Seen im Pfälzerwald RHEINPFALZ Plus Artikel Schafwoog Spirkelbach: Der vergessene Badesee im Pfälzerwald (mit Video)

Am Schafwoog ist heutzutage deutlich weniger los, als noc h vor ein paar Jahren.
Am Schafwoog ist heutzutage deutlich weniger los, als noc h vor ein paar Jahren.

Sommernachtsfeste, Badevergnügen und Naturparadies: Der Schafwoog in Spirkelbach hat eine bewegte Geschichte. Wie ein Weiher das Dorfleben prägt

Die „Badewanne der Spirkelbacher“ und Schauplatz zahlreicher Sommernachtsfeste. Volker Schumb, Gründungsmitglied des dort ansässigen Angelsportvereins, erinnert sich nur allzu gern zurück. Bereits 1960 wurde am idyllischen Pfälzerwald gelegenen Schafwoog gefeiert. „Fast 30 Jahre lang waren die Sommernachtsfeste echt der Renner. Da standen Autos kilometerlang die Straße hinunter. Abends schwammen Gläser mit Kerzen auf dem Weiher“, erklärt Schumb. „Es gab eine Waldbar und ein abschließendes Feuerwerk, bei dem das ganze Dorf zusammenkam.“ Mittlerweile gebe es das Fest nicht mehr, doch es ist für Schumb eine von vielen schönen Erinnerungen, die der Schafwoog in Spirkelbach schreibt.

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Doch woher kommt der Name des Weihers? Dorfhistoriker Walter Schmitt ist sich sicher: „In Spirkelbach wurden früher Schafe gehalten und geweidet.“ Über die Entstehung des Pfälzerwald-Sees kann allerdings auch Schmitt nur Vermutungen anstellen. „Wann der Schafwoog entstanden ist, weiß kein Mensch. Da war der Wald, dann entdeckte man die Quelle und man hat alles in die Hand genommen“, sagt Schmitt. Im 19. Jahrhundert habe es rund um Annweiler mehrere Brauereien gegeben, die kühles Bier liefern mussten. Im Winter sei auch das Eis im zugefrorenen Schafwoog gebrochen worden, um es nach Annweiler zu schaffen. „Es gibt einen Steigbrief aus dem Jahr 1867, der belegt, dass Brauereimeister Johannes Brüstle den Schafwoog damals erworben hat“, erklärt Schmitt weiter. Demnach ist der Weiher in jedem Fall vor 1867 entstanden.

Am Ufer des Schafwoogs wurde früher ordentlich gefeiert.
Am Ufer des Schafwoogs wurde früher ordentlich gefeiert.

Probleme rund um den Schafwoog

Ursprünglich wurde der Schafwoog laut Volker Schumb seitlich von einer Quelle gespeist. Noch vor 2012 sei entlang des Weges am Weiher aber eine Gasleitung gelegt worden. Dadurch sei die Quelle gestört und der Wasserzufluss in den Schafwoog immer schlechter geworden. Insgesamt zweimal musste der Weiher ausgebaggert und entschlammt werden – das erste Mal bereits 1997. Damals sei die Aktion mit einem festen Budget von der Gemeinde finanziert worden, der hintere Bereich des Woogs sei dadurch allerdings unberührt und voller Schlamm geblieben. 2012 sei dann eine zweite Ausbaggerung nötig gewesen – als gemeinnütziger Verein sparte der ASV einen großen Betrag an, um die Kosten von 15.000 Euro stemmen zu können. „Wir haben wirklich lange Jahre gespart und den Weiher dann komplett entschlammt.“ Zweimal habe man Glück gehabt, dass der ausgebaggerte Schlamm nicht als Sondermüll entsorgt werden musste, sondern biologisch im Pfälzerwald abgeladen werden konnte. So hätten auch Insekten und Larven die Chance gehabt zu überleben.

Zweimal wurde der Schafwoog ausgebaggert - das letzte Mal 2012.
Zweimal wurde der Schafwoog ausgebaggert - das letzte Mal 2012.

Ein weiteres Problem seien Sandsteinverwerfungen auf einer Seite des Schafwoogs. Im Sandstein spülten sich regelmäßig Löcher frei, wodurch Abflüsse entstünden. Im Normalfall werde der Wasserüberlauf durch ein Rohr auf eine Wiese unterhalb des Schafwoogs geleitet. „Früher ist dann auf der Wiese immer ein kleiner Bach entstanden. Heute versickert das Wasser aber“, beschreibt Schumb. Vor Jahren sei auch die Wiese oberhalb des Schafwoogs beweidet worden. Über den Viehdung seien schädliche Stoffe in das Wasser gelangt. Deswegen sei der Sauerstoffgehalt des Weihers in den letzten zehn Jahren im Sommer grenzwertig gewesen. „Wir hatten wirklich Angst, dass uns der Weiher umkippt“, gibt Schumb zu. „Jetzt ist die Lage zum Glück wieder entspannt, nur die Algenblüte macht uns immer noch zu schaffen.“

Der Schafwoog: Artenvielfalt und Gemeinschaftsgefühl

Der 1996 gegründete Angelsportverein übernahm die Pacht des Schafwoogs vom Pfälzerwald-Verein, der das Gewässer von den 1960er- bis zu den 1990er-Jahren betreute. Zügig wurden Fische eingesetzt, sodass man heute eine große Artenvielfalt bestaunen kann. „Der Fischbesatz reicht eigentlich von A bis Z. Mittlerweile sind hier aber überwiegend einheimische Fische – also Weißfische, Hechte, Karpfen, Zander und Moderlieschen zu Hause“, freut sich Schumb. Auch eine kleine Eisvogelpopulation könne man entdecken, seit Kurzem seien auch ein paar entflohene oder ausgesetzte Gelb- und Rotwangenschildkröten im Weiher zu finden. Darüber hinaus sei der Schafwoog eine wichtige Laichstelle für Amphibien. In einem kleineren, zweiten Becken hinter dem Woog seien im Sommer zudem mehrere große Ringelnattern zu Gast. Ein Großteil der Fische ist laut Schumb aber auch durch Enten in den Schafwoog gekommen, die den Fischlaich im Gefieder tragen. Man könne sogar Goldfische entdecken. „Die muss mal jemand hier im Schafwoog entsorgt haben. Früher schlossen wir eine Wette ab. Immer wenn jemand einen Goldfisch sieht, muss er für die anderen vom ASV einen Kasten Bier bereitstellen“, erinnert sich Schumb.

Nicht nur Fische, sondern auch Amphibien, Reptilien und Eisvögel sind am Schafwoog zuhause.
Nicht nur Fische, sondern auch Amphibien, Reptilien und Eisvögel sind am Schafwoog zuhause.

Auch an zahlreiche Badeausflüge zu dem Waldsee denkt der Rentner gerne zurück. Der Weiher sei Jahrzehnte lang die „Badewanne der Spirkelbacher“ gewesen – an der tiefsten Stelle sei er zwei Meter tief. Heute springen Wasserratten dort immer noch gerne ins kühle Nass, wenn auch nicht im selben Maße wie früher. Auch im Winter habe es immer wieder Events am Schafwoog gegeben. „Da gab es dann auch mal ein spontanes Fest mit Glühwein. Der zugefrorene Schafwoog wurde mit Halogenlampen ausgeleuchtet und diente als Fläche zum Eislaufen. In ganz Spirkelbach hieß es dann: Ab an den Weiher!“ In den letzten Jahren friere der Schafwoog allerdings nicht mehr zu.

Zukunft des Schafwoogs sichern

Die Arbeit des ASV sei im Vergleich zu vergangenen Jahren ebenfalls zurückgegangen. „Früher haben wir rund um die Spirkelbacher Kerwe immer ein Fischessen organisiert. Das war lange Jahre ein Highlight, aber die Anzahl der Helfer ist endlich. Das Niveau konnten wir nicht halten.“ Umso mehr hofft Schumb, dass zumindest der Schafwoog erhalten bleibt. „Die Pfunde von Spirkelbach sind eigentlich die Lage und die Natur. Ich würde mir wünschen, dass sich der neue Vorstand des ASV mehr um den Weiher kümmert“, sagt der ehemalige Vorsitzende. Damit es auch in Zukunft heißt: Ab an den Weiher!

Wandertipp

Ganz in der Nähes des Schafwoogs beginnt eine tolle Wanderung. Sportliche Auf- und Abstiege, tolle Felsformationen, eine zuverlässige Markierung und schöne Weitblicke: Die Spirkelbacher Höllenberg-Tour hat alles, was eine gute Wanderung im Pfälzerwald braucht. Hier geht es zu unserem Wandertipp.

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