Annweiler
s’Reiwerle: Querdenker-Lokal schließt
Ein letzter Tusch folgte am Wochenende, nun hat eine weitere Gaststätte in der Südpfalz geschlossen. Und bei dieser handelt es sich um einen überregional bekannten Gastronomiebetrieb: Das s’Reiwerle in Annweiler ist Geschichte. Bekannt ist die Gaststätte vor allem wegen des Betreibers: Tobias Fink. Dieser ist nicht nur in der Querdenker-Szene gut vernetzt, er pflegt auch gute Kontakte mit Rechtsextremisten.
Fink war während der Corona-Pandemie vor allem durch seine Ablehnung der Corona-Schutzmaßnahmen aufgefallen. Zudem hatte er Ende 2021 eine Freikirche gegründet, die ihren Mitgliedern das Maskentragen verbietet. Bereits im November 2020 hatte Fink die damalige Galionsfigur der Corona-Leugner-Szene bewirtet, den Schwindelarzt Bodo Schiffmann. Dieser sei ein „wunderbarer Krieger des Lichts“, so Fink damals auf Facebook. Weiterhin war Finks Gaststätte regelmäßig Endpunkt bei Fahrten von Querdenker-Autokorsos durch Landau und die Südpfalz. In jüngerer Vergangenheit machte Fink Schlagzeilen, weil er dem Impfgegner Rüdiger Kron eine Bühne geboten hatte – nachdem die Mystic-Harfen-Band Rairda wegen Krons Beteiligung nicht in Herxheim auftreten durfte. Kron wurde wegen der Fälschung von Maskenattesten verurteilt und hatte bei einer Kundgebung den Hitlergruß gezeigt. Zudem ließ Fink einen mutmaßlich der rechtsextremen Anastasia-Bewegung zugehörigen Barden bei sich auftreten.
Fink geht von bis zu 10.000 Euro Schulden aus
Schon damals klagte Fink darüber, dass sein Umsatz im À-la-Carte-Geschäft im Vergleich zu 2019 um 30 Prozent eingebrochen sei. Zwischendurch hat er ein Kochbuch geschrieben und vermarktet und immer wieder im Netz um Spenden gebeten. Dass es für das Restaurant nicht gut läuft, war kein Geheimnis. Nun also ist das Ende der Fahnenstange erreicht.
Nun sagt er am Telefon auf Anfrage der RHEINPFALZ, dass auch die Berichterstattung der Zeitung zu dem Ende seines Gastronomiebetriebs beigetragen habe, obwohl die Bewegung ihn stark gestützt habe. Durch das Ende des s’Reiwerle werde er auf 8000 bis 10.000 Euro Schulden sitzenbleiben. Weitere Pläne habe er derzeit noch nicht. Seine Prognose sei, dass es bald nur noch Dönerläden, Imbisse oder Gastronomiebetriebe geben werde, die 100 bis 150 Euro Eintritt verlangten. Das zeige die Preisentwicklung seit dem Ende der befristeten Mehrwertsteuersenkung. Die Menschen fragten sich nur noch, wo sie sparen könnten – und essen zu gehen sei Luxus, sagt Fink weiter.
Dann ist plötzlich die Verbindung weg. Auf weitere Kontaktversuche auch per E-Mail reagiert Fink nicht mehr. Es bleiben also Fragen offen. Unklar bleibt, wie es mit den Räumen weitergeht oder ob Finks Engagement in der rechtsextremen und der Querdenker-Szene auch zu dem Niedergang beigetragen haben könnten.