Billigheim-Ingenheim
SPD-Wahldebakel: Woran liegt das historisch schlechte Ergebnis?
Zwei Männer streiten sich – und eine Frau ist die Leidtragende. Auf diese Idee könnte man kommen, wenn man sich die Geschichte der Wahl in Billigheim-Ingenheim anschaut.
Zur Einordnung: Dietmar Pfister, damals noch SPD, wird bei der Kommunalwahl 2024 am 9. Juni als Einzelkandidat mit 72,8 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Nicht mal ein ganzes Jahr später, zum 31. Mai, legt er sein Amt nieder und tritt aus der SPD aus. Politische Spannungen, Konflikte und ein belastetes Arbeitsklima mit der Verbandsgemeindeverwaltung seien die Gründe für seinen Rückzug. Klartext: Es gab anhaltenden Streit mit der von seinem Parteifreund Torsten Blank geführten Verwaltung. Die Fronten sind verhärtet. Das zeigt sich, wenn man mit beiden spricht.
„Ich werde der Schuldige sein“
Wie es in Dietmar Pfister aussieht, wird schnell offenkundig. Es habe seine Gründe, warum er aus der Partei ausgetreten ist, sagt Pfister. Der Wahlausgang „tut mir nicht weh“. Er habe immer wieder gesagt, dass die CDU-Kandidatin Jean Baty seine Favoritin sei. Diese hat am Sonntag mit 40,5 Prozent Stimmenanteil den ersten Wahlgang für sich entschieden und tritt am 9. September gegen die FWG-Kandidatin Diana Hirsch (31,8 Prozent) an.
Nach den Ursachen müsse nun die SPD graben, sagt Pfister weiter. Das sei aber eher Aufgabe der SPD in der VG Landau-Land und der des Kreises, nicht der örtlichen Partei. „Wahrscheinlich werde ich der Schuldige sein“, sagt er, „weil es der einfachste Weg ist.“
„Da ist was dran“
Er sei enttäuscht über das Ergebnis und auch überrascht, sagt Torsten Blank. Er habe damit gerechnet, dass es zu einer Stichwahl kommen würde, „aber nicht ohne die SPD“. Die Kandidatin sei seit rund 25 Jahren im Ort vielfältig engagiert. Dass sie es nicht in die Stichwahl geschafft habe, liege auch daran, wie der vorige Ortsbürgermeister zurückgetreten sei. „Da ist was dran.“ Zudem hätten die Wähler wohl der SPD angerechnet, dass „der Amtsvorgänger“ die Gemeinde in einer schwierigen Situation mit vielen Problemen und Herausforderungen zurückgelassen habe, sagt Blank.
Wie berichtet, gibt es in dem Ort viele Herausforderungen zu meistern. Die Sanierung des Bürgerhauses, der Neubau einer Kindertagesstätte, die Förderung der Windkraft, die angespannte Parksituation sowie die Modernisierung des Freibads stehen oben auf der Agenda.
Seit 1969 in SPD-Hand gewesen
Will man die SPD dazu befragen, wie sie das Ergebnis erklärt, führt kein Weg am Ortsverein vorbei. Dessen Vorsitzender heißt Florian Pfister, und er ist in keiner einfachen Situation. Dietmar Pfister ist sein Vater. Entsprechend äußert er sich. Das Ergebnis sei auch für ihn überraschend gewesen – und mögliche Erklärungen seien wohl der „Tumult im Vorfeld“ sowie die allgemeine politische Stimmung, nimmt er an. Er hoffe nun, dass die Wahl nicht zu Grabenkämpfen in der SPD führen werde. Davon habe er aber noch nichts bemerkt. „Aber das ist eine ganz neue Situation für uns.“
Denn seit der Fusion von Ingenheim mit Billigheim 1969 hat die SPD den Bürgermeister gestellt. Diese Geschichte endet im Jahr 2025. Und der Ort ist noch aus einem anderen Grund besonders: Schließlich ist er der Heimatort des Ministerpräsidenten Alexander Schweitzer, der sich auch stark in den Wahlkampf eingebracht hatte.
„Ich muss das ausbaden“
Weitere Sozialdemokraten wollen nicht unter Namensnennung über die möglichen Ursachen sprechen. Mehrere sagen aber, dass Blank in der Partei nicht viele Freunde habe und er nicht sonderlich gemocht werde. Ähnliches ist auch aus seiner Verwaltung zu hören – ebenfalls nicht mit Namen. Einer, der Einblick in die Billigheim-Ingenheimer Verhältnisse hat, glaubt aber eher, es liege nicht ausschließlich an Blank, sondern genauso an Dietmar Pfister. „Beide haben sich nicht mit Ruhm bekleckert. Der Verbandsbürgermeister hat zu stark in die Ortsgemeinde hineinregiert, der Ortschef hat aber auch manches liegen lassen.“
Sei es wie es sei, die Wahl verloren haben nach ihrem Konflikt weder Pfister noch Blank, die Niederlage trägt den Namen Anja Ditz. Und sie wirkt am Telefon schwer enttäuscht. Das Ergebnis der Personenwahl schmerze, sagt sie. Sie, Ditz, wohne seit 35 Jahren im Ort, sei seit Jahrzehnten ehrenamtlich engagiert – und sie sei nicht gewählt worden. Stattdessen hätten die Bürger zwei Personen gewählt, die erst seit Kurzem aktiv seien. Bei der Wahl sei es den Bürgern eher darum gegangen, die Strukturen abzustrafen – „und ich muss es ausbaden“. Der Bürgermeister werde schon immer von der SPD gestellt, und das wollten die Leute wohl nicht mehr. Sie sei nun gespannt, wie es im Dorf weitergeht. Die Wähler wollten etwas anderes, „das haben sie deutlich gezeigt“, sagt Ditz.
Und die Wähler werden etwas anderes bekommen – eine Bürgermeisterin von der CDU oder von den Freien Wählern. Ein Novum in der Geschichte des Dorfes an der Südlichen Weinstraße.
