SÜW RHEINPFALZ Plus Artikel Tankwart zu Mord in Idar-Oberstein: „Das war ein krankes Hirn“

„99,9 Prozent halten sich an die Maskenpflicht. Aber ein paar Blöde gibt es halt immer“, sagt Tankstellenchef Andreas Müller aus
»99,9 Prozent halten sich an die Maskenpflicht. Aber ein paar Blöde gibt es halt immer«, sagt Tankstellenchef Andreas Müller aus Herxheim.

Der Mord an einem Tankstellenmitarbeiter in Idar-Oberstein hat eine Debatte darüber ausgelöst, ob sich Gegner der Corona-Politik zusehends radikalisieren. Geschäftsleute in der Region haben natürlich auch mit Kunden zu tun, die die Maske als Freiheitsentzug empfinden. Aber sehr selten.

Dass ein Kunde frech wird wegen der Einhaltung der Corona-Regeln, das hat Andreas Müller bisher ganz selten erlebt. „99,9 Prozent der Leute halten sich an die Maskenpflicht. Aber ein paar Blöde gibt es halt immer“, sagt Müller, der seit Langem in Herxheim eine Tankstelle betreibt. Wenn es mal Probleme mit Kunden gebe, versuche er immer, freundlich zu sein. „In den allermeisten Fällen funktioniert es, wenn wir die Leute höflich darauf hinweisen, dass wir uns an die Regeln halten müssen, dass wir sie nicht gemacht haben und alle im selben Boot sitzen. Deshalb eskaliert dann auch keine Situation“, sagt Müller. Und wenn ein Kunde mal seine Maske vergessen habe, dann drücke er ihm eine kostenlos in die Hand. Es hat aber auch schon mal die eine oder andere unschöne Szene gegeben, um es milde auszudrücken. Eine Mitarbeiterin sei einmal von einem Kunden wüst beschimpft worden, nachdem sie ihn gebeten habe, sich an die Maskenpflicht zu halten. Der Mann habe dann zu der Frau gesagt, er hoffe, dass sie überfallen und vergewaltigt werde, erzählt der Tankstellenchef.

Probleme gebe es oft nur dann, wenn Mitarbeiter mit Kunden von oben herab redeten. „Der Feldwebel-Ton geht überhaupt nicht. Mitarbeiter sollten nicht den Molli machen. Die Leute wollen einfach nicht belehrt werden“, sagt Müller. Vor dem Hintergrund des Tankstellenmordes in Idar-Oberstein vor wenigen Wochen mache er sich nicht vermehrt sorgen bezüglich des Umgangs mit den Kunden. „Natürlich ist der Vorfall Gesprächsthema bei den Kunden. Aber dieser Typ war ein krankes Hirn. Der wäre früher oder später eh ausgetickt.“

Mann will keine Maske im Bus tragen

Ausgetickt ist vergangene Woche ein 82-Jähriger in einem Bekleidungsgeschäft in Landau. Der Mann war mit einer Kassiererin aneinandergeraten, weil es ihm an der Kasse offenbar nicht schnell genug voranging, so die Polizei. Die Mitarbeiterin wies den Senior dabei auf das Abstandsgebot hin. Als dem Mann ein Hausverbot erteilt wurde, habe er „einen Bezug zu Idar-Oberstein hergestellt“, wie die Polizei auf Anfrage der RHEINPFALZ berichtete. Der Mann wurde noch im Laden von einer Streife kontrolliert. Im Anschluss wurde seine Wohnung durchsucht. Polizisten fanden ein Luftgewehr samt Munition. Es habe aber keine Hinweise darauf gegeben, dass der Senior seine Drohung in die Tat umsetzen wollte. Auch Verbindungen zur Querdenker- oder Maskenverweigerer-Szene seien bisher nicht bekannt, teilte die Polizei mit.

Hat die Polizei zurzeit häufiger mit Leuten zu tun, die sich in Geschäften nicht an die Corona-Regeln halten wollen? „Aktuell haben wir keine Auffälligkeiten. Wir bekommen also keine Anzeigen“, sagt Dennis Hoog von der Polizeiinspektion in Landau. Am Samstag habe es allerdings einen Fall in Wollmesheim gegeben, bei dem sich ein Mann geweigert habe, seine Maske im Bus anzuziehen. Der Busfahrer, so Hoog, habe den Fahrgast daraufhin ermahnt. In der Folge habe der Mann ihn als Arschloch und blöde Sau beschimpft. Der Busfahrer rief die Polizei. Der mutmaßliche Maskenverweigerer stritt aber alles ab. Zeugen habe es nicht gegeben. „Das war dann Aussage gegen Aussage. Der Mann ist nach Hause gelaufen“, so Hoog.

Ordnungsamt: Dumme Sprüche, keine Aggression

Auch dem Ordnungsamt der Stadt Landau sind keine Fälle bekannt, bei denen Mitarbeiter gerufen wurden, weil sich ein Kunde in einem Geschäft partout nicht an die Corona-Regeln halten wollte, wie die Verwaltung auf Anfrage der RHEINPFALZ mitteilt. Alle Kontrollen seien entweder von der Behörde selbst veranlasst worden oder nach Beschwerden von Kunden, die sich beispielsweise darüber beklagt hätten, dass Abstände nicht eingehalten oder Kontaktdaten nicht aufgenommen worden seien. Bei den regulären Corona-Kontrollen des Ordnungsamtes gebe es allerdings oft dumme Kommentare. Aggressiv seien Bürger bisher aber noch nicht geworden, so die Stadtverwaltung.

Mit aggressiven Anti-Corona-Kunden habe er auch noch keine Probleme in seinem Laden gehabt, erzählt Werner Danner, der in Offenbach ein Sportgeschäft betreibt. „Das würde sich bei mir auch keiner trauen“, scherzt der Südpfälzer. Er mache sich nach dem Tankstellenmord in Idar-Oberstein keine Gedanken darüber, wer in seinen Laden kommt. „Ich kenne ja die meisten Kunden. Ich habe da keine Angst“, sagt Danner.

Café-Besitzerin: Leute vergessen Maske manchmal

Brigitte Escher sieht das anders. „Ich habe nach dem Tankstellenmord schon Angst bekommen“, sagt die Südpfälzerin, die in Annweiler das Café Escher und das Eiscafé Eiswerk betreibt. Sie sage ihren Mitarbeiterinnen häufig, nicht schnippisch zu Kunden zu sein, wenn es um die Einhaltung der Corona-Regeln gehe. „Ich lasse es nie so weit kommen, dass die Situation eskalieren könnte“, sagt Escher. Wenn Kunden mal keine Maske dabei hätten, dann sei das ganz oft keine Absicht. „Vor allem in unserem Café haben wir viele ältere Gäste, die vielleicht auch mal die Maske vergessen. Das ist dann gar kein Problem. Wir haben dann eine parat oder bedienen die Kunden draußen.“

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