Kreis Südliche Weinstraße „Sie ist die Richtige“
Mit den jungen Männern von Annweiler wollte sich Hedwig Kirsch eigentlich nicht einlassen. Aber als ihr Heinz ihr begegnete, war es um sie geschehen. Auf einem Faschingsball im Hohenstaufensaal hatte es zwischen den beiden gefunkt. Heute sind die Eheleute Hedwig und Heinz Hartmann seit 60 Jahren ein Paar und feiern bei guter Gesundheit ihre Diamantene Hochzeit.
Als Hedwig noch beim Vater in Lug wohnte, besuchte sie öfter ihre Schwester in Annweiler. Eines Tages waren dort die Maler am Werk. Der adrette junge Geselle mit den guten Manieren gefiel Hedwig, und wie durch Zufall führte das gütige Schicksal die beiden zueinander. Hedwig war mit ihren Freundinnen zum Ball gekommen. Heinz galt als vorzüglicher Tänzer. Er hatte eine Tanzpartnerin dabei. Nun aber galt seine ganze Aufmerksamkeit nur noch Hedwig. Er ließ sie nicht mehr los. „He, die ist nicht die richtige“, spöttelten seine Freunde. „Doch, die ist schon richtig“, gab Heinz strahlend zurück. Ihre Fahrradausflüge nach Annweiler unternahm Hedwig nun öfter allein. Die Verabredungen mit Heinz hatten zugenommen. Auch er tauchte häufig in Lug auf. Mit Hedwig sah man ihn etwa auf der Kerwe oder beim großen Dorffest, als die fertige Wasserleitung gefeiert wurde. In der Stadtkirche von Annweiler ließen sich die beiden protestantisch trauen. Für die Katholikin Hedwig war das nicht leicht. In jener Zeit gab es noch erhebliche Widerstände zwischen den Konfessionen. Aber Hedwigs Mutter war bereits gestorben, und der Vater war kein Kirchgänger. Das frisch vermählte Paar wohnte zunächst bei Heinz’ Vater im Haus. Heute haben die beiden ein eigenes Haus in der Professor-Schloßstein-Straße. Heinz ist mittlerweile 83 Jahre alt, Hedwig 86 Jahre. Von 1976 bis zum Ruhestand 1995 war Heinz Hartmann als Hausmeister an der Berufsbildenden Schule Annweiler angestellt, versah dort aber noch als Rentner zeitweise den Schließdienst. Hedwig hatte es in einer Hauensteiner Schuhfabrik bis zum Meister gebracht. Sie war Leiterin einer Abteilung für die Warenendkontrolle. Später führte sie in Annweiler zehn Jahre lang ein Heißmangelgeschäft. Die Eheleute sind zufrieden mit ihrem Leben und versorgen sich noch selbst. Früher waren beide beim Kegeln aktiv. Übriggeblieben sind Treffs mit den Klubkameraden. Hedwig hätte den heutigen Jubeltag gerne nur mit ihrem Heinz verbracht. Aber die Schwiegertochter hat alles gut geregelt und geht ihr bereitwillig zur Hand, wenn die Gäste kommen. (ppo)