Kreis Südliche Weinstraße Rohrbacher Agentur Reflect will Büros menschlicher machen

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Je größer das Wohlbefinden der Mitarbeiter, umso erfolgreicher ist das Unternehmen. So lautet das Credo der Rohrbacher Beratungsagentur Reflect, die seit mehr als 20 Jahren mit großen und mittelständischen Betrieben zusammenarbeitet. Ein Aspekt steht neuerdings besonders im Fokus: die Gestaltung des Arbeitsplatzes.

Es klingt einfach: Fühlen sich die Mitarbeiter in ihrem Unternehmen wohl, können sie sich entfalten und dafür sorgen, dass die wirtschaftlichen Ziele des Betriebs erreicht werden. Allerdings gelangen Firmen früher oder später an einen Punkt, an dem sie einen neuen Impuls benötigen, um innovativ zu sein. Wenn sie eine neue Strategie entwickeln, sich neu aufstellen oder die Unternehmenskultur erneuern wollen. Hier kommt das Rohrbacher Beratungsunternehmen Reflect ins Spiel. 1995 von Ingo Kallenbach und weiteren Studenten der Universität Koblenz-Landau gegründet, beschäftigt Reflect heute bundesweit 25 Mitarbeiter mit psychologisch-pädagogischen, medizinischen und kaufmännischen Hintergründen. Sie zeigen Führungskräften Wege auf, wie sie das Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter steigern. Zudem analysieren sie, an welchen Stellschrauben auf den Ebenen des Teams und der Organisation gedreht werden muss, um den Betrieb zukunftsfähig zu machen. Kallenbach nennt diesen Ansatz „Gesunde Organisation“, die er auch in einem Buch zusammengetragen hat.

Betriebe über Jahre betreut

Kallenbach berichtet: „Zu unseren Kunden zählen Betriebe, die mindestens 70 Mitarbeiter beschäftigen. Wir haben aber auch Unternehmen mit mehr als 4000 Angestellten betreut.“ BASF, Bosch und die Deutsche Bahn sind nur drei der großen Kunden des gebürtigen Karlsruhers und seines Teams, die im vergangenen Jahr einen Umsatz im niedrigen siebenstelligen Bereich erwirtschaftet haben. „Unsere Zusammenarbeit ist immer ein Prozess, wir begleiten die Unternehmen mehrere Jahre. Veränderungen brauchen schließlich Zeit“, sagt Kallenbach, der nach dem Studium beim Otto-Konzern und der Deutschen Bank beschäftigt war, ehe er 2003 die Geschäftsführung bei Reflect übernahm. Der Sitz ist in Rohrbach, wobei vor wenigen Wochen ein Umzug innerhalb der Gemeinde auf dem Plan stand. Rund 400.000 Euro wurden in das neue Firmengebäude investiert. Dort ist nicht nur mehr Platz, sondern auch die Möglichkeit, Kunden zu veranschaulichen, wie das Büro von Morgen gestaltet sein sollte. Das spiele eine bedeutende Rolle, um den Kampf um die Nachwuchstalente für sich zu entscheiden. „Moderne Büros müssen flexibel und menschlicher sein“, sagt Kallenbach. Um Betrieben diesen Aspekt näherzubringen, wirkt Reflect seit Kurzem in einem Projekt mit.

Von Arbeitsraum zu Lebensraum

Officina Humana, so der Name der Initiative, wurde nach einer Idee von Jan Teunen vom Arbeiter-Samariter-Bund Hessen als Organisationsentwicklungsprogramm für Unternehmen entwickelt. Dabei wird das Ziel verfolgt, Arbeitsräume in Lebensräume umzuwandeln, in denen das Beste aus den Menschen herausgekitzelt und berufsbedingten Erkrankungen entgegengewirkt werden kann. Kallenbach erklärt: „Dabei ist im Betrieb nicht nur der Umgang miteinander entscheidend, sondern auch das Umfeld, sprich das Büro. Dieses Themenfeld bearbeitet verstärkt die Designfunktion-Gruppe.“ Als Förderpartner des Projektes fungiert Vitra, das für seine Designermöbel bekannt ist. Es reicht laut Kallenbach nicht mehr aus, den Mitarbeitern einen festen Arbeitsplatz zuzuweisen. Heute hätten Schreibtische und Regale Rollen, seien verschiebbar. „W-Lan ermöglicht uns, überall arbeiten zu können“, erklärt Kallenbach. In den Besprechungsräumen würden dagegen schmalere Tische benötigt, die zur Diskussion einladen. „Auch bunte, ausgefallenere Stühle, die sich leicht auf- und abbauen lassen, gehören zu diesem Konzept. Schnell lassen sich damit Stuhlkreise bilden, in denen sich beispielsweise über Projekte ausgetauscht wird“, erklärt Kallenbach. Sie würden alte Muster durchbrechen und neuen Schwung reinbringen.

Regionalkonferenzen geplant

Je nachdem, wie die Räume innerhalb eines Betriebs gestaltet seien, könnten auch interne Arbeitsabläufe verbessert werden. „Die Mitarbeiter können sich beispielsweise auf dem Weg von der Kaffeeküche ins Büro austauschen, statt sich mit Meetings aufzuhalten“, sagt Kallenbach. Anregungen holten sich Kallenbach und die Projektpartner aus den USA, wo sie bei einer Lehrreise Einblicke in die Arbeitswelt von Großkonzernen wie Amazon und Starbucks erhielten. Wie Kallenbach berichtet, sind für 2020 drei Regionalkonferenzen im Rhein-Neckar-Kreis geplant. Dort soll das Projekt Officina Humana Geschäftsführern erläutert werden.

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