Kreis Südliche Weinstraße RHEINPFALZ Plus Artikel SÜW: Wie wandert man richtig?

Mobilität, Kräftigung, Koordination, Dehnung: Um das zu verbessern, wird beim Gesundheitswandern immer wieder für kurze Übungen
Mobilität, Kräftigung, Koordination, Dehnung: Um das zu verbessern, wird beim Gesundheitswandern immer wieder für kurze Übungen angehalten. Foto: Iversen

Wandern ist gesund. Das ist wissenschaftlich bestätigt. Daher hat die Betriebskrankenkasse Pfalz die Initiative Wanderfit gegründet. Zum Angebot gehören auch Gesundheitswanderungen. Trotz des Regens war eine Tour rund um Leinsweiler besonders gesund. Warum? Das erklärt Wanderführer Jochen Wachowski.

Etwa 20 Wanderer bilden im Wald einen Kreis, der Regen prasselt auf die bunte Wanderausrüstung. Wanderstöcke und Rucksäcke haben die Ausflügler unter Bäumen abgelegt. Hochkonzentriert strecken sie die Arme nach vorne und schauen auf ihre Hände. „Links Hasenohren, rechts Pistole, dann andersherum – immer im Wechsel“, sagt Wanderführer Jochen Wachowski. Die Ersten kichern. Es ist eine der Koordinationsübungen, die Gesundheitswanderführer Wachowski seinen Schützlingen bei der Tour über den Slevogtweg bei Leinsweiler zeigt. Die Übungen seien gerade für ältere Menschen wichtig, sagt er. Dadurch würden sie zum Beispiel seltener über Wurzeln oder Steine stolpern. Dreimal hält die Truppe an, kreist die Schultern und die Arme, dehnt die Hüften und die Beine. Normalerweise gebe es mehr Übungen, etwa zum Thema Achtsamkeit. Er wolle die Teilnehmer aber nicht so lange im Regen stehenlassen, daher verzichte er dieses Mal auf manche Übungen.

Immer mehr haben Interesse

Die Teilnehmer der von der BKK Pfalz organisierten Gesundheitswanderung sind vor allem älteren Semesters, ein paar junge Leute sind aber auch dabei. Einige sind sogar extra für die Tour angereist. Felix Lindenfelser beispielsweise kommt aus Bruchsal und ist zufällig auf die Webseite der Initiative Wanderfit gestoßen. Er habe schließlich über deren Newsletter von der Wanderung erfahren. Isolde Trottenberg ist aus Mainz angereist. Sie habe sich über die Dehn- und Koordinationsübungen gefreut, die werde sie ab jetzt auch bei eigenen Wanderungen einbauen, sagt sie.

Jens Hottel von der BKK ist auch bei der Wanderung dabei und erzählt, wie zu Anfangszeiten nur Mitarbeiter teilgenommen haben. „Wir haben die Initiative Mitte 2017 gegründet. Da war vielleicht mal ein Gast dabei. Heute sind es über 20. Es kommen immer mehr“, sagt er freudig. Etwa zehn solcher Wanderungen habe es bereits gegeben. Dieses Mal geht es knapp zehn Kilometer durch den Wald, vorbei an schönen Aussichtspunkten, die auch der Maler Max Slevogt in seinen Werken festgehalten hat – daher der Name des Weges. Eine Szene beeindruckt die Spaziergänger besonders. Nach einer Biegung ist plötzlich der Blick auf eine malerische Szenerie frei: Mystisch wabert der Nebel um die Burgen Trifels, Anebos und Münz.

Gut fürs Herz

Knapp zehn Kilometer durch den Pfälzerwald, Dehn-, Mobilitäts- und Kräftigungsübungen und frische Luft – was genau macht diese Tour so gesund? „Eigentlich sind alle Wanderungen gesund“, sagt Wachowski. Das Gesundheitswandern zeichne sich vor allem durch die beschriebenen Übungen aus. Noch wichtiger sei allerdings die Bewegung an frischer Luft: „Das Gehirn freimachen und runterkommen.“ Das sei gesund für die Seele, sagt der Wanderführer. Auch wenn man nur ab und zu wandern gehe, Blutzucker, Herz, Ausdauer, alles werde dadurch verbessert. Es gebe inzwischen auch Studien, die das belegten.

Die BKK hat zum Beispiel in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Gesundheit in Karlsruhe und Stuttgart eine solche Studie erstellt. Wandergruppen sind dazu fünf- bis zehnmal innerhalb von drei Monaten gewandert. Die Ergebnisse überraschten selbst die Forscher: Gerade die älteren Teilnehmer, bei denen sich in einem solchen Zeitraum die Muskelmasse im Körper normalerweise reduziert, haben während der Studie Muskeln aufgebaut.

Man könne beim Wandern allerdings auch viel falsch machen, sagt Wachowski. Ein Beispiel seien Wanderstöcke: Viele liefen mit Nordic-Walking-Stöcken, die eigentlich dazu da sind sich abzustoßen und daher nicht gefedert sind. Häufig seien diese auch falsch eingestellt. „Wenn Ober- und Unterarm einen 90-Gradwinkel bilden, sind sie richtig eingestellt“, erklärt Wachowski.

Das Wichtigste: viel trinken

Auch beim Essen und Trinken könne man Fehler machen. „Das wichtigste – auch bei geringer Belastung – ist ausreichend Flüssigkeit“, erklärt die Landauer Ernährungsberaterin Antonia Wiedekind im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Isotonische Getränke oder Saftschorle würden sich besonders eignen, da darin wichtige Mineralien enthalten sind. Wer lieber Wasser oder Tee trinke, müsse diese Mineralien dann über die Nahrung aufnehmen. Bei längeren Wanderungen seien zum Beispiel Vollkornbrote mit Käse oder auch kohlenhydratreiche Salate wie Nudelsalat zu empfehlen. „Als Snack für zwischendurch ist frisches Obst sinnvoll. Das hilft zum Beispiel bei Unterzucker am schnellsten“, erklärt Wiedekind. Müsse auf das Gewicht im Rucksack geachtet werden, sei getrocknetes Obst geeignet. Da es sich beim Wandern um eine Ausdauerbelastung handle, brauche der Körper nicht mehr Kalorien als sonst. Bei höherer Belastung, also bei leistungsorientierten Touren, müsse allerdings auf genügend Kohlenhydrate geachtet werden, sagt Wiedekind.

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