Bad Bergzabern RHEINPFALZ Plus Artikel Neue Nutzung für die Bergkirche

In der Gruft der Bergkirche stehen zwei Sarkophage.
In der Gruft der Bergkirche stehen zwei Sarkophage.

Die Kirchen müssen Gebäudekosten reduzieren. Auch in der Kurstadt, in der das protestantische Dekanat zwei Kirchen unterhält – eine zu viel. Eine ungewöhnliche Idee soll helfen, auch die zweite zu erhalten: ein Kolumbarium in der Bergkirche.

„Zwei Kirchen zu unterhalten ist nicht einfach, aber wir wollen die Bergkirche nicht aufgeben“, sagt der Dekan des protestantischen Dekanats Bad Bergzabern, Dietmar Zoller im Gespräch mit der RHEINPFALZ in der Bergkirche. 2019 wurde der Dachstuhl für 320.000 Euro saniert. Die barocke Schlosskirche liegt etwas versteckt in der oberen Berggasse, wenige Meter vom Schloss entfernt, und ist mehr als 300 Jahre alt. Seit einigen Jahren gibt es die Überlegung, in die Kirche ein Kolumbarium zu integrieren. Jetzt soll sie verwirklicht werden.

Denn die Kirchen, nicht nur in Bad Bergzabern, müssen 30 Prozent ihrer Gebäudekosten reduzieren. Das heißt, Gebäude verkaufen, anders nutzen oder energetisch sanieren. Das ist der jüngste Beschluss der Landessynode der evangelischen Kirche der Pfalz. Bad Bergzabern hat sich nicht für eine Umnutzung, sondern für eine weitere Nutzung der Bergkirche entschieden. Einem Kolumbarium also. Das ist eine Form der Bestattung in Kirchen, die in den vergangenen Jahren immer größere Verbreitung findet. Der Name Kolumbarium kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Taubenschlag. In diesem Kontext ist ein Gebäude gemeint, das der Aufbewahrung von Urnen dient.

Platz für 500 Urnen

In der Bergkirche sollen rund 500 Urnenplätze geschaffen werden. „Es hat sich viel verändert bei der Bestattungskultur“, sagen Dekan Dietmar Zoller und Pfarrerin Angela Fabian aus Bad Bergzabern, die sich mit der Umsetzung des Vorhabens beschäftigen. In der Kirche sind bereits zwei adlige Damen in Steinsärgen bestattet. In der begehbaren Gruft unter dem Altar wurden vor mehr als 250 Jahren die Mutter von Herzogin Karoline, Gräfin Philippine Henriette von Nassau-Zweibrücken, und ihre Schwester, Prinzessin Henriette, beigesetzt. Der Löwenanteil der Baukosten wurde von Karoline von Nassau-Zweibrücken getragen. Sie lebte als Witwe im Bergzaberner Schloss und nutzte die Kirche seinerzeit als Schlosskirche.

„Wir können uns von der Kirche nicht trennen, viele Menschen haben einen Bezug zu ihr, daher gibt es Interesse an einem Kolumbarium“, sind sich die beiden Pfarrer einig. Inzwischen sind rund 70 Prozent aller Bestattungen Urnenbestattungen, ist die Erfahrung von Angela Fabian. Allerdings dürfte es aufgrund der baulichen Gegebenheiten nicht ganz einfach sein, eine große Urnenwand in die Kirche einzubauen. Umlaufend an den Außenwänden der denkmalgeschützten Kirche befindet sich das Fürstengestühl, das einst den Adligen und den reichen Bürgern vorbehalten war. Sitzgelegenheiten, die die die Herrschaften mit hölzernen durchbrochenen Schiebefenstern vor den Blicken der normalen Bürger geschützt haben. Oder kurz zurückgeschoben wurden, um dem Volk dezent zuzuwinken. Einen solchen Platz hatte sich auch der erste Wirt des prachtvollen Renaissancehauses „Zum Engel“, Reinhard Fleckenstein, gekauft. Dafür hatte er einen jährlichen Obolus entrichtet, was noch heute festgehalten ist auf einem Schild an seinem einstigen Sitzplatz.

Einbau ins Fürstengestühl

In diese ganz aus Holz gestalteten Logenplätze soll das Kolumbarium integriert werden. „Wir haben den Denkmalschutz schon früh mit ins Boot genommen“, berichtet Zoller. Die Grundkonzeption steht, jetzt geht es an die praktische Umsetzung. Dazu muss die Kirche zunächst vermessen werden, damit ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben werden kann. „Die Ausschreibung werden wir in diesem Jahr beginnen. Wir hoffen auf einen Baubeginn im kommenden Jahr“, informiert Zoller. Die Investition tätige die Kirchengemeinde. „Die Kirche hat auch mit der Lebensgeschichte von Menschen zu tun, manche wurden hier getauft, konfirmiert oder getraut und können jetzt hier ihre ewige Ruhe finden, vielleicht ein tröstlicher Gedanke“, finden die Pfarrer. Denn nach der Ruhezeit in der Urne wird es möglich sein, die Asche in der Gruft für immer zu bestatten.

Die Kosten könne man derzeit noch nicht abschätzen, die Einnahmen würden dann dem Erhalt beider Kirchen dienen. Die Bergkirche hat keine Heizung, so dass sie nur in den Sommermonaten von Juni bis Oktober immer mittwochs genutzt wird. Bei Musik-und Theaterveranstaltungen ist sie immer sehr gut besucht.

Vorbild in Krefeld

Kolumbarien in Kirchen sind eine recht neue Form der Bestattung. 2004 gab es das erste in der Krefelder Pfarrkirche. Wobei Urnenbestattungen eine fast 2000 Jahre alte Geschichte haben, die im 19. Jahrhundert mit der Erlaubnis der Feuerbestattung wiederaufgenommen wurde. Denn erst 1878 war das erste Krematorium in Gotha genehmigt worden, das eine Urnenbestattung erst ermöglichte.

Dekan Dietmar Zoller und Pfarrerin Angela Fabian haben große Pläne.
Dekan Dietmar Zoller und Pfarrerin Angela Fabian haben große Pläne.
Pläne Kolombarium
Pläne Kolombarium
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