Eußerthal RHEINPFALZ Plus Artikel Vandalismus an Klosterkirche: „Es hat jemand ins Weihwasser gepinkelt“

Die alte Klosterkirche ist das Aushängeschild Eußerthals.
Die alte Klosterkirche ist das Aushängeschild Eußerthals.

Die 875 Jahre alte Klosterkirche in Eußerthal wird derzeit renoviert. Für viele ist es ein Ort der Besinnung. Doch es gibt auch immer häufiger Fälle von Vandalismus.

Sie sei das kulturelle Erbe Eußerthals und die älteste und ehrwürdigste Kirchengemeinde der Pfarrei Annweiler. Das sagt Madeleine Bock, Vorsitzende des Pfarreirates Annweiler und des Gemeindeausschusses Eußerthal. Die Klosterkirche in Eußerthal ist nicht nur von außen eine Erscheinung, sondern macht auch von innen so einiges her. Für Bock zählt sie gar zu den wichtigsten Denkmälern in der Pfalz. „Hätte es die Klosterkirche nicht gegeben, würde es Eußerthal vielleicht so nicht geben. Die Kirche ist der Ursprung von Eußerthal“, beschreibt sie das schön anzusehende Bauwerk. Damit das auch in Zukunft so bleibt, wird derzeit das Dach renoviert. Auch das Freigelände an der im Jahr 1148 gegründeten ehemaligen Zisterzienserabteikirche wird umgestaltet.

Renovierung der Klosterkirche in vollem Gange

Zuletzt sei das Kloster 1962 restauriert worden, so Bock. Momentan werde das Dachtragwerk instandgesetzt, auf der Rückseite der Klosterkirche sollen ein barrierefreier Zugang und sowie barrierefreie Toiletten entstehen. Auf zwei Parkplätzen vor der Kirche werde ein Gerätehaus errichtet. 2026 sollen die Arbeiten abgeschlossen werden. Für Madeleine Bock eine Herzensangelegenheit: „Hier in der Klosterkirche kommt man zur Ruhe, findet seinen Frieden. Es kommen auch immer wieder Touristen. Umso wichtiger ist es, das Gebäude zu erhalten und neuen Anforderungen anzupassen.“

Im vergangenen Jahr begannen die Restaurierungsarbeiten – das Dach, die Schalläden, das Kreuz und der Hahn auf dem Turm seien bereits in Angriff genommen worden. Während 1952 auf dem Dach angebrachte Hahn restauriert wurde, habe man das 1747 errichtete Kreuz vollständig abgenommen und im Inneren der Kirche aufgehangen. „Eine Restaurierung des Kreuzes wäre genauso teuer gewesen wie die Anschaffung eines neuen. Das zweite Kreuz wurde auch bereits gesegnet“, betont Bock.

Aktuell arbeitet die Gemeinde an einem barrierefreien Zugang zur Kirche.
Aktuell arbeitet die Gemeinde an einem barrierefreien Zugang zur Kirche.

Dass die Restaurierung der Eußerthaler Klosterkirche kein kostengünstiges Projekt ist, zeigt sich bei genauerem Blick auf die Zahlen. Die Kosten belaufen sich laut Bock auf 1,3 Millionen Euro, 150.000 Euro Fördergelder kämen von der EU. Da es sich bei der Kirche um eine denkmalgeschützte Klosteranlage handelt, müsse sich das Bistum Speyer am Rest der Kosten beteiligen – zudem müsse auch die Katholische Kirchenstiftung Eußerthal auf Erspartes zurückgreifen. „Wir sind immer noch auf Spenden angewiesen. Auch die Kollekte wird leider immer geringer“, sagt Bock.

Auf zukünftige Gemeinschaft in der Klosterkirche

Um zukunftsfähig zu bleiben, müsse man zusätzlich wieder vermehrt junge Leute ansprechen. „Wenn man das nicht gut managt, kommen irgendwann gar keine Leute mehr.“ In Eußerthal finden Besucher eine der wenigen Gemeinden in der Pfarrei Annweiler vor, die noch Messdiener hat, im Schnitt kämen immer noch rund 40 Menschen zu Gottesdiensten. Das Erlebnis rund um die Kirche reicht laut Bock jedoch über diese hinaus. „Man erlebt hier immer wieder etwas Schönes. Es geht um die Begegnung mit anderen. Nach dem Gottesdienst kommt man draußen auch gerne mal ins Plaudern“, beschreibt Bock das Gemeindeleben. Vor zwei Jahren habe man gemeinsam 975 Jahre Klosterweihe gefeiert, was dieses Jahr aufgrund der Bauarbeiten nicht möglich gewesen sei.

Zur Fastenzeit ist das Kircheninnere dezenter geschmückt.
Zur Fastenzeit ist das Kircheninnere dezenter geschmückt.

Die Leidenschaft, mit der sich Bock um die Klosterkirche kümmert, spiegelt sich auch im Inneren des Klosters wider. In jedem Stein an der Wand lässt sich ein individuelles Metzzeichen entdecken, in einem kleinen Kreuz, das sich hinter Gittern befindet, wird ein Stück Knochen des heiligen Sankt Bernhard aufbewahrt. Normalerweise schmücken auch Blumen und Kränze den Saal – während der Fastenzeit jedoch nur minimal. Zu Weihnachten und anderen Feiertagen gebe es auch immer wieder Konzerte aller Art. Ein kleiner Wermutstropfen für Liebhaber der Kirche: Seit kurzer Zeit wurde eine Kamera über dem Eingang angebracht, Vandalismus sei immer wieder ein Problem. „Es hat sogar schon einmal jemand ins Weihwasser gepinkelt“, sagt Bock. Nichtsdestotrotz werde in Eußerthal alles dafür getan, dass die Klosterkirche auch in Zukunft mit ihrem Erscheinungsbild zu überzeugen weiß.

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