Lug
Unterbesetzung in Kita sorgt bei Eltern für Ärger
. Die dreieinhalbjährige Tochter Emmy von Silke Heft besucht die Kindertagesstätte St. Anna in Lug. Eine eingruppige Einrichtung mit 22 Plätzen, in der eine Leitern und eine Erzieherin in Vollzeit arbeiten, eine weitere Erzieherin in Teilzeit, 24 Stunden die Woche. „Seit Anfang September ist die Teilzeitstelle weggefallen, und die Leitung fiel mehr als zwei Monate aus“, berichtet Heft, die Mitglied des Elternausschusses ist. Für sie und auch anderen Eltern hatte die personelle Situation dramatischen Folgen.
Das Betreuungsangebot, das ursprünglich von 7.30 bis 16 Uhr gewährleistet war, musste verkürzt werden. Von September bis Ende vergangenen Jahres wurde es auf die Zeit zwischen 8 und 14 Uhr beschränkt, seit Beginn dieses Jahres bis 15 Uhr. „Es kam zudem zu Komplettschließungen, die teils so kurzfristig bekannt wurden, dass wir um 10 Uhr angerufen wurden, wir sollen unsere Kinder abholen“, schildert Silke Heft die Situation. Wegen ihrer Arbeit mit psychisch beeinträchtigten Erwachsenen sei ihr das oft nicht möglich gewesen. Deshalb habe ihr Mann seinen Arbeitsplatz früher verlassen, um für die Tochter da zu sein. „Er geht deshalb jetzt mit zehn Urlaubstagen weniger ins neue Jahr“, sagt die Ehefrau.
Urlaub auf Kosten des Jugendamts?
Eine andere Mutter habe ihr Kind mit zur Arbeit genommen. Sie habe sich wegen dieser für ihre Familie untragbaren Situation an das Jugendamt gewandt, das für die Gewährleistung der siebenstündigen Betreuung am Stück seit Inkrafttreten des Kita-Zukunftsgesetzes im Sommer vergangenen Jahres zuständig ist. Da ein adäquater Platz im Umkreis nicht gefunden werden konnte, habe ihr das Jugendamt vorgeschlagen, ein halbes Jahr Urlaub zu nehmen oder ihre Stunden zu reduzieren. Ihr Nettogehalt würde das Jugendamt übernehmen. „Das kann ich nicht machen, dann bin ich nicht sozialversichert“, erklärt Heft.
Sie kritisiert, dass nach Bekanntwerden des Ausfalls der Teilzeitstelle keine Stellenanzeigen zeitnah geschaltet wurden, um eine neue Kraft zu finden. „Wir haben den Träger der Kita, die katholische Kirchengemeinde Hauenstein, um Stellungnahme gebeten, leider bis heute ohne Antwort.“ Der Elternausschuss habe mehrmals die Stellenausschreibung angeregt. Es habe aber lange gedauert, bis diese in Zeitungen geschaltet wurden. „Es waren zu wenig Anzeigen, und sie waren zu unregelmäßig geschaltet“, kritisiert Heft. Daher bestehe die Situation in der Kita bis heute. „Bei einer kleinen Kita wie in Lug hat der Wegfall einer halben Stelle natürlich gravierende Folgen“, sagt die zweifache Mutter.
Gemeinde plant Übernahme der Trägerschaft
Doch das ist nicht das Ende des Ärgers: Für sechs Kinder in Lug fehlen ab Mai dieses Jahres Plätze in der örtlichen Kita. „Ende September haben wir erfahren, dass die Kita in Schwanheim um fünf Plätze aufstocken kann, um unsere Kita zu entlasten. Es müsse lediglich ein Antrag gestellt werden“, erzählt Heft. Anfang Dezember kommt dann auf Nachfrage die ernüchternde Information vom Landesjugendamt: Es sei noch kein Antrag gestellt worden. „Uns ist nicht klar, warum der Träger nicht handelt. Wir werden als Elternausschuss völlig unzureichend wahrgenommen“, beschwert sich Silke Heft.
Ein Lichtblick schimmert am Ende des Ärgers. Ende dieses Jahres soll die Gemeinde die Trägerschaft für die Kita übernehmen – verbunden mit der Hoffnung von Heft, dass es dann besser läuft. „Die Eltern würden sich wünschen, dass die Übernahme schneller geht“, sagt sie. Vielleicht finde sich auch durch die Veröffentlichung in der RHEINPFALZ eine Kraft für eine Kita, von deren Qualität sie auch durch ihre neunjährige Tochter Freya überzeugt ist, die die Einrichtung auch besucht hat. Aber derzeit sei es unter diesen Umständen nicht mehr tragbar, Beruf und Kinderbetreuung unter einen Hut zu bringen.
180 Stellen in mehr als 200 Kitas unbesetzt
Warum nicht rechtzeitig regelmäßig Anzeigen geschaltet wurden, um eine Fachkraft einstellen zu können, ist die Frage der RHEINPFALZ an das Bistum Speyer, Ansprechpartner für die Kita in Lug. Denn ein Gespräch mit den Verantwortlichen vor Ort, der Kita-Leitung oder dem Träger, ist nicht erlaubt. Die Antwort der Pressestelle des Bistums, die fast drei Wochen auf sich warten lässt: Alle Bemühungen, eine Fachkraft zu finden, seien bisher erfolglos gewesen.
„Bei den katholischen Trägern im Bistum Speyer sind derzeit wegen des Fachkräftemangels 180 Stellen in 235 Kindertagesstätten nicht besetzt“, sagt Pressesprecher Markus Herr. Dass für die fünf zusätzlichen Plätze in der katholischen Kita in Schwanheim noch kein Antrag auf eine neue Betriebserlaubnis gestellt wurde, begründet das Bistum ebenfalls mit dem Fachkräftemangel. „Sobald geeignete pädagogische Fachkräfte gefunden sind, wird umgehend der Antrag auf Betriebserlaubnis gestellt.“
„Kitas keine reine Betreuungseinrichtung“
Wieso wurden keine unausgebildeten Kräfte, zum Beispiel Mütter aus der Gemeinde, eingestellt, um die Situation zu überbrücken? „Anzunehmen, dass Mütter aus der Gemeinde diese sehr umfassenden Tätigkeiten übernehmen können, zeigt, dass das Berufsbild einer pädagogischen Fachkraft in der Gesellschaft noch nicht angekommen ist und auch nicht die notwendige Wertschätzung erfährt. Kitas sind keine reinen Betreuungseinrichtungen mehr“, teilt das Bistum mit. Es werde Wert darauf gelegt, dass gerade die Kinder erfahren, dass sie liebevoll in ihrem Leben begleitet werden und Familien entsprechend unterstützt und eingebunden sind.
Zur Übernahme der Trägerschaft durch die Gemeinde Lug gebe es jetzt erste Gespräche. „Umfassende Verhandlungen“ seien nötig. Daher sei nicht absehbar, ob dem Wunsch der Eltern auf einen Wechsel zum Ende des Kindergartenjahres entsprochen werden könne.
