Edenkoben
Tenneco: Vom Kerngeschäft zum Klimaschutz
Der Titel wird unter Kollegen auch mal ironisch verwendet. Bei der Firma Tenneco in Edenkoben hingegen wird die Auszeichnung „Mitarbeiter des Monats“ wirklich verliehen, als Zeichen der Wertschätzung. Entscheidend dabei ist das Engagement abseits des Arbeitsplatzes, also nicht die Leistung. Die Person darf dann mit ihrem Wagen auf das Werksgelände fahren. Dort ist einer der wenigen Stellplätze für den Geehrten reserviert. Während die anderen Kollegen vom eigentlichen Parkplatz zu den Lagerhallen pilgern, wobei sie die vielbefahrene Edenkobener Ortsdurchfahrt überqueren.
Aus der früheren Praktikantin wird Chefin
So ein Titel hat vor allem einen Hintergrund: Er soll das Arbeitsklima fördern und zugleich die Identifikation des Einzelnen mit dem Unternehmen stärken. Maike Seeber braucht man das nicht zu erzählen. Nicht umsonst bezeichnet sie sich als Eigengewächs des Automobilzulieferers. Ihr Interesse für die Firma war allein schon deshalb geweckt, weil sie mitbekam, wie viele Menschen aus ihrem Wohnort St. Martin und der Umgebung dort ihr Geld verdienen. Sie schnupperte für ein Praktikum rein – und blieb. Das ist gut 20 Jahre her.
Am Edenkobener Standort des weltweit tätigen Unternehmens ist Maike Seeber zur Führungskraft herangereift. Wobei sie nicht ausschließlich in der Südpfalz tätig war. Auch an anderen Standorten des Konzerns sammelte sie Erfahrung, unter anderem für anderthalb Jahre in Südafrika. Mit der Zeit übernahm sie immer mehr Verantwortung. So war die 40-Jährige lange Zeit Produktionsleiterin. Als dann im Frühjahr der damalige Werkleiter in Edenkoben die nächste Stufe der Karriereleiter nahm, bekam Seeber das Vertrauen geschenkt.
Edenkobener Werk das europäische Herzstück
Rund 750 Mitarbeiter sind in der Produktion tätig, werktags rund um die Uhr in drei Schichten. Die Kollegen aus anderen Abteilungen dazu gerechnet, sind es in der Südpfalz 1100 Angestellte. Zu nennen ist dabei der Bereich Forschung und Entwicklung, der den Edenkobener Standort des Konzerns zu seinem Herzstück in Europa macht. Und von Tenneco profitiert umgekehrt die Region. So stellt die Firma im Metallbereich den Großteil der Auszubildenden an der Berufsbildenden Schule (BBS) in der Stadt.
Das Unternehmen blickt aber auch auf eine lange Tradition zurück. Wobei die ältere Generation nach wie vor von Gillet spricht. Denn Heinrich Gillet hat die ursprüngliche Firma gegründet. Angefangen hat alles 1860 mit einem Handwerksbetrieb, der Lampen und Laternen produzierte, damals noch in Bad Bergzabern. 1939 wurde dieser nach Edenkoben verlagert. Auf ein Areal, das sich am nördlichen Ortseingang von Edenkoben befindet und mittlerweile 165.000 Quadratmeter groß ist. Ab 1959 bildete die Herstellung von Abgasschalldämpfern einen wesentlichen Bestandteil der Produktion. Mitte der 90er-Jahre übernahm der amerikanische Konzern das Ruder, im Zuge dessen kam es zur Umbenennung in Tenneco. Und inzwischen ist wieder etwas Ruhe eingekehrt, nachdem in diesem Jahrtausend auch der Stellenabbau im Werk für Schlagzeilen sorgte.
Auf Abgassysteme spezialisiert
Produkte aus dem Hause Tenneco sind in so gut wie jedem Fahrzeug verbaut, betont Marius Lebien, der von Wiesbaden aus die Unternehmenskommunikation übernimmt. In Edenkoben hat man sich auf die Fertigung von Abgassystemen spezialisiert, welche hauptsächlich für Lastwagen sowie Bau- und Landmaschinen gedacht sind. Es handelt sich dabei um Systeme, die aus mehreren Hundert Einzelteilen bestehen und sowohl mechanische, elektrische als auch hydraulische Bauteile beinhalten. Darüber hinaus wird ein Pressluftwerk betrieben, über das auch Schwesterfirmen versorgt werden. Bei den Abgassystemen entsteht am Ende ein Produkt, das so groß und so kompakt ist wie eine Waschmaschine. Renommierte Autobauer zählen zu den Kunden von Tenneco. Weitere Details werden nicht genannt. Auch zu den Umsatzzahlen wird geschwiegen, gerade wenn sie für einzelne Werke angefragt werden.
Clean Air, der reinen Luft, hat sich das Edenkobener Team verschrieben. So nennt sich eines der vier Geschäftsbereiche, denen sich die zu Tenneco gehörenden Unternehmen widmen. Andere haben unter anderem das Fahrwerk, die Bremsen und die Federung im Blick oder liefern technische Lösungen für Motorkonstrukteure. Wobei, ein Schritt zurück: Angesichts der zunehmenden Debatten rund um das Thema Klimaschutz steht gerade die Sparte Clean Air vor der Herausforderung, durch ihre Produkte schädliche Emissionen zu verringern. Nicht umsonst wirbt sie mit dem Slogan „Saubere Umwelt – Leise Fahrzeuge – Sichere Technik“. Wobei ihre Artikel nicht nur in Fahrzeugen mit einem Verbrenner verbaut sind, sondern auch in Hybridwagen.
Drei grüne Projekte
Abseits des Kerngeschäfts wird sich in Edenkoben dem Klimaschutz stärker zugewendet. So werden nach zweijähriger Planung die Dächer der Gebäude mit Photovoltaik bestückt. Die Umsetzung dieses Projektes wird sich laut Maike Seeber wohl einige Monate hinziehen. Die Rede ist von einer zusammengerechnet über 20.000 Quadratmeter großen Dachfläche. Noch in einem früheren Stadium dagegen ist das Projekt Freiflächen-Photovoltaikanlage. Errichtet werden soll sie auf jenem unbebauten Firmengelände, das zum Teil auf Maikammerer und Kirrweilerer Gemarkung liegt. Hierfür müsste der Flächennutzungsplan geändert werden, weshalb noch etwas Geduld gefragt ist. Für ein weiteres grünes Projekt befinden sich Maike Seeber und die Stadt Edenkoben in Gesprächen. So wurde in einem Bürgerworkshop angeregt, die Fassade des Firmengebäudes zu begrünen. Dadurch könnte es optisch ansprechender sein und damit zur Verschönerung des Stadtbildes beitragen.