Kreis Südliche Weinstraße Tango auf dem Marktplatz und ein Abendmahl
„43-jährige Frau sucht professionellen Mediator, der den Familiensegen richtet“, lautet einer von fast 30 Wünschen, die in diesem Jahr am Weihnachtsbaum des Hauses der Familie in Bad Bergzabern angebracht wurden. Die allermeisten wurden erfüllt, am Montag trafen sich Wünschende und die Erfüller, die nicht anonym bleiben wollten, zur Bescherung.
Die Leiterin des Hauses der Familie, Petra Schreieck, begrüßte die Gäste, Benedikt Broda, der dort ein Bundesfreiwillligenjahr absolviert, begleitete das Weihnachtslied auf der Gitarre. Die Freude über die Geschenke war groß, die Lebensgeschichten von Alt und Jung berührten. Susanne ist Mutter von drei Kindern und freut sich über die Holzpuppenwiege für ihre 4,5-jährige Tochter. „Die Wiege hält“, sagt die Schreinerin, die zum Teil in ihrem Beruf, zum Teil als Reinigungskraft arbeitet. „Vollzeit arbeiten geht mit den Kindern nicht, das Geld ist knapp, manchmal sehr.“ Die 33-jährige Ulrike hat zwei Töchter im Alter von sechs und zwei Jahren, ihr Mann arbeitet. „Ohne die Tafel und die Kleiderkammer geht es nicht, uns bleiben 150 Euro im Monat für Essen“, erzählt sie. Und ist sich mit einer anderen Mutter einig, dass es bitter wird, wenn die Kinder alt genug sind, um zu bemerken, dass es große materielle Unterschiede gibt. Mit 200 Euro im Monat muss die 74-jährigen Helga ihre Ausgaben bestreiten. Sie lebt allein und kommt regelmäßig zum Essen ins Haus der Familie. Helga hat sich für ihre dreijährige Enkeltochter ein Fahrrad gewünscht. Ein T-Shirt und Hosen war der Wunsch der 56-jährigen Bärbel. Sie ist frühberentet und bekommt 600 Euro. Auch sie hält sich mit den Angeboten für Bedürftige über Wasser. Über ein Fahrrad mit niederem Einstieg freut sich die 60-jährige Waltraud. Sie wurde an beiden Hüften operiert. „Die Frau, die Gesellschaft beim Walken gesucht hat, hat jemanden gefunden, eine andere gelegentliche Betreuung für ihren Hund“, erzählt Schreieck. Selbst für einen ganz ungewöhnlichen Wunsch, nämlich Wolle spinnen zu können, hätten sich zwei Frauen gefunden. „Wir hatten zwei Weihnachtspyramiden“, erzählt ein Ehepaar, das eine verschenkt hat. An eine Frau, die nach der Trennung keine mehr hatte. Noch nicht erfüllt ist der Wunsch einer 55-Jährigen. Sie sucht einen Tanzpartner, der größer ist als 1,82 Meter. „Tango in einer lauen Sommernacht auf dem Marktplatz“, ist eine Vision der 46-jährigen Angelika, die vor Kurzem aus Berlin in die Südpfalz gezogen ist. Sie ist begeistert von der Arbeit der Protestantischen Kirche. Für sie der Grund, nach 25 Jahren wieder einzutreten. (pfn)