Gleiszellen-Gleishorbach
Unbekannte beschädigen 550 Rebstöcke
Die Tat hat sich zwischen dem 16. und 27. August ereignet. Genauer eingrenzen lässt sich der Zeitraum nicht. „Wir waren zehn Tage im Urlaub“, nennt Manuela Meyer den Grund für die ungenaue Angabe. Zusammen mit ihrem Mann führt sie das Stiftsweingut Frank Meyer in Gleiszellen. Am 16. August habe ihr Mann noch nach dem Rechten im Weinberg geschaut. „Da war alles in Ordnung“, sagt sie. Nach der Rückkehr hat Frank Meyer das kriminelle Werk entdeckt: 550 Weinreben zerstört, davon etwa 300 abgeschnitten. Weitere 250 Weinreben wurden mit einem Herbizid besprüht, wodurch sie unbrauchbar wurden.
Den rund 1000 Quadratmeter großen Weinberg mit seinen vier Reihen haben die Meyers vor vier Jahren angelegt. In diesem Jahr wollten sie zum ersten Mal dort die Trauben lesen. Der Weinberg liegt an der L493, zwischen Klingenmünster und Klingen. „Wir haben Sauvignon Franc angebaut, einen Rotwein“, erzählt Manuela Meyer. Der sei ideal für das hiesige warme Klima.
Die Höhe des Schadens ist noch offen
Frank Meyer ist sich sicher, dass es eine gezielte Attacke war. „In zwei Reihen wurden die Rebstöcke mit einer Heckenschere abgeschnitten, die hat man ja auch nicht immer dabei.“ Die anderen Rebstöcke wurden mit einem noch unbekannten Herbizid besprüht. „Da reicht eine kleine Sprühflasche nicht aus, der Täter muss eine größere Menge mit sich rumgeschleppt haben“, sagt Meyer.
In ihrer Pressemeldung hat die Polizei in Bad Bergzabern, die den Fall bearbeitet, den Schaden auf 4000 Euro geschätzt. Vermutlich ist das viel zu wenig. „Wir haben in diesem Jahr hier etwa 500 Liter erwartet. Das wären rund 700 Flaschen bei einem Preis zwischen 15 und 18 Euro“, rechnet Meyer vor. Damit läge der Umsatz bei 10.500 bis 12.600 Euro.
Hat jemand den Täter gesehen?
Das größere Problem ist aber, dass noch nicht abzusehen ist, ob sich der Wingert noch einmal erholt. Ob die abgeschnittenen Reben noch einmal austreiben, sei genauso offen, wie die Frage, ob sich die vergifteten Reben noch einmal erholen können. „Wenn wir den Weinberg komplett neu anlegen müssen, bedeutet das, dass wir mindestens drei Jahren warten müssen, bis wir etwas ernten können“, sagt Meyer. Ein erheblicher Verdienstausfall – abgesehen von den Arbeitskosten. Das sei der Unterschied zu dem Traubendiebstahl in Schweigen-Rechtenbach, der eine Woche zuvor für Aufsehen sorgte. Dort wurden in einem Wingert des Weinguts Cuntz & Scheu 850 Kilogramm Trauben gestohlen. „Die haben in diesem Jahr zwar einen erheblichen Verlust, können aber im nächsten Jahr wieder ernten“, so Meyer.
Wer könnte hinter diesem kriminellen Akt stecken? Das fragt sich nicht nur Frank Meyer. „Hat es da jemand ganz bewusst auf uns abgesehen? Vielleicht wollte mir jemand eins auswischen“, grübelt Meyer, der im Frühjahr 2016 mit seinem Stiftsweingut von Klingenmünster nach Gleiszellen-Gleishorbach umgezogen ist. „Oder läuft dort draußen ein Irrer rum?“ Dann könnte demnächst ein andere Winzer betroffen sein. Diese Frage werde im Kollegenkreis heiß diskutiert. Die Chancen, dass der Täter geschnappt wird, schätzt Meyer als eher gering ein: „Den müsste man dann bei der Tat gesehen haben.“ Allein die Beobachtung, dass jemand mit Heckenschere und einem Kanister Herbizid durch die Weinberge fährt, reicht da nicht aus. Das kommt immer wieder vor.
Info
Die Polizei in Bad Bergzabern nimmt Hinweise unter Telefon 06343 93340 entgegen.