Kreis Südliche Weinstraße Rot ist der Schlüssel zum Strom

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Andrea ist 36 Jahre alt und Altenpflegerin von Beruf. Sie lebt in Bad Bergzabern und erzieht ihre vier Kinder allein. Das jüngste Kind ist 18 Monate alt, das älteste neun Jahre. Eine Stromnachzahlung von 728 Euro kann sie nicht bezahlen. Die Konsequenz: Vor 69 Tagen wird ihr Stromzähler ausgebaut und durch einen aktiven Kassierzähler ersetzt, den sie wöchentlich „füttert“, um Strom zu bekommen.

„Ich habe kein Problem, meinen Namen zu nennen, aber ich möchte es wegen der Kinder nicht“, sagt Andrea im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Gekommen sind auch der Geschäftsführer der Stadtwerke, Christian Müller, und der dienstälteste Mitarbeiter der Stadtwerke, Elektriker Siegmar Zeiß. „Ab 100 Euro Schulden bekommen die Kunden zunächst eine Mahnung, wenn sich nichts tut, die Androhung der Sperrung“, erklärt Müller. Von den 6200 Kunden der Stadtwerke sind aktuell zwölf Zähler gesperrt, weil sich die Kunden nicht melden oder unbekannt verzogen sind. 13 Zähler seien aktive Kassierzähler, so Müller. Das heißt, die Verbraucher bezahlen den täglichen Strom in kleinen Beträgen und zahlen damit auch gleichzeitig ihre Schulden ab, denn die Kilowattstunde kostet 50 Cent und liegt damit etwas über dem üblichen Preis. Rot ist im wahrsten Sinne des Wortes der Schlüssel zum Strom. Mit ihrem roten Schlüssel geht Andrea zu den Stadtwerken und zahlt beispielsweise 50 Euro ein. Dann wird ihr Zähler bei den Stadtwerken programmiert. Zu Hause steckt sie den Schlüssel in den Zähler, der ihr dann anzeigt, wie viel Guthaben sie hat. „Nach zwei bis drei Wochen hat man ein Gefühl dafür, wie lange das Guthaben noch reicht“, sagt Andrea. Auch, dass sie sich deswegen nicht schämt. 36,91 Euro beträgt ihr Guthaben an diesem Tag. „Ich gehe diese Woche noch zu den Stadtwerken, damit es übers Wochenende reicht“, sagt sie. Seit sie den Zähler hat, ist ihr Stromverbrauch um rund die Hälfte gesunken. „Man denkt erst über Sparen nach, wenn man ins Wasser gefallen ist, das passiert mir nicht mehr“, sagt sie. Die Waschmaschine laufe zum Beispiel jetzt immer nur voll. „Der Zähler bleibt drin, auch wenn die Schulden abbezahlt sind“, ist ihr Wunsch. Und sie will, wenn das Kleinste im November in die Kita kommt, wieder arbeiten. Zurzeit bleiben ihr 500 bis 600 Euro für den gesamten Lebensunterhalt, abzüglich der Festkosten, aber inklusive der Stromzahlungen für den Zähler. „Ich mache alles zu Fuß, der Bus kostet 1,70 Euro, das gebe ich nicht aus“, sagt Andrea. Die Miete zahlt die Arge, aber nur noch bis April, dann muss sie eine neue Wohnung finden. Denn die Miete sei mit fast 600 Euro für 130 Quadratmeter, in denen fünf Personen leben, zu hoch, sagt die Arge. „Sie hätten sich ja keine Kinder anschaffen müssen“, habe sie schon bei der Suche nach einer neuen Wohnung zu hören bekommen, erzählt Andrea. Das ärgert sie. Und sie hofft, dass es einen Vermieter gibt, der eine passende Wohnung hat. Und dass sie so schnell wie möglich wieder Vollzeit und mit voller Bezahlung in ihrem Beruf arbeiten kann. (pfn)

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