Annweiler Trifels-Gymnasium kritisiert Präsenzpflicht für Lehrer

Wegen der aus Mainz angeordneten Anwesenheitspflicht sitzen aktuell noch 60 Lehrer am Trifels-Gymnasium.
Wegen der aus Mainz angeordneten Anwesenheitspflicht sitzen aktuell noch 60 Lehrer am Trifels-Gymnasium.

Die Mitarbeiter des Evangelischen Trifels-Gymnasiums in Annweiler sind wütend – und zwar auf Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD). Der Grund: Sie kritisieren die angeordnete Präsenzpflicht für Lehrer. Am Mittwoch ging ein offener Brief nach Mainz.

„Wir versuchen, eine Pandemie einzudämmen.“ Dieses Credo hat die rheinland-pfälzische Schulaufsicht, die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD), ausgesprochen und deshalb die Präsenzpflicht der Schüler aufgehoben. Wieso gilt diese aber weiterhin für Lehrer? Diese Frage stellt die Mitarbeitervertretung des Trifels-Gymnasiums. „Die Lehrkräfte verrichten ihren Dienst für diese drei Tage grundsätzlich in der Schule“, lautet die Anweisung des Bildungsministeriums von Dienstag für die Zeit vor den Weihnachtsferien. In der Zeit gebe es zwar keinen Fernunterricht, aber die Lehrer sollten möglichst den Fernunterricht für Januar vorbereiten, schreibt Hubig. Eine Begründung, warum das nicht zu Hause passieren könne, liefert sie nicht.

„An unserer Gesundheit und der unserer Familien scheint Ihnen wohl nichts zu liegen?“, fragen die TGA-Lehrer an die Ministerin und die ADD gerichtet. Zynisch setzen sie hinzu: „Vielen Dank für die eine Stoffmaske im Mai.“ Sie verweisen darauf, dass jetzt – im zweiten harten Lockdown – jeder Arbeitgeber dazu aufgerufen sei, seine Mitarbeiter wann immer möglich ins Homeoffice zu schicken. Doch die Lehrer müssten weiterhin Dienst vor Ort verrichten und seien somit sozialen Kontakten ausgesetzt.

Stur an Präsenzunterricht festgehalten

Über die vergangenen Monate hätten die Lehrer im Land die Entscheidung aus Mainz mitgetragen, die Schulen trotz Infektionsgefahr offen zu halten. „Wir haben mit großem Engagement alles versucht, um den Schülern einen möglichst ,normalen’ Schulalltag zu bieten“, sagen die TGA-Mitarbeiter. Die jüngste Zeit sei mit vielen Zusatzbelastungen verbunden gewesen. Die Schulen hätten ihren Beitrag geleistet, die Politik ihre Versprechungen aber scheinbar vergessen.

Die TGA-Mitarbeiter erinnern sich aber noch gut daran, dass das Mainzer Bildungsministerium im Sommer drei Szenarien für den weiteren Umgang mit der Pandemie vorgestellt hat. „Die uns hoffnungsvoll in das Schuljahr haben starten lassen.“ Denn in dem Schreiben hieß es, dass ab einem Inzidenzwert von 50 auf 100.000 Einwohner zu Hybridunterricht oder gar Fernunterricht übergegangen werden könne. Doch davon sei selbst bei flächendeckenden Inzidenzwerten von über 200 im November keine Rede mehr gewesen. „Stattdessen wollten Sie auf Biegen und Brechen den Präsenzunterricht aufrechterhalten.“ Im Privaten solle man Kontakte auf ein absolutes Minimum reduzieren, aber in der Schule seien die Lehrer jeden Tag 200 Kontaktpersonen ausgesetzt gewesen. „Auch da haben wir loyal die Stellung gehalten“, so die Annweilerer Lehrer, denen es jetzt aber reicht.

„Unverständnis, Wut und Enttäuschung“

Ließe sich das Infektionsgeschehen nicht besser eindämmen, wenn sie in ihren häuslichen Zimmern arbeiten könnten, wo ohnehin die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts stattfinde, fragen die Lehrer. Wegen der angeordneten Anwesenheitspflicht sitzen aktuell 60 Lehrer zur Betreuung zweier Schüler am Trifels-Gymnasium, berichten sie. Erst am Dienstag ausgesprochen, habe die Anordnung viele Lehrer vor teilweise nicht zu lösende Probleme gestellt: Wie sollen sie so kurzfristig die Betreuung der eigenen Kinder organisieren?

Diese willkürlichen Entscheidungen der Politik hätten zu Unverständnis, Wut, Enttäuschung und Resignation geführt, machen die TGA-Mitarbeiter deutlich. Sie versichern, dass die Lehrer auch ohne einen erhobenen Zeigefinger des Ministeriums die verbleibende Arbeitszeit bis Freitag genutzt hätten, um den Fernunterricht für Januar vorzubereiten. „Außerdem ist es eine Frechheit, dass Ihr Schreiben antizipiert, dass wir uns vorgezogene Weihnachtsferien gönnen würden“, machen die Lehrer ihrem Ärger Luft und feuern noch mal nach: „Während unsere Bundeskanzlerin empfiehlt, sich vor Weihnachten eine Woche in Quarantäne zu begeben, schicken Sie uns bis Freitag in die Schule, damit wir uns einem unnötigen Risiko aussetzen.“ Der Aufschrei der Lehrer scheint etwas gebracht zu haben. Am Donnerstag habe die ADD – „sicherlich nach mehreren eingegangenen Beschwerden“ – die Präsenzpflicht gelockert, berichtet Christian Stütze vom TGA.

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