommt die mindestens einjährige Adoptionspflegezeit. Auslandsadoptionen können bis zu mehreren Jahren dauern. Unvermittelte Kinder gibt es in der Südpfalz übrigens derzeit nicht, so Niedermeier. Kinder, die zur Adoption freigegeben sind, werden meist möglichst bald nach der Geburt an die Adoptiveltern übergeben.

x