Kreis Südliche Weinstraße RMT will Kurstadt verkabeln

Das Unternehmen RMT aus Zug in der Schweiz wird möglicherweise auch in der Kurstadt den Breitbandausbau für schnelles Internet übernehmen. Am Mittwochabend stellte RMT seine Pläne für einen kostenlosen Ausbau mit Glasfaserkabeln im Stadtrat vor. Am 28. Juni, 19.30 Uhr, soll bei einer Infoveranstaltung im Haus des Gastes das Interesse bei den Bürgern geweckt werden.
Udo Meise, Manager bei RMT Engineering, stellte kurz das Unternehmen und die Ausbaustrategie vor. Wie mehrfach berichtet, plant RMT bereits den Ausbau mit Glasfaserkabeln in Oberotterbach, Dörrenbach, Kapellen-Drusweiler, Pleisweiler-Oberhofen und im Bad Bergzaberner Stadtteil Blankenborn. Für die Gemeinden würden dabei keine Kosten entstehen, wie Meise betonte. RMT plant, Glasfaserkabel bis in jedes Haus zu verlegen. Der Glasfasertechnik gehöre die Zukunft, so Meise. Zwar gebe es auch andere Möglichkeiten, die vom Kreis angestrebten 50 Megabits für jeden Haushalt zu erreichen. „Das geht auch mit Funktechnik“, so Meise, „nur in drei, vier Jahren reicht die Kapazität nicht mehr aus.“ Mit den Glasfaserkabeln bewege man sich im Terabitbereich. „Da sind sie die nächsten 40 bis 50 Jahre versorgt“, versprach Meise. Am weitesten fortgeschritten sind die Pläne in Oberotterbach. „Wir sind eine Art Vorreiter“, sagte Oberotterbachs Ortsbürgermeister Heinz Oerther, der dem Stadtrat seine positiven Erfahrungen mit RMT schilderte. Es gibt bereits einen Konzessionsvertrag. Der sei von einem Anwalt geprüft und liege nun der Verwaltung vor, so Oerther. Am 20. Juni gibt es in Oberotterbach eine weitere Infoveranstaltung für die Bürger. Er gehe davon aus, so Oerther, dass 80 Prozent der Oberotterbacher einen Vertrag mit RMT beziehungsweise dem Provider, mit dem RMT zusammenarbeiten wird, abschließen werden. Am 20. Juni werde er den Namen des Providers nennen, versprach Meise. Bei den bisherigen Infoveranstaltungen hatten die RMT-Vertreter immer gesagt, dass sie in Verhandlungen stünden, einen Provider aber noch nicht verkünden könnten. Heike Grill (FDP) wollte wissen, wie es RMT schaffe, den Breitbandausbau für die Kommunen kostenfrei anzubieten. „Die Philosophie der Familie Tresch, der RMT zu 100 Prozent gehört, ist es, nicht kurzfristig Geld zu verdienen, sondern langfristig“, antwortete Meise. Man refinanziere sich über den Service. RMT sei der Netzbetreiber, der Provider müsse Miete zahlen. „Ganz klar, wir müssen zunächst kräftig investieren“, sagte Meise, „aber wir rechnen damit, dass sich unsere Investitionen in zehn bis 14 Jahren amortisiert haben.“ Kostenfrei sei der Anschluss auch nur für die Nutzer, die direkt einen Vertrag mit RMT abschließen, wer sich erst nach ein paar Jahren dazu entschließe, müsse eine Gebühr entrichten. Rolf Enke (SPD) meinte, dass Bad Bergzabern bei der Versorgung mit schnellem Internet gar nicht so schlecht dastehe. Dem widersprach der erste Stadtbeigeordnete Martin Wichmann (CDU): „Es gibt ein paar Neubaugebiete, in denen die Versorgung ganz gut ist. In weiten Teilen der Stadt ist sie aber schlecht.“ Laut seinen Recherchen wäre RMT in der Südpfalz erstmals Netzbetreiber, bemerkte Sebastian Kirchner (CDU). Man habe viel Erfahrung mit dem Ausbau von Glasfasernetzen, etwa in Zürich, Winterthur oder Köln, betonte Meise. In Köln besitze man einen kleinen Teil des Netzes, es sei also nicht komplettes Neuland. Am 28. Juni wird sich RMT den Bürgern der Kurstadt präsentieren. „Wir werden sehen, wie groß das Interesse ist“, sagte Wichmann, „danach wird sich der Stadtrat noch einmal damit beschäftigt.“ Der Haushalt 2016 der Stadt sei inzwischen von der ADD genehmigt worden, verkündete Stadtbürgermeister Fred-Holger Ludwig (CDU). Allerdings unter strengen Auflagen, Kreditgenehmigungen sind künftig nur in Ausnahmen möglich. (jpa)