Bahn
So kompliziert ist es im Moment in der Pfalz, mit dem Zug zur Arbeit zu fahren
Christine Langolf aus Siebeldingen pendelt schon Jahre lang mit dem Zug zu ihrem Arbeitsplatz in Kaiserslautern. Die 43-Jährige ist als Abteilungsleiterin tätig und liest auf dem Weg zur Arbeit gerne auch mal etwas – dies ginge natürlich nicht, wenn Sie mit dem Auto unterwegs wäre. „Es ist auch viel ökologischer – und man lernt Leute kennen“, nennt sie weitere Vorteile.
Um kurz nach 5.30 Uhr startet Christine Langolf in Siebeldingen und sie kommt dann, sofern alles glatt geht, kurz vor 7 Uhr in Kaiserslautern an – umsteigen muss sie in Landau und in Neustadt. Bereits seit 15 Jahren ist die Südpfälzerin Zugpendlerin. Nur selten greift sie auf ein Auto zurück, um zum Arbeitsplatz zu gelangen. „Die Strecke nach Kaiserslautern wäre mit dem Auto keine Freude, da ist der Zug eigentlich optimal“, sagt sie. „Sofern er denn pünktlich kommt.“
Ist dies des Öfteren nicht der Fall, wie etwa in den vergangenen acht Wochen, dann zehrt das an den Nerven von Christine Langolf. Der Stress ist programmiert. Wenn alle Stricke reißen, sei sie auch schon auf Taxis ausgewichen oder habe das Familienauto genommen. „Einfach ist das dann nicht.“
Probleme häufen sich
Die Bahn-Probleme auf ihrer Strecke hätten sich gehäuft, seit sie zweimal umsteigen müsse, erzählt Christine Langolf. Dies ist seit geraumer Zeit der Fall. „Früher musste ich nur einmal in Ludwigshafen umsteigen, da war es besser.“ Nun komme der Zug aus Wissembourg (Elsass). So richtig pünktlich sei der nie, sagt die Siebeldingerin. Diese Verbindung komme fast immer mit Verspätung in Landau an – die Siebeldingerin macht hier Abweichungen von fünf bis 15 Minuten vom Fahrplan aus. „Damit sind die Anschlusszüge in Neustadt nur schwer erreichbar, und selten ist ein Zugführer bereit, auf Nachfrage hin die Zentrale zu bitten, die S-Bahnen nach Kaiserslautern beziehungsweise zur BASF in Ludwigshafen auf uns warten zu lassen.“
„Fantastisch“ sei derzeit auch , dass sehr viele Verbindungen zwischen Wissembourg und Neustadt (und umgekehrt) einfach ausfallen. „Welche Verbindungen dies sind, ist nur aus Papieraushängen am Bahnsteig ersichtlich, in der Bahn App sind diese Ausfälle nicht dargestellt“, stellt die Südpfälzerin fest.
Hohe Krankheitsquote
Die Regionalbahn Neustadt/Landau/Wissembourg fährt seit dem 13. November und voraussichtlich noch bis zum 1. Januar nur im Zwei-Stundentakt, erklärt Michael Heilmann, Verbandsdirektor des Zweckverbands Öffentlicher Personennahverkehr Rheinland-Pfalz Süd (ZÖPNV). Um die dadurch entstehenden zeitlichen Lücken im Zugverkehr zwischen Winden und Wissembourg schließen zu können, verkehre ergänzend ein Schienenersatzverkehr, damit weiterhin eine stündliche Fahrmöglichkeit mit Bus oder Zug zwischen Winden und Wissembourg bestehe. Der Grund für diese Einschränkungen im Zugverkehr ist eine aktuell sehr hohe Krankheitsquote bei der DB Regio. Die Fahrplanänderungen seien seit dem 13. November in der Fahrplanauskunft eingepflegt.
Die Regionalbahn Neustadt/Landau/Karlsruhe sowie der Regional-Express Neustadt/Landau/Karlsruhe seien von diesen krankheitsbedingten Einschränkungen nicht betroffen. „Natürlich kann angesichts der aktuellen Lage nicht ausgeschlossen werden, dass es auch hier bei sehr kurzfristigen Krankmeldungen zu einzelnen Zugausfällen kommt“, sagt Heilmann.
Türen nicht freigegeben
Zuletzt sei auch der Zug um 18.28 Uhr nach Annweiler (RB51) ausgefallen, als Ursache sei jeden Tag die Angabe „Reparatur am Zug“ genannt worden, so die Siebeldingerin. Leider wurde dieser Ausfall in der DB App erst zehn bis 15 Minuten vorher angezeigt. Erlebt hat Christine Langolf auch schon mehrfach, dass die Türen zum Aussteigen nicht freigegeben wurden und nach kurzer Zeit dann einfach losgefahren werde. Wenn man es schnell schaffe, an der Tür beim Zugführer zu sein und „dieser nett ist“, halte dieser noch mal an, ansonsten müsse man bis zum nächsten Halt weiterfahren.
Bei vielen Verbindungen fehlten derzeit Zugteile, bemängelt die Siebeldingerin. Beispielsweise bei der Verbindung 6.01 Uhr von Landau nach Neustadt, der in Weißenburg startet. Statt zwei Zugteilen komme fast immer nur noch ein Zugteil an. Zugteile fehlten auch in den Verbindungen von Neustadt nach Karlsruhe um 17.09 und 18.09 Uhr (RE).
Geringere Sitzplatzkapazität
Bei diesen von der Pendlerin angesprochenen Mängeln spiele ebenfalls die derzeit hohe Krankenquote bei der DB Regio eine Rolle, erklärt Verbandsdirektor Heilmann. Diese wirke sich auch auf die Unterhaltung der Fahrzeuge aus. Vor diesem Hintergrund könne es aktuell vorkommen, dass die DB Regio nicht die vertraglich bestellte Sitzplatzkapazität eines Zuges zur Verfügung stellen könne und einzelne Züge kurzfristig ausfallen.
Nach den vorliegenden Informationen, erklärt Heilmann weiter, fallen derzeit etwa sechs Prozent der Zugleistungen im Bereich der DB Regio Mitte krankheitsbedingt aus. Vor diesem Hintergrund habe sich der Germersheimer Landrat Fritz Brechtel, seines Zeichens auch Verbandsvorsteher des Zweckverbandes Öffentlicher Personennahverkehr, an den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn AG, Richard Lutz, gewandt. Brechtel fordert eine schnellstmögliche Verbesserung der aktuell sehr unbefriedigenden Situation. Eine Antwort steht noch aus, teilt Heilmann gegenüber der RHEINPFALZ mit.