Südliche Weinstrasse / Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Schüler kritisieren Maskenpflicht bei schriftlichem Abitur

Durch das Tragen einer Maske fühlen sich viele Schüler in ihrer Konzentrationsfähigkeit eingeschränkt.
Durch das Tragen einer Maske fühlen sich viele Schüler in ihrer Konzentrationsfähigkeit eingeschränkt.

Die Abiturvorbereitung war durch die Pandemie erschwert, die Prüfung wird es nun auch. Das sehen zumindest Schüler und Eltern so, die sich gegen die Maskenpflicht bei den Abschlussprüfungen aussprechen. Sie fühlen sich benachteiligt und alleingelassen vom Bildungsministerium. Doch sind wirklich alle Masken so schlimm?

Januar ist Abiturzeit in Rheinland-Pfalz. Daran ändert auch Corona nichts. Die Prüfungsordnung des Bildungsministeriums sieht für alle G9-Gymnasien – also solche mit neunjährigem Bildungsgang – vor, dass die schriftlichen Prüfungen zwischen 5. und 26. Januar durchgeführt werden müssen. Schülerinnen und Schüler sitzen also in den nächsten Wochen wieder bis zu fünf Zeitstunden am Stück an ihren Reifeprüfungen.

Im Vergleich zu den Jahrgängen vor der Pandemie haben die Prüflinge aber einen entscheidenden Nachteil: Sie müssen die ganze Zeit über eine Maske tragen. Zumindest empfindet es die MSS 13 des Trifels-Gymnasiums Annweiler als Nachteil. „Diese neue Verordnung ist für uns als Abiturienten absolut untragbar“, sagt Milena Heger, Schülervertreterin und Schülerin der MSS 13. „Durch die Masken kann man schwerer atmen. Einige Schülerinnen und Schüler bekommen vom dauerhaften Maskentragen Kopfschmerzen und es ist fast unmöglich, sich bei der Prüfungsdauer zu konzentrieren.“

Land garantiert Maskenpausen

Das rheinland-pfälzische Gesundheitsministerium begründet die Entscheidung der Maskenpflicht mit der erschwerten Infektionslage und der Rüstung des Landes gegen die Omikron-Variante des Coronavirus. „Dabei gibt es aber auch ausreichend Möglichkeiten für Maskenpausen“, sagt Pressesprecherin Sabine Schmidt. Für Heger spendet die Antwort nur wenig Trost. Die Maskenpausen würden den Schreibprozess und die Konzentration der Schüler erheblich beeinträchtigen. Außerdem würden diese kurzen Pausen nicht zur Verminderung von Kopfschmerzen oder sonstigen Atembeschwerden verhelfen.

Die Maskenpausen werden laut Landesregelung während der Stoßlüftungszeiten gewährleistet – sprich alle 20 Minuten. Falls es dadurch zu Beeinträchtigungen komme, könne die Arbeitszeit angemessen verlängert werden, sagt das Gesundheitsministerium.

Arzt empfiehlt medizinischen Mund-Nasen-Schutz

Der Landauer Hausarzt Ortwin Bitzer kann die Bedenken der Schüler zum Teil bestätigen. Generell führe eine FFP2-Maske immer zu einem mehr oder weniger leichten Atemwiderstand, wodurch die effektive Sauerstoffaufnahme über die Atmung geringfügig eingeschränkt wird. Dieser Fakt wirke sich vor allem dann aus, wenn das Tragen der Maske mit körperlicher Arbeit verbunden ist. „Bei einer fünfstündigen Abiturprüfung, verbunden mit geistiger Anstrengung, muss jedoch ebenfalls mit einer vielleicht nicht messbaren, aber sicher fühlbaren Einschränkung der intellektuellen Leistungsfähigkeit gerechnet werden“, sagt der Allgemeinmediziner.

Dies gelte jedoch nicht für einen medizinischen Mund-Nasen-Schutz (MNS), da das meist zwei- bis dreilagige dünne Fließmaterial einen erheblich geringeren Atemwiderstand bei der Ein- und Ausatmung bewirkt. Der Schutz vor einer Corona-Infektion sei trotz der geringeren Schutzwirkung solcher Masken, dann gegeben, wenn alle eine solche Maske tragen, da so für ausreichend Fremdschutz gesorgt sei. Der Arzt empfiehlt daher das verbindliche Tragen einer MNS-Maske für alle Personen im Prüfungsraum.

Aufteilung in kleine Gruppen

„Natürlich müssen wir alle unseren Beitrag zur Eindämmung der Pandemie leisten. Uns stellt sich jedoch die Frage, ob man in einer so besonderen Situation wie der Abiturprüfung nicht auf andere Maßnahmen zurückgreifen kann“, findet Heger. Eine solche Maßnahme sei in den Augen der Oberstuflerin und ihren Mitschülern zum Beispiel eine allgemeine Testpflicht vor der schriftlichen Prüfung. Diese gilt nämlich nur für nicht Geimpfte und nicht Genesene.

Auch Pauline Becker legt in den kommenden Wochen ihr schriftliches Abitur am Trifels-Gymnasium ab. Sie findet, dass die Aula, in der die Prüfungen abgehalten werden, so groß sei, dass der Mindestabstand höchstwahrscheinlich gewährleistet werden kann. Eine weitere Alternative sei das Aufteilen der zu Prüfenden in kleine Gruppen. „Es ist uns bewusst, dass dies mehr Lehrkräfte und Aufwand bedeutet, jedoch sollte dieser bei einer so entscheidenden Prüfung zu bewältigen sein“, sagt sie.

Verschiebung des Abis stand nie zur Debatte

Eine zeitliche Verschiebung des Abiturs fordern Heger und Becker nicht. Das stand auch beim Ministerium nicht zur Debatte, da die Schüler sich eben auf die definierten Prüfungszeiträume eingestellt und vorbereitet hätten. Doch auch die Vorbereitung sei in der Pandemiezeit keine einfache gewesen. „Durch die teilweise schlechten Verbindungen während den Videokonferenzen oder auch der ungewohnten Situation, sich den Stoff zum Teil selbst erarbeiten zu müssen, sind Defizite entstanden, die wir nun während den Vorbereitungen aufs Abitur ausgleichen müssen“, sagt Becker, betont aber auch, dass die freiwillige Selbstquarantäne, in die sich viele Schüler begeben, sowieso kaum Beschäftigungsalternativen lassen.

Die Pandemie ist gerade für Oberstufenschüler keine einfache Zeit. Neben der Abschlussfahrt müssen die kommenden Abiturienten vielleicht auch auf ihren Abiball verzichten. „Uns allen sind die außergewöhnliche Lage und die Brisanz der Situation aufgrund der neu auftretenden Omikronvariante des Coronavirus bewusst und wir verstehen, dass alles Mögliche versucht werden muss, um die Pandemie einzudämmen“, weiß Heger. „Als Schülerinnen und Schüler haben wir uns aber in der Pandemiesituation vom Kultusministerium übergangen und allein gelassen gefühlt.“

Bildungsministerin Hubig verteidigt Regelung

Die Landesvertretung der Schülerinnen und Schüler hatten sich am Montag gegen eine Maskenpflicht ausgesprochen, die es im Abiturjahrgang vor einem Jahr übrigens nicht gab. Auch der Landeselternbeirat und der Regionalelternbeirat Trier kritisieren die Pflicht zum Tragen einer Maske bei den schriftlichen Abiturprüfungen. Sie fordern stattdessen verpflichtende Tests für alle und sofern möglich die Einhaltung eines Abstandes von zwei bis drei Metern. Außerdem sollten Schulen, die über gute mobile Raumluftreiniger und Plexiglastrennscheiben verfügen, diese in den Prüfungsräumen aufstellen. Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) bekräftigte am Dienstag jedoch die Regelungen des Landes. Es bleibt in Rheinland-Pfalz also bei der Maskenpflicht für Prüflinge des Abiturjahrgangs 2022.

Mehr zum Thema
x