Bad Bergzabern RHEINPFALZ Plus Artikel Urnenbestattung in der Bergkirche: Kolumbarium in besondere Umgebung eingebettet

Angela Fabian vor den 300 Jahre alten Holzbänken, in die das Kolumbarium integriert werden soll.
Angela Fabian vor den 300 Jahre alten Holzbänken, in die das Kolumbarium integriert werden soll.

Die Planung des Kolumbariums steht, Anfang 2026 sollen die ersten Urnen in der Bergkirche beigesetzt werden. Die Asche soll in der Gruft ein ewiges Grab bekommen.

Die barocke Bergkirche ist älter als 300 Jahre und liegt etwas versteckt in der oberen Berggasse in der Nähe des Schlosses. Baulich ist sie ein Kleinod, aber sie kann nicht beheizt werden, daher finden nur in den Sommermonaten einmal pro Woche ein Gottesdienst und verschiedene kulturelle Veranstaltungen statt. Das wird auch weiterhin so sein, erklärt Pfarrerin Angela Fabian. Sie ist Bezugspfarrerin für Bad Bergzabern, Pleisweiler-Oberhofen, Dörrenbach, Oberotterbach und Schweigen-Rechtenbach.

Das protestantische Dekanat verwirklicht jetzt einen schon länger gehegten Plan. Den Bau eines Kolumbariums, einer besonderen Form der Begräbnisstätte für Urnen in Gebäuden. Vielleicht wäre diese Idee gar nicht entstanden, wenn die Kirche nicht unter dem Druck stünde, Gebäudekosten reduzieren zu müssen. Bis 2030 sollen es 30 Prozent sein. Das Dekanat besitzt zwei Kirchen in der Kurstadt. Die große Marktkirche, zentral am Marktplatz in der Stadt gelegen, steht wegen Einsparungen nicht zur Debatte. Also wäre die Bergkirche finanziell auf dem Prüfstand.

Schon bei einem ersten Gespräch mit der RHEINPFALZ vor genau zwei Jahren war für Dekan Dietmar Zoller aber klar, dass die Bergkirche nicht aufgegeben werden soll. Durch das Kolumbarium hofft die Kirche nicht nur eine besondere Bestattungsform anbieten zu können, sondern den Erhalt auch künftig finanzieren zu können. Denn Urnenbestattungen, sei es auf Friedhöfen oder im Wald, sind inzwischen die Hauptbestattungsform.

Bis zu 500 Urnenplätze in der Kirche

Das Architekturbüro Lampe vier in Landau hat die Pläne für 450 bis 500 Urnenplätze in der Kirche gemacht. Keine leichte Aufgabe, aber die Adligen und die reichen Bürger Bergzaberns kamen vor rund 300 Jahren dem heutigen Vorhaben entgegen. Für sie wurde damals ein eigenes Gestühl aus Holz eingebaut. Fast gänzlich umlaufend um das Oval der Kirche konnten sie getrennt vom „gemeinen“ Volk sitzen und Holzschiebegitter nutzen, um zu sehen, aber nicht gesehen zu werden. Oder um die Schiebeelemente zu öffnen, um dem Volk zuzuwinken.

In diese ganz aus Holz gestalteten Sitzplätze, die inzwischen mehr als 300 Jahre alt sind, soll das Kolumbarium integriert werden, ebenfalls aus Holz gearbeitet. „Der Charakter der Kirche soll erhalten bleiben, das ist der Wunsch des Presbyteriums und des Denkmalschutzes“, erläutert Angela Fabian. Vor die bestehende Holzwand wird eine zweite eingezogen, in die die Urnenfächer integriert werden. Jedes Fach, in das die Schmuckurnen dann gestellt werden, hat eine Gedenktafel aus Messing, in die die Lebensdaten und individuelle Inschriften eingraviert werden können.

Die Sichtschutzgitter vor der künftigen Urnenwand werden restauriert und fehlende mit neuen ergänzt. Da wo es möglich ist, kann die einstige Buchablage für Blumen oder LED-Kerzen genutzt werden. Die Beleuchtung der Urnenwand wird abschnittsweise gesteuert und durch Öffnen der Schiebeelemente mittels Bewegungsmelder aktiviert.

Bodengutachten von der Gruft

„Nach der Liegezeit von 15 Jahren, die auch verlängert werden kann, wird die Schmuckurne dann entfernt und die biologisch abbaubare Aschekapsel in das ewige Grab in die Erde gelegt“, erklärt die Pfarrerin eine große Besonderheit. Dafür sei eigens ein Bodengutachten von der Gruft unterhalb des Chores der Kirche gemacht worden, in die die Aschekapseln dann für immer in die Erde gelegt werden. Zwei große Steinsärge stehen in der von der Kirche aus begehbaren Gruft, in denen zwei adlige Damen seit mehr als 250 Jahren bestattet sind.

„Wir hoffen, es ist ein entscheidender Beitrag zum Erhalt der Kirche“, wünscht sich Angela Fabian. 2500 Euro kostet ein Einzelfach, 4500 ein Doppelfach für Mitglieder der Evangelischen Kirche der Pfalz. Nichtmitglieder bezahlen 3500 Euro beziehungsweise 6500 Euro. Es sei eine würdevolle Lösung, auch bei Gottesdiensten oder Veranstaltungen, so Fabian. Die Gesamtkosten gibt sie mit rund 250.000 Euro an, inklusive einer neuen Akustikanlage. Die derzeitige Planung gehe von der Fertigstellung im Februar 2026 aus, informiert die Pfarrerin. Dann werde die Kirche auch tagsüber geöffnet sein.

x