Kreis Südliche Weinstraße Schüler malen für die Polizei
Ein schreiendes Kleinkind, eine verzweifelte Frau und ein Mann, der vor Wut außer sich ist – eine beunruhigende und gefährliche Szene. „Eine typische Situation häuslicher Gewalt“, sagt der Chef der Polizeiinspektion Bad Bergzabern, Kurt Braun, zu diesem Bild, das seit Kurzem im Eingangsbereich des Polizeigebäudes hängt.
Es ist eines von den drei Siegerbildern, die Yannik, Andreas und Tim von der achten Klasse des Gymnasiums im Alfred-Grosser-Schulzentrum gemalt haben. Ingesamt hängen zwölf Bilder von Schülern im Gebäude der Polizei als Ergebnis einer ungewöhnlichen Kooperation. „Die Idee entstand im Kollegenkreis. Wir wollten den Eingangsbereich neu streichen und freundlicher gestalten“, erzählt Kurt Braun. „Bürger und Polizei, gemeinsam mehr Sicherheit“ lautete das Thema, mit dem Hauptkommissar Helmut Schneider zum Gymnasium nach Bad Bergzabern ging. 50 Schüler der Klassen 8a und 8b haben sich dann daran beteiligt, das Thema mit Pinsel und Farbe umgesetzt. Bewertet wurden die Bilder von den rund 40 Polizeibeamten, die in Bad Bergzabern arbeiten. „Das Thema ,Bürger und Polizei, gemeinsam mehr Sicherheit’ war zunächst schwierig, wir haben erst mal überlegt, was alles zu diesem Thema gehört“, erinnert sich Kunstlehrer Franz Leschinger an die Anfänge. Drogen, Verkehr, Vandalismus oder Gewalt in engen Beziehungen seien Schlagwörter gewesen, die die Schüler dann umgesetzt hätten. Zwei der Sieger, der 13-jährige Yannik und der 14-jährige Andreas, haben in ihren Bildern häusliche Gewalt thematisiert. Der eine in einer sehr emotional geprägten Szene, der andere hat als Figuren Homer und Marge, das Ehepaar aus der Serie „Die Simpsons“, genommen. „Häusliche Gewalt ist leider ein aktuelles und wichtiges Thema, es wurde gut umgesetzt“, ist das Lob des Polizeichefs, der die Praxis nur zu gut kennt. Die Wichtigkeit von Zeugenaussagen und die Mithilfe bei der Ermittlung von Tätern war das Thema von Tim, dem sich auch viele andere Schüler angenommen haben. Handtaschendiebstahl, Bankraub, kriminelle Mails oder einfach nur Auffälligkeiten, bei denen die Polizei gerufen werden sollte, wurden mit Pinsel und Farbe umgesetzt. „Es war schwer, weil Menschen schwer zu malen sind“, sagt Kunstlehrer Leschinger. Kurt Braun freut sich über das ungewöhnliche Projekt und die Resonanz, die es im Haus und auch bei Besuchern erfahren hat. Und über die unkomplizierte Zusammenarbeit, nicht nur in diesem Kunstprojekt, sondern auch im Schulalltag. „Wir haben kurze Wege, wenn etwas passiert“, so Braun. Für die beiden Schulklassen gab es 100 Euro als Anerkennung für ein gelungenes Projekt. Yannik, Andreas und Tim finden es „cool“, dass ihre Bilder bei der Polizei hängen. |pfn