Kreis Südliche Weinstraße Venningen: Präsident der Pfälzer Kletterer liebt es steil

Waghalsige Kletterpartie von Rainer Scharfenberger im Pfälzerwald.
Waghalsige Kletterpartie von Rainer Scharfenberger im Pfälzerwald.

Nein, der Präsident der Pfälzer Kletterer kommt nicht etwa aus einer Felsenregion im Pfälzerwald, sondern er wohnt im Flachland. In Venningen, wo Rainer Scharfenberger mit seiner gleichfalls klettererfahrenen Frau Silka Pierson lebt. Ein Besuch bei dem Ehepaar, das in jeder freien Minute steile Wände bezwingt.

«VENNINGEN.» Wer das mit Liebe zum Detail umgebaute Fachwerkhaus in der Mühlstraße betritt, dem wird klar, um welches Hobby es sich handelt. An einem der freigelegten Holzbalken, die das Wohnzimmer durchziehen, ist eine Klimmzugstange angebracht. Hier tanken Rainer Scharfenberger, Präsident der Pfälzer Kletterer, und seine Frau Silka Pierson Kraft und Ausdauer, die später bei den höchsten Schwierigkeitsgraden unabdingbar, ja lebensnotwendig sind. An den geweißelten Altbauwänden zeugen Zeichnungen von waghalsigen Routen, an anderer Stelle ist ein Sicherheitsring einbetoniert, der dem Paar vor 15 Jahren zur Hochzeit geschenkt wurde. Apropos Heirat: Selbst an dem Tag, als sich beide das Ja-Wort gaben, konnten sie nicht vom Klettern ablassen. Gleich danach ging es im Red-Rock-Canyon in die Felsen. Beide wissen um die Gefährlichkeit ihres Hobbys. Klar, es gibt Sicherheitsvorkehrungen wie Seile, Ringe, Haken, Karabiner, Gurte, Spezialschuhe, Helme und Klemmen, aber all das bietet bei Touren der Skala zehn bis zwölf keinen Schutz vor Verletzungen. „Von zerschundenen Fingerkuppen abgesehen, habe ich auch schon offene Knie, Brüche an Füßen und Fersen davongetragen, auch meine Schulter war schon einmal kaputt. Aber es kam noch nie so weit, dass ich mit einem Krankenwagen oder Hubschrauber in eine Klinik gebracht werden musste. Ich bin immer aus eigener Kraft heimgekommen“, sagt der schlanke, drahtige, in jeder Muskelfaser durchtrainierte Südpfälzer, der sehr großen Wert auf ein Gewicht von bis zu 60 Kilogramm legt. Lange Arme und lange Beine, also ideale Hebel, erleichtern ihm das Abenteuer in den Felsen.

Große Abenteuerlust

Am 7. Februar 1960 in Neustadt zur Welt gekommen, machte er dann eine Ausbildung als Elektriker bei der BASF in Ludwigshafen, wo er nun schon seit 43 Jahren in Lohn und Brot steht. Seine Vorliebe für das Klettern wurde bei Ausflügen in den Pfälzerwald geweckt, wo er die kräftezehrende „Arbeit“ erstmals zu Gesicht bekam. „Winne aus Ludwigshafen, ein echt harter Bursche, hatte ich es zu verdanken, dass ich mit dem Klettern beginnen konnte“, erinnert sich der 58-Jährige. Schnell reichten der Trifels bei Annweiler, der Geierstein bei Wernersberg oder das Bärenbrunnertal bei Dahn nicht mehr aus, um die Abenteuerlust Scharfenbergers zu befriedigen. Inzwischen Mitglied im Verein der Pfälzer Kletterer, mussten größere Herausforderungen her. Auch Erstbesteigungen. Es ging nach Dresden, ins Elbsandsteingebirge, in die Tschechei, nach Spanien, nach Südfrankreich oder in die USA. „Plötzlich waren nicht mehr nur 50 Meter per Seil zu bezwingen wie hierzulande, sondern bis zu 350 Meter, mit atemberaubenden Eindrücken“, gerät Scharfenberger heute noch immer wieder ins Schwärmen. „Hier kann man als guter Kletterer fünf bis sechs Routen pro Tag absolvieren, dort geht höchstens eine pro Tag. Das sind schon große Unterschiede.“ Zueinander gefunden haben Rainer Scharfenberger und Silka Pierson (54) – wie könnte es anders sein – beim Klettern. Als beide plötzlich ohne Lebenspartner waren, hat’s gefunkt zwischen den beiden. „Es gab damals nur wenige Frauen, die sich zu anspruchsvollen Touren in die Felsen wagten. Als sie da mitmachte, das hat mir schon imponiert. “ So war es nicht verwunderlich, dass beide in dem Verein Verantwortung übernahmen. Er 1990 als Felswart, der sich um die Sicherheit der Routen kümmert, dann ab 2012 als Präsident. Sie als Pressereferentin. Ein Urlaub, am Pool oder am Meer faulenzend? Undenkbar! Gleich nach dem Frühstück geht es ins schroffe Gestein. Wenn in der Heimat mal das Wetter nicht mitspielt, wenn der Untergrund zu schmierig ist, dann treffen sie sich in einer Kletterhalle, in Frankenthal oder in Landau. In zwei Jahren haben sich die Venninger etwas Besonderes vorgenommen. „Ich gehe dann in den Vorruhestand und meine Frau, Lehrerin in Frankenthal, legt ein Sabbatjahr ein. Dann sind wir zwölf Monate nur klettern“, so Scharfenberger. Doch bis dahin muss er als Präsident der Pfälzer Kletterer noch das 100. Jubiläum seines fast 1100 Mitglieder starken Vereins vorbereiten und seinen Verpflichtungen als Buchautor und Trainer beim Alpenverein nachkommen. Ganz zu schweigen von Einsätzen für ein sanftes Klettern, Naturschutz und Umweltbewusstsein in den Bergen.

Ehefrau Silka Pierson im Felsmassiv, der Gatte sichert.
Ehefrau Silka Pierson im Felsmassiv, der Gatte sichert.
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