Annweiler / Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Sparkasse baut Münzeinzahler ab: Problem für Vereine, Hütten und Co?

Wer seine Spardose schlachten will, findet Münzautomaten dafür jetzt nur noch an den vier zentralen Standorten der Sparkasse Süd
Wer seine Spardose schlachten will, findet Münzautomaten dafür jetzt nur noch an den vier zentralen Standorten der Sparkasse Südpfalz – wie hier in Landau.

Auf Hütten oder bei Festen wird meist bar bezahlt. Um das Kleingeld aufs Konto zu kriegen, hatte die Sparkasse vielerorts Münzeinzahler stehen. Doch nun ist der Großteil weg.

Freitagmittag in der Landauer Zentrale der Sparkasse Südpfalz. Ein großes rotes Schild mit der Aufschrift „Münzeinzahler“ weist in einen Hinterraum. Dort ist erst einmal Anstehen angesagt. Denn innerhalb von einer Viertelstunde steuern gleich vier Kunden mit prall gefüllten Kleingeld-Beuteln die zwei Automaten an. Wer denkt, Münzgeld findet in der digitalisierten Welt heutzutage kaum noch Verwendung, wird in diesem Moment eines Besseren belehrt. Wie gut, dass vor dem Raum gleich zwei Wartesessel aufgestellt sind. Denn von den zwei Geräten kann nur eines genutzt werden. Das andere meldet groß auf dem Display: „Vorübergehend außer Betrieb.“ Der Münzgeldautomat ist einer der letzten vier der Sparkasse Südpfalz. Der Rest wurde über den Jahreswechsel abgebaut.

Zwei Münzautomaten stehen in einem Hinterzimmer, einer davon ist defekt.
Zwei Münzautomaten stehen in einem Hinterzimmer, einer davon ist defekt.
Freitagmittag. Innerhalb einer Viertelstunde kommen vier Kunden mit Beuteln voller Kleingeld vorbei.
Freitagmittag. Innerhalb einer Viertelstunde kommen vier Kunden mit Beuteln voller Kleingeld vorbei.
»Vorrübergehend außer Betrieb«, meldet der Automat.
„Vorrübergehend außer Betrieb“, meldet der Automat.
»Okay, dann eben der andere Münzgeldautomat.« Wir testen den Münzeinzahler der Sparkasse – mit einem prallgefüllten Glas voller
„Okay, dann eben der andere Münzgeldautomat.“ Wir testen den Münzeinzahler der Sparkasse – mit einem prallgefüllten Glas voller Münzen. Im Haushalt von Redakteurin Judith Hörle wird nämlich noch Kleingeld gesammelt.
Schritt für Schritt wird die Bedienung des Geräts erklärt.
Schritt für Schritt wird die Bedienung des Geräts erklärt.
Na, Lust zum Raten? Was schätzen Sie? Welche Summe Geld steckt wohl in dem Glas?
Na, Lust zum Raten? Was schätzen Sie? Welche Summe Geld steckt wohl in dem Glas?
Dann fangen wir mal mit Reinschütten an.
Dann fangen wir mal mit Reinschütten an.
Und machen weiter ...
Und machen weiter ...
... und weiter ... Das Glas war echt schwer.
... und weiter ... Das Glas war echt schwer.
Bis zur maximalen Befüllungshöhe hätte nicht mehr allzu viel gefehlt.
Bis zur maximalen Befüllungshöhe hätte nicht mehr allzu viel gefehlt.
Wir sind selbst gespannt, welcher Betrag am Ende wohl auf der Quittung stehen wird.
Wir sind selbst gespannt, welcher Betrag am Ende wohl auf der Quittung stehen wird.
Die letzten Münzen: Jetzt wird’s ernst.
Die letzten Münzen: Jetzt wird’s ernst.
Doch vorher noch der Hinweis, was alles nicht in die Automaten darf. Denn diese sind sehr störanfällig.
Doch vorher noch der Hinweis, was alles nicht in die Automaten darf. Denn diese sind sehr störanfällig.
Erwischt: Auch in unsere Spardose hatten sich drei Fehlwürfe eingeschlichen.
Erwischt: Auch in unsere Spardose hatten sich drei Fehlwürfe eingeschlichen.
Der Automat spuckt die ausländischen Münzen unten im Fach wieder aus.
Der Automat spuckt die ausländischen Münzen unten im Fach wieder aus.
Fertig! Das Ergebnis steht fest: 53,04 Euro lautet die Lösung. Und, lagen Sie beim Schätzen nah dran oder ganz weit entfernt?
Fertig! Das Ergebnis steht fest: 53,04 Euro lautet die Lösung. Und, lagen Sie beim Schätzen nah dran oder ganz weit entfernt?
Zu gewinnen gibt es übrigens nichts für die besten Schätz-Könige. Nur, falls Sie darauf gehofft hatten. Das über fünf Jahre ange
Zu gewinnen gibt es übrigens nichts für die besten Schätz-Könige. Nur, falls Sie darauf gehofft hatten. Das über fünf Jahre angesparte Klimpergeld ist bereits investiert: in eine Klobrille und einen Waschbeckenverschluss.

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Schwenk nach Annweiler. Bei vielen Menschen ist inzwischen das Geld knapp. Bei manchen wird es gar so eng, dass ihnen droht, im Dunkeln zu sitzen. Bezahlt jemand seine Stromrechnungen nicht, muss er mit einer Sperre rechnen. „Als Grundversorger ist es unsere Aufgabe, in solchen Fällen von Zahlungsschwierigkeiten eine Lösung zu finden“, sagt Reiner Paul, Direktor der dortigen Stadtwerke. Die Kunden kämen dann vor Ort vorbei, zahlten bar Geld, für das sie einen Pin erhalten, über den sie wieder Strom bekommen. Und da die Menschen nun mal knapp bei Kasse seien, kämen die meisten mit einem Beutel voller Kleingeld zu den Stadtwerken. „So kommen bei uns 1500 bis 2000 Euro in Münzgeld pro Woche zusammen“, berichtet Paul.

In diesen Filialen wurden Münzeinzahler abgebaut

Daher ist der regionale Versorger regelmäßiger Kunde in der Annweilerer Sparkassen-Filiale nur wenige Meter entfernt. Denn das Münzgeld muss ja irgendwie aufs Konto der Stadtwerke kommen. Die Zeiten, in denen man das einfach so am Schalter einzahlen konnte, sind längst vorbei. Geldscheine kann man am Geldautomaten mit Einzahlungsfunktion – sogenannte Cash-Recycler – einziehen lassen. Bei Kleingeld wird die Sache komplizierter. Und das betrifft nicht nur die Stadtwerke. Auch auf Wanderhütten, bei Vereinsveranstaltungen, Dorffesten und Co. wird meist noch in bar bezahlt. Nicht zu vergessen, wenn der Nachwuchs sein Sparschwein schlachtet. Für solche Fälle hat die Sparkasse in ihren größeren Filialen Münzgeldautomaten aufgestellt. So auch in Annweiler. Doch auf einmal sei dieser weg gewesen, berichtet der Werkedirektor. Seit dem Jahreswechsel gibt es ebenso in Edenkoben, Herxheim, Offenbach, Lingenfeld, Rülzheim, Jockgrim, Bellheim und Wörth keine Münzgeldautomaten mehr.

Der Grund für den Abbau: die zunehmende kontaktlose Bezahlung? Oder etwa der Rückzug im Filialnetz? Nein, nur bedingt. Im Endeffekt ist es die immens hohe Fehleranfälligkeit jener Münzgeldautomaten, wie Sparkassen-Sprecher Philipp Schneider erklärt. Aufgrund des hohen Mechanisierungsgrades der Geräte komme es bei Fehlnutzungen schnell zu Störungen. Da müsse nur mal eine Büroklammer, ein Papierschnipsel oder Knopf zwischen dem Münzgeld sein, das eingeworfen werde, und schon streike der Automat. Deswegen stünden diese Geräte nur noch an den vier zentralen Sparkassen-Standorten Bad Bergzabern, Germersheim, Landau und Kandel bereit. „Hier sind die Kolleginnen und Kollegen unserer Serviceteams speziell geschult, um sowohl Kundinnen und Kunden beratend bei Einzahlungen zur Seite zu stehen als auch kleinere Störungen an den Geräten direkt und ohne externe Techniker zu beheben“, erklärt Schneider. Andernorts wie in Annweiler seien die Automaten abgebaut worden.

Das ist der Grund für den Abbau

Den Grund für den Abbau könne er sogar nachvollziehen, sagt Werkedirektor Paul. Aber es müsse sich doch eine andere Lösung finden lassen, damit ein kommunaler Versorger seiner Arbeit nachgehen könne, sagt er. Nicht zuletzt ist die Sparkasse ein kommunal getragenes und dem Gemeinwohl verpflichtetes Geldinstitut. „Unserem Mitarbeiter, der das Geld vorbeibringt, wurde geraten, nach Landau in die Filiale zu gehen“, erzählt Paul. Tatsächlich könne weiterhin Bargeld auch in größeren Mengen an der Hauptkasse in der Geschäftsstelle in der Landauer Ostbahnstraße eingezahlt werden. „Diese Möglichkeit wird insbesondere von unseren Geschäftskunden genutzt“, berichtet Schneider.

Bargeldlos bei Weinfesten und Co. bezahlen

Für die Annweilerer Stadtwerke ist das jedoch keine Option. Bei wöchentlichen Einzahlungen in dieser Höhe sei das logistisch nicht machbar. Mit allen Kunden, die intensive Nutzer der Münzeinzahler waren, seien Gespräche geführt und die alternativen Möglichkeiten erläutert worden, sagt der Sparkassen-Sprecher. So gebe es schon länger das sogenannte Safebag-Verfahren, das an den Standorten, wo die Münzeinzahler entfernt wurden, nun stärker beworben werden solle. „Dabei kann die Kundin oder der Kunde das Bargeld, sowohl Münzen als auch Scheingeld, einfach in einem von uns bereitgestellten Beutel in der Sparkasse abgeben“, erklärt Schneider. Der Inhalt des Beutels werde zentral gezählt und auf dem Kundenkonto verbucht. Die Safebags würden in den Geschäftsstellen in Annweiler, Bad Bergzabern, Bellheim, Edenkoben, Germersheim, Herxheim, Jockgrim, Kandel, Landau-Ostbahnstraße, Lingenfeld, Maximiliansau, Offenbach, Rülzheim und Wörth angenommen. Die Reaktionen seien in Summe positiv und kooperativ gewesen, so die Einschätzung der Sparkasse.

Gerade jetzt in der Faschingszeit seien Bargeld-Einzahlungen wieder ein größeres Thema, weiß Schneider. Für die Sommersaison stehe die Sparkasse aber bereits mit etlichen Vereinen im Austausch, um bargeldloses Kassieren auf Weinfesten und Co. zu ermöglichen. Dafür hat die Sparkasse eine eigene App entwickelt. Das Angebot sei immer mehr gefragt und erleichtere den Geldwechsel vor Ort und danach. „Wir müssen mit dem Zeitgeist gehen.“

Das kosten die Safebags fürs Kleingeld

Doch das hilft den Annweilerer Stadtwerken bei ihrem Münzgeldproblem nicht weiter. Wieso nutzen diese nicht die angepriesenen Safebags für die Bargeld-Einzahlung? „Dafür müssten wir jedes Mal bezahlen, während die Einzahlung an den Automaten kostenlos ist“, sagt Werkedirektor Paul. Was die Sparkasse in ihrer Antwort nämlich unerwähnt ließ, ist, dass die Nutzung der Sicherheitstaschen laut der aktuellen Preisliste 6,85 Euro pro Stück kostet. Und diese sind nur einmalig verwendbar. Zudem hat jedes Safebag eine Gewichtsbeschränkung von 4 Kilogramm. Bedeutet: Selbst wenn die Stromkunden nur mit Euro- und nicht mit Cent-Münzen bezahlten, bräuchten die Stadtwerke zwei bis vier jener Sicherheitstaschen pro Woche.

Aber Werkedirektor Paul grämt sich nicht mehr, denn er hat inzwischen eine andere Lösung gefunden. Die Stadtwerke wandern nun eben zum Mitbewerber ab. Bei der VR-Bank Südliche Weinstraße-Wasgau hatte der kommunale Versorger sowieso bereits ein Zweitkonto. Das wird nun zum Rettungsanker. Denn nur einen Katzensprung von der Annweilerer Sparkassen-Filiale liegt die Geschäftsstelle der Genossenschaftsbank. Und in dieser steht weiterhin ein Münzeinzahler. „Den können wir kostenlos nutzen und starten damit ab dieser Woche“, kündigt Paul an. Die VR-Bank Südliche-Weinstraße-Wasgau hält Münzeinzahler in Annweiler, Herxheim, Bad Bergzabern und Dahn bereit. Die VR-Bank Südpfalz hingegen hat ihre Münzeinzahler Ende 2023 ebenfalls abgeschaltet. Sie nimmt Kleingeld weiterhin am Schalter ihrer Filialen an.

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