Böchingen
Sportplatz in Solarpark umgewandelt
Auf Satellitenaufnahmen im Internet ist das Gelände in der Straße Am Woogdamm, am westlichen Ende der Gemeinde Böchingen, noch als Brachfläche zu sehen. Dort wurde einst Fußball gespielt. Das ist schon einige Jahre her. Die Böchinger Eheleute Jürgen und Heike Hornberger erinnern sich noch an die Zeit. Sie standen selbst auf dem Platz und haben gegen den Ball getreten. Das Gelände haben sie inzwischen umgewandelt, damit es einen anderen, klimaschonenden Zweck erfüllt. Was genau, das lässt sich auf aktuellen Drohnenaufnahmen gut erkennen.
Innerhalb von zwei Jahren hat das Böchinger Paar das rund 18.000 Quadratmeter große Grundstück am Hainbach in einen Solarpark umgewandelt. Auf etwas mehr als zwei Drittel der Fläche stehen Solarmodule, die den aus Sonnenenergie gewonnen Strom in das Netz der Pfalzwerke einspeisen.
Wie viel Strom die Module erzeugen können
„Wir haben das Projekt in zwei Bauabschnitten realisiert“, berichtet Jürgen Hornberger. In der ersten Phase habe er Wert darauf gelegt, möglichst viele Solarmodule auf der dafür verfügbaren Fläche aufzustellen, 2450 Einzelteile an der Zahl. Durch ihre tiefer gelegene Position unterscheiden sie sich schon optisch von den anderen 1650 Modulen, die seit kurzem in Betrieb sind. Beide Bereiche bringen allerdings die selbe Leistung, und zwar 750 kWp. Mit dieser Einheit wird die Leistung von Fotovoltaikanlagen angegeben.
Um ein Gefühl dafür zu bekommen, was das bedeutet: Nach Angaben der Pfalzwerke benötigt beispielsweise ein Haushalt mit vier Personen für ihren jährlichen Strombedarf eine Fotovoltaikanlage mit vier bis fünf kWp Leistung. Das heißt, dass der Solarpark zwischen 300 und 375 vierköpfige Haushalte im Jahr mit Strom versorgen könnte.
Jürgen Hornberger ist beruflich in einer anderen Branche tätig, im Bereich der Versorgungstechnik. Er ist Geschäftsführer eines Karlsruher Unternehmens, das insbesondere Gewerbekunden unter anderem bei Kälte- und Lüftungsbau betreut. Das Thema Photovoltaik decke neuerdings auch einen Teil des Geschäftsbereiches ab. Er selbst habe sich dagegen schon früh mit diesem Thema beschäftigt und eine Anlage auf dem Dach seines Hauses installieren lassen.
Was die Anlage schätzungsweise Wert ist
Bis der Sportplatz in einen Solarpark umgewandelt werden konnte, war es ein weiter Weg: Der Fußballverein in Böchingen beschloss 2016 seine Auflösung. Das Gelände, das die Gemeinde dem Verein in Erbpacht zur Verfügung gestellt hatte, ging im November 2017 wieder in ihren Besitz über. Als der Gemeinderat die Frage aufwarf, was aus der brachliegenden Fläche geschehen soll, wurden Idee in einer Einwohnerversammlung gesammelt. Die Rede war unter anderem auch von einem Wohnmobilstellplatz oder einer Golfanlage. Wie Ortsbürgermeister Reinhold Walter berichtet, seien diese Vorschläge auch mangels Infrastruktur und den damit verbundenen hohen Investitionen jedoch abgewiesen worden.
Der Gemeinderat legte sich letztlich auf einen Solarpark fest. „Ausschlaggebender Punkt war, dass das Projekt einen Beitrag zum Klimaschutz leistet“, sagt Walter gegenüber der RHEINPFALZ. Unter den Bewerben für die Anlage waren fast ausschließlich Energieversorger – bis auf Jürgen Hornberger, der Walter zufolge als ortsansässiger Unternehmer und wegen seines gebotenen Pachtpreises den Zuschlag bekam.
Was die Anlage Wert sein dürfte
Heike Hornberger erzählt: „Als die Abrissarbeiten begangen, war das schon ein komisches Gefühl. Weil wir auf dem Sportplatz ein Teil unseres Lebens verbracht haben.“ Allerdings habe sie sich auch gefreut, dass sich auf dem jahrelang ungenutzt gebliebenen Gelände wieder etwas bewegt.
Die Investition in das Projekt habe sich nicht nur aus ökologischen Gründen gelohnt. Der Solarpark dürfte laut Hornberger einen Wert von 1,6 bis 1,8 Millionen Euro haben. Da der erste Bereich der Anlage erst im Oktober vergangenen Jahres in Betrieb ging, die zweite in diesem Herbst, könne er noch keine aussagekräftigen Umsatzzahlen nennen. Zumal sie auch vom Wetter abhängen. Mit Blick auf das ihm vorliegende Ertragsgutachten dürfte der jährliche Umsatz künftig aber im sechsstelligen Bereich liegen, berichtet Hornberger.
Kritik wegen Baumfällungen
Schätzungsweise ein sechsstelliger Betrag sei ihm allerdings auch entgangen, berichten die gebürtigen Böchinger. Und das nur, weil von der Genehmigung seines Projektes bis zu den Arbeiten knapp anderthalb Jahre gedauert habe. Zeit, die im Hintergrund für Verwaltungsangelegenheiten vergangen seien. „Es mussten immer wieder Gutachten erfolgen, die wiederum bestätigt werden mussten, das war schon ein großer Aufwand“, berichtet Heike Hornberger.
Zudem habe es Menschen gegeben, die das Projekt kritisch bewerten. Auch, weil Bäume gefällt wurden. Diese Maßnahmen hätten aber nichts mit dem Solarpark zu tun. Das bestätigt Ortschef Walter: „Im Sinne der Landschaftspflege hatte uns die Kreisverwaltung dazu aufgefordert, die damals dort stehenden Tannen zu entfernen, weil sie dort nicht hinpassen.“ Außerdem würden 4500 Quadratmeter des Grundstücks als Ausgleichsfläche vorgehalten, sie bleiben naturbelassen.