Kreis Südliche Weinstraße
Südpfalz: Drohnen sollen Schlupfwespeneier zur Schädlingsbekämpfung ausbringen
Der Maiszünsler sorgt vermehrt für Ernteausfälle – auch in der Südpfalz. Der Maschinenring, er stellt Bauern unter anderem Gerät zur Verfügung, will nun auf Drohnen setzen, die auf Feldern Schlupfwespeneier ausbringen. Sind die kleinen Tierchen geschlüpft, sollen sie dem Schädling den Garaus machen.
Maiszünsler lieben Mais – zum Nachteil der Maispflanzen. Der Schädling legt seine Eier zunächst an der Pflanze ab. Die Larven fressen sich anschließend in den Stängel und höhlen diesen aus. Irgendwann knickt die Pflanze ab – und die Ernte ist weg. Ertragsausfälle von bis zu 50 Prozent sind ohne Bekämpfung des Maiszünslers keine Seltenheit.
Der Maschinenring Südpfalz – er stellt Landwirten unter anderem Arbeitsgerät zur Verfügung – will den Bauern in der Region helfen, sich gegen den Maiszünsler zu schützen. Deshalb denkt die Interessengemeinschaft darüber nach, auf Drohnen zu setzen, die auf Feldern Schlupfwespeneier ausbringen. Sind die kleinen Tierchen erstmal geschlüpft, sollen sie dem Schädling das Handwerk legen.
Wespen fressen Eier
Die Methode wurde am Mittwoch auf einem Acker zwischen Hayna und Erlenbach vorgestellt. „Wir möchten den Landwirten damit auch zeigen, dass es Alternativen zum chemischen Pflanzenschutz gibt“, sagte Maschinenring-Geschäftsführer Markus Glaser. Aber wie funktioniert die neue Methode genau? Nachdem eine Drohen die Schlupfwespeneier auf einem Maisfeld ausgebracht hat, schlüpfen die Tierchen nach rund zwei Tagen. Ist das vollbracht, suchen sie die Eier des Maiszünslers und fressen diese. Haben sie alle Eier vertilgt und finden keine weiteren Nahrungsquellen, sterben sie. Nach Angaben des Maschinenrings werden mit dieser Methode andere Insektenarten verschont, das fördere die Artenvielfalt auf dem jeweiligen Acker.
„Den Mais verfüttern wir an unsere 8000 Legehennen“, sagte Petra Runck, auf deren Feld die neue Methode am Mittwoch angewandt wurde. Die biologische Bekämpfung des Schädlings mit Schlupfwespen sei für ihren Betrieb kein Novum, wohl aber deren Verteilung per Drohne. „Ohne die Drohne müssen Kärtchen mit Schlupfwespeneiern vom Landwirt mit der Hand in den Feldern verteilt werden“, erläuterte Runck, pro Hektar seien 50 Karten nötig – ein erheblicher Zeitaufwand für die Landwirte. Für die Landwirtin kommt der Einsatz von Pestiziden auf den Feldern des Betriebs nicht infrage. „Wir denken an Insekten und Vögel.“ Auch deshalb sei ihr Betrieb an dem neuen Angebot der Ausbringung per Drohne sehr interessiert.
330 000 Tiere pro Hektar
Gegenüber der RHEINPFALZ betonen Glaser und sein Geschäftsführer-Kollege Rüdiger Stenzel, dass nicht nur die Anzahl der vom Maiszünsler befallenen Flächen angestiegen sei, sondern auch die Intensität des Befalls. Deshalb bestehe Handlungsbedarf. Hermann Heidweiler vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum berichtet, dass es die Schlupfwespeneier-Methode für Pflanzenschutz schon seit 40 Jahren gebe. Neu sei jetzt die moderne Drohnentechnik zur Ausbringung der Schlupfwespeneier.
Dazu werden mit Larven präparierte Gelege in rund zwei Zentimeter große, vollständig abbaubare Cellulose-Kapseln verpackt. Die Drohne wird von Akkus gespeist und hat ein Behältnis mit diesen Kapseln. Beim Überfliegen einer Ackerfläche wirft die Drohne in einem vorgegebenen Abstand 100 Kugeln pro Hektar (mindestens 330.000 Tiere) mit Schlupfwespeneiern ab. Im Abstand von sieben Metern lässt die Drohne je eine Kugel aus 25 Metern Flughöhe auf das Feld fallen. Eine solche Drohne kostet rund 12.000 Euro. Ob sich auch der Maschinenring Südpfalz Drohnen zulegt, hängt nach den Worten von Glaser von der Nachfrage der Landwirte ab.