SÜW / Musanze RHEINPFALZ Plus Artikel Unterwegs in Ruanda: Jugendzentrum bietet geschützten Raum

Neues Jugendzentrum: Aktuell werden 42 Kinder im Vorschulalter aus 29 Familien betreut und auf die Schule vorbereitet.
Neues Jugendzentrum: Aktuell werden 42 Kinder im Vorschulalter aus 29 Familien betreut und auf die Schule vorbereitet.

Marcus Ehrgott ist fern der Heimat unterwegs. Der Vorsitzende des Ruanda-Vereins SÜW verschafft sich vor Ort einen Überblick, wie sich Projekte in dem rheinland-pfälzischen Partnerland entwickeln. Diesmal ist er zu Gast in einem Distrikt nahe den Vulkanbergen.

Vor wenigen Tagen ist Marcus Ehrgott zum dritten Mal nach Ruanda gereist. Der Herxheimer ist dort, um Projekte zu besuchen, an denen der Ruandaverein SÜW/Cyeru und der Arbeitskreises Herxheim beteiligt sind. Sein Flug über Frankfurt, Addis Abeba (Äthiopien) und Bujumbura (Burundi) bis nach Kigali dauerte 23 Stunden. Nun ist er dort und macht sich vor Ort ein Bild von der Lage. Die Tour dient als Bestandsaufnahme der geförderten Maßnahmen vor Ort. Dieses Mal liegt ein Schwerpunkt der Reise des Vorsitzende des Vereins im Norden des Landes, im Gebiet um Musanze in Richtung der Grenze zu Uganda. In diesem Distrikt, er stellt den Übergang zum Schutzgebiet der Berggorillas in den Vulkanbergen dar, wurde unlängst in Kinigi ein Kinder- und Jugendzentrum mit einem überdachten Außenbereich, der als Schulsaal dient, eröffnet. Die Vulkanberge erlangten übrigens vor allem durch die Arbeit von Dian Fossey und durch die Verfilmung unter dem Titel „Gorillas im Nebel“ weltweit Bekanntheit.

„Vieles mag spartanisch aussehen, erfüllt aber genau den Zweck“, schildert Marcus Ehrgott. Eine Mauer mit Eingangstor biete einen geschützten Raum. Im Haus sei eine Küche untergebracht worden und es wurden auch Sanitäranlagen mit fließendem Wasser und einer Dusche errichtet. „Hier lernen die Jüngsten systematisch die hygienischen Standards kennen.“ Daran hatte es in der Vergangenheit häufig gemangelt, was zu Ausgrenzung geführt habe. Der Partnerschaftsverein SÜW hatte zur Finanzierung 5000 Euro beigesteuert. Durch eine Zuwendung des Landes Rheinland-Pfalz wurden zusätzlich rund 16.800 Euro beigesteuert. Seit dem Jahr 1982 pflegt Rheinland-Pfalz eine so genannte „Graswurzelpartnerschaft“ mit Ruanda. „Wir hatten 50 Kilo Reis als Gastgeschenk dabei“, sagt Marcus Ehrgott.

Unterstützung für Familien der Batwa

Die Idee zu dem Projekt kam von der Non-Profit-Organisation Huria-Charity, mit der der SÜW-Verein seit 2019 zusammenarbeitet. Huria ist Swahili und bedeutet Unabhängigkeit. „Es werden benachteiligte Familien unterstützt“, sagt der Vorsitzende des Vereins, Marcus Ehrgott. „Uns war wichtig, dass wir nicht alleine ein Gebäude finanzieren, sondern dass die langfristige Betreuung sichergestellt ist. Dies sei durch Huria-Charity und die Behörden vor Ort gewährleistet. Er erklärt weiter, dass durch den persönlichen Kontakt über die Jahre hinweg, gerade auch in der Corona-Zeit, eine sehr gute Vertrauensbasis entstanden ist. Diese sei auch notwendig für eine Zusammenarbeit auf die Entfernung von etwa 9.000 Kilometern. Konkret würden Familien der Batwa unterstützt, die offiziell „historically marginalized people“ genannt werden. Diese Familien lebten bis vor wenigen Jahrzehnten noch „recht traditionell als Jäger und Sammler in den Wäldern“. Diese Lebensweise hätten sie aufgeben müssen. Der Anschluss an die moderne Gesellschaft sei aber häufig nicht geschafft worden. „Viele Familien leben in extremer Armut und haben keinen beziehungsweise kaum Zugang zu medizinischer Versorgung, Nahrung, Wasser und Bildung“, berichtet Marcus Ehrgott.

Marcus Ehrgott ist zum dritten Mal in Ruanda.
Marcus Ehrgott ist zum dritten Mal in Ruanda.

Nun helfen die 29 Batwa-Famlien auch dabei, dass die Entwicklung nach vorne geht. „Ohne ihre Mitwirkung, insbesondere der Eltern, können solche Projekte kaum gelingen. Oftmals sind die Kinder die erste Generation aus den Familien, die regelmäßig eine Schule besuchen können“. Daher sei die Begleitung der gesamten Familie erforderlich, weiß der Herxheimer. Mit der Betreuung der Kinder in der Schule sei es nicht getan.

Kontakte sollen intensiviert werden

Die aktuelle Situation im Partnerschaftsgebiet in Ruanda und Förderprojekte standen auch im Mittelpunkt der jüngsten Mitgliederversammlung des Ruandavereins der Südlichen Weinstraße. Mit Blick auf das Jahr 2025 und die dann 40 Jahre bestehende Partnerschaft zwischen dem Landkreis Südliche Weinstraße und der Gemeinde Cyeru möchte der Vorstand in den kommenden beiden Jahren die persönlichen Kontakte wieder intensivieren und neue Projekte anstoßen, hieß es. Der Ruandaverein hat in den vergangenen zehn Jahren rund 25.000 Euro an Spendengeldern gesammelt. Damit wurden viele Entwicklungsprojekte im Partnergebiet unterstützt, zum Beispiel Bildungsstätten und Gesundheitszentren gebaut, Waisenkindern ein Schulbesuch ermöglicht sowie Projekte für Frauen und Landwirtschaft unterstützt.

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