Kreis Südliche Weinstraße
Südpfalz: Was Kreishandwerkerschaft gegen Nachwuchsmangel tun will
Mit Kalenderhelden und mehr Geld gegen Nachwuchsmangel? Das Ausbildungsjahr hat gerade begonnen und wieder sind Lehrstellen unbesetzt. Was wollen die Kreishandwerkerschaft und ihre Mitgliedsbetriebe dagegen tun?
„Wir haben hier immer noch ein Problem, weil wir bei der Vergütung nicht mit der BASF oder einer Bank mithalten können“, räumt Klaus Seiferlein, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Südpfalz-Deutsche Weinstraße ein, wenn er über die Attraktivität des Handwerks spricht. Seiferlein rechnet für sein Zuständigkeitsgebiet mit etwa 450 neuen Ausbildungsverhältnissen. Knapp 900 Betriebe aus Landau und Neustadt sowie den Landkreisen Südliche Weinstraße, Germersheim und Bad Dürkheim, sind in der Kreishandwerkerschaft organisiert.
Aufschlag auf Vergütung
„Wir werden auch das Geld sprechen lassen“, kündigt Seiferlein an. So gebe es mittlerweile im Fleischerhandwerk einen monatlichen Aufschlag auf die Ausbildungsvergütung. Und bei den Dachdeckern oder im Elektrohandwerk steht laut Seiferlein ab diesem Lehrjahr ein Gehaltsaufschlag an.
Immer noch münde die Unentschlossenheit bei der Berufswahl oft in einen längeren Schulbesuch. Doch das Handwerk könne eine Alternative sein. Viele Betriebe setzten auf Schul- und Berufsmessen: „Wir müssen uns bei den jungen Leuten bewerben“, so Seiferlein. Das betont auch Kreishandwerksmeister Thomas Liedy, der in Lambrecht den Malerbetrieb Otto Annweiler leitet. „Wir müssen rausgehen und uns zeigen“, sagt er.
Mit Flüchtlingen sehr zufrieden
Das Handwerk habe in der Vergangenheit „ein bisschen Imageschaden“ erlitten, mittlerweile spüre er aber wieder Aufwind. Sein Betrieb habe sieben Lehrlinge, und er hätte sogar noch mehr einstellen können. Darunter seien auch zwei Flüchtlinge, mit denen er sehr zufrieden sei. „Sie sprechen schon sehr gut deutsch, sind diszipliniert, intelligent und wissbegierig“, lobt er.
Auch Liedys Kinder, ein Sohn und eine Tochter, sind in den Betrieb eingestiegen. Die Tochter habe nach dem Abitur eine Ausbildung gemacht und dann noch studiert. Der Sohn habe zwei Ausbildungen abgeschlossen. „Man kann im Handwerk mit einer qualifizierten Ausbildung einen guten Job bekommen“, unterstreicht Liedy. Das jedoch müsse den jungen Leuten aufgezeigt werden – am besten schon in der Schule. Beispielsweise im Werkunterricht, schlägt er vor. „Wir müssen die jungen Leute ihre handwerklichen Fähigkeiten testen lassen und sie dadurch fürs Handwerk begeistern.“ Begeisterung für den Job sei durch nichts zu ersetzen, auch nicht durch Geld.
Am Image arbeiten
Die Kreishandwerkerschaft setzt außerdem auf eine Verbesserung des Images. „Der Handwerker, der im Winter die defekte Heizung oder das kaputte Dach nach einem Sturm repariert, der ist doch ein Helfer, eigentlich ein Held“, so Seiferlein. Hier setze auch die neue Kampagne zur Nachwuchswerbung an: Ein Baustein ist ein Kalender, der Schreiner oder Elektriker in Szene setzt. Die Werbung orientiert sich an den mittlerweile verbreiteten Feuerwehrkalendern. Seiferlein appelliert zudem an die Handwerksbetriebe, aktiv zu werden: „Wir müssen selbst ausbilden, um qualifizierten Nachwuchs in die Betriebe zu bekommen“, sagt er.
Viele Betriebe haben dennoch große Probleme. Peter Busching beispielsweise, der einen Stuckateur-Betrieb in Haßloch leitet, hat vor drei Jahren zum letzten Mal ausgebildet. Seither hat er niemanden mehr gefunden. „Es haben sich zwar ein paar Leute gemeldet, aber die hatten zu schlechte Zeugnisse“, sagt er. In früheren Jahren habe er durchaus probiert, auch solchen Leuten eine Chance zu geben. Die Erfahrungen seien allerdings überwiegend negativ gewesen. Das größte Problem ist seiner Meinung nach die fehlende Unterstützung des Elternhauses. Busching sieht auch keine Tendenz hin zu einer Verbesserung der Lage. Im Gegenteil. „In diesem Jahr hat sich nicht ein einziger Interessent gemeldet.“
Anderen Kollegen geht es ähnlich. Der Stuckateur-Betrieb Funk aus Maikammer hat 2010 zum letzten Mal ausgebildet. „Wenn ich auf eine Ausbildungsmesse gehe, sagen alle, dass sie studieren wollen“, sagt Stefanie Funk. Auch auf der Internetseite der Kreishandwerkerschaft finden sich etliche Betriebe, die sofort Auszubildende einstellen würden. Infos zu freien Lehrstellen gibt’s unter www.khsdw.de.
Info
Mit dem 1. August ist die Berufsausbildungsbeihilfe für Auszubildende gestiegen. Reicht die Vergütung nicht für Unterkunft und Lebensunterhalt, kann die Arbeitsagentur Berufsausbildungsbeihilfe zahlen. Falls es bei der Ausbildung Probleme gibt, können Lehrlinge unter anderem ausbildungsbegleitende Hilfen in Anspruch nehmen. Ansprechpartner ist die Agentur für Arbeit in Landau, erreichbar unter der Hotline 0800 4555500.